Balkan per Motorrad 2015 - Rückweg

Schwarzmeer & Balkan fast forward (Stand: 2016/07/27)

Heimwärts gen Westen

Von Flüchtlingen bis Montezuma

Motorrad Bulgarien - Troyan Paß
Motorrad in Bulgarien - Troyan Paß

Irgendwann is immer joot. Die Ur­laubs­zeit neigt sich dem En­de ent­ge­gen. Zeit, den Heim­weg an­zu­tre­ten.

Heim geht es via Türkei, Bul­ga­rien, Ser­bien, Un­garn, Slo­wa­kei und Tsche­chien.

Auch der Heimweg hält neue Er­fah­run­gen be­reit. Auf­grund er­höh­ter Schlag­zahl nicht so vie­le, aber im­mer­hin.

Montezuma läßt uns wieder tan­zen - här­ter denn je. Bul­ga­rien be­gei­stert mit ho­hen Ber­gen, Schops­ka und Ra­ki­ya. Ser­bien streichelt den Gau­men. Un­garn zeigt uns die kal­te Klat­sche.

Und schlußendlich werden wir nach har­ter Fah­re­rei im tsche­chi­schen Rie­sen­ge­bir­ge zu­sam­men mit Rü­be­zahl hoch dro­ben in den Ber­gen noch einen schö­nen Aus­klang ge­nie­ßen.

Wie jedes Mal wer­den wir aus die­ser Tour er­fah­re­ner, run­der he­raus­ge­hen. Fest­stel­len, daß wir wie­der ein­mal et­was ab­so­lut Ein­ma­li­ges er­lebt ha­ben.

Eine Tour ho­her Ber­ge, freund­li­cher Men­schen, glück­li­cher & stra­pa­zi­öser Mo­men­te. Eine Tour im Kau­ka­sus Ex­press.

Route im Überblick

Motorrad Türkei & Balkan 2015

Tagesetappen Rückweg
- Tag 20, 09.09.2015, 509km (Türkei)
- Tag 21, 10.09.2015, 499km (Türkei)
- Tag 22, 11.09.2015, 548km (Bulgarien)
- Tag 23, 12.09.2015, 395km (Bulgarien)
- Tag 24, 13.09.2015, 380km (Serbien)
- Tag 25, 14.09.2015, 175km (Serbien)
- Tag 26, 15.09.2015, 554km (Ungarn)
- Tag 27, 16.09.2015, 573km (Tschechien)
- Tag 28, 17.09.2015, 471km (Deutschland)

Schnitt: 456km/Tag
Motorrad Tour 2015 Rückweg - Übersichtskarte
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Istanbul hardcore

Ehrenrunde durch Asien & Europa

Gottogott. Wir werden ir­gend­wann schon wie­der raus­fin­den, in­shal­lah...

Eigentlich wollten wir nur schwin­ne mal durch Istan­bul. Ge­star­tet sind wir heut mor­gen auf einem Feld öst­lich von Bo­lu. Und an­kom­men wür­den wir gern heut Abend in einem uns wohl­be­kann­ten Ho­tel in Mal­ko Tar­no­vo. Macht im besten Fal­le knapp über 500km.

Aber da haben wir noch nicht so der­ma­ßen mit Istan­bul ge­rech­net wie es uns letzt­end­lich durch ei­ge­nes Ge­schick zu er­wi­schen ge­denkt.

Um es kurz zu machen und vor­weg­zu­neh­men: Die Na­vis stei­gen aus oder ma­chen Blöd­sinn. Der Ver­kehr ist der Ham­mer. Und wir ma­chen ge­fühlt un­ge­fähr 100km Istan­bul in ent­spre­chend quir­li­gem Ver­kehr.

Die voll­kom­men ver­peil­te Route ist es wirk­lich wert noch­mal be­kuckt zu wer­den.

Am Ende des Tages stehen knapp 550km auf der Uhr. In­klu­si­ve lecker Mit­tag­es­sen in Istan­bul (die Kell­ner sind wie­der ver­zwei­felt, weil sie das WLAN auf be­sag­tem Smart­phone wäh­rend des ge­sam­ten Es­sens nicht zum Lau­fen be­kom­men...;) und meh­­re­­ren Päus­ken.

Der späte Nachmittag wohnt auf einer klei­ne­ren Stra­ße zwi­schen Istan­bul, Sa­ray und Kir­kla­re­li.

Die Fahrt gen letz­te­res wird be­glei­tet von einem dra­ma­ti­schen Ge­wit­ter-Abend­him­mel, dem wir in Kir­kla­re­li nur mit Müh und Not beim Ver­tan­ken der letz­ten Li­ra ent­ge­hen.

Hinauf zur bul­ga­ri­schen Gren­ze ist es be­reits dun­kel. Die Stra­ße liegt im Ne­bel. Die Sicht ist teils sehr knapp. Wir uns nicht si­cher, ob die Gren­ze ir­gend­wann ge­schlos­sen wird. Falls ja, wird's sehr knapp.
Türkei Motorrad - Mit dem Motorrad auf der nördlichen Brücke über den Bosporus in Istanbul
Auf der nördl. Bosporus-Brücke

Und zu guter Letzt lan­den wir in Mal­ko Tar­no­vo. Der Grenz­über­tritt im Ne­bel klapp­te pro­blem­los. Das freu­dig er­hoff­te Ho­tel stand noch an Ort und Stel­le. Aber der Be­trei­ber war ein neuer.

Statt netter Be­die­nung, sehr lecker Es­sen und schmuckem Am­bien­te gab's jetzt Hack­fres­se, Ne­on­licht und brül­lend lau­te Mucke aus nem Fuß­ball-Groß­bild­schirm.

So kann man sich täu­schen. Der schon be­sag­te letz­te Drücker...

Weiterführende Infos:
- Stadt Istanbul
- Stadt Bolu
- Stadt Malko Tarnowo
- Meerenge Bosporus
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Kuschelhase

Deine großen braunen Äuglein...

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Richtig dicke Berge & 2x Überraschung

Über den Wolken

Zügig treibt es uns durch Bul­ga­rien. Vor­bei an Ge­bir­gen und ho­hen Ber­gen. Ri­la, Pi­rin und Rho­do­pen pur­zeln lin­ker­hand vor­bei. Wir stol­pern durch die Sred­na Go­ra und das Ro­sen­tal.

Hier werden - begünstigt vom mil­den Kli­ma im Tal zwi­schen zwei ho­hen Ge­birgs­zü­gen - seit Jahr­hun­der­ten im gro­ßen Stil Ro­sen ge­züch­tet und u.A. zu einem der teu­er­sten äthe­ri­schen Öle, dem Ro­sen­öl, ver­ar­bei­tet. Die s.g. "Bul­ga­ri­sche Öl­ro­se" - die Ka­zan­lak - wird erst­ma­lig im Jah­re 1689 er­wähnt.

Vor uns er­hebt sich kur­zer­hand das Bal­kan­ge­bir­ge - Na­mens­ge­ber der ge­sam­ten Bal­kan­halb­in­sel. Der Blick in die Karte ver­rät: Hier woh­nen Kur­ven! Und so lan­den wir kur­zer­hand we­nig spä­ter auf dem Tro­yan-Paß/Be­kle­me­to-Paß. Nur Mi­nu­ten spä­ter ste­hen wir un­ter dem "Arka na swo­bo­da­ta" - einem 34m ho­hen Denk­mal zum Ge­den­ken an die Be­frei­ung Bul­ga­riens.

Auf 1.630m stehen wir im küh­len Wind. Hoch über den wei­ten Lan­den. Die Füße über den Wol­ken...

Rückblick: Gestern Abend in Kar­lo­wo. Nach et­was Ge­su­che fin­det sich doch noch ein net­tes, frei­es Ho­tel­zim­mer. Und das recht schicke Re­stau­rant ist schnell auf­ge­tan.

Nach einem langen Fahr­tag wird gut ge­ta­felt. Vorn­weg ein schickes Sa­lät­chen. Und ganz hin­ten raus - nach der Nach­spei­se - gibt's noch ein be­son­de­res Bett­hup­ferl.

Bei uns in Westeuropa kaum be­kannt. Hier in Bul­ga­rien je­doch hoch ge­han­delt. Der "Tro­yan­ska sli­vo­va ra­ki­ya" - ein schmack­haf­ter Pflau­men­schnaps aus Tro­yan - wird in ed­len Kri­stall­glä­sern kre­denzt. Für die Kol­le­gens da­zu eine klei­ne glä­ser­ne Schale mit Zäng­chen und klei­nen Eis­wür­fel­chen. Ich leh­ne ab und wid­me mich dem Bett­hup­ferl - und auch dem zwei­ten, denn auf einem Bei­ne soll es sich ja be­kannt­lich schlecht ste­hen las­sen - pur.

Ein schöner Ausklang eines lan­gen Ta­ges mit ei­ni­gen po­si­ti­ven Er­leb­nis­sen.
Balkan Motorrad - Arch of freedom, Troyan Paß, Goraltepe
Freiheitsbogen, Troyan Paß, Region Goraltepe, Balkan

Weiterführende Infos:
- Schneller Überblick
- Arch of freedom, Troyan Paß, Goraltepe
- Rosental

Gebirge
- Balkan (Stara Planina)
- Rila
- Pirin
- Rhodopen
- Sredna Gora

Stadt
- Troyan [1], [2]
- Karlowo
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Montezumas wilde Party

Spaß aus Würfeln

Augen auf. Gott is das hell! Blick zur Uhr. OHA! Acht Mi­nu­ten Auf­ste­hen, Du­schen, Packen, Ab­fahrt. Feu­er frei!

Komisch... kein Ton von den Jun­gens... viel­leicht sind sie schon run­ter zu den Mo­pe­ten. Vor­sichts­hal­ber mal am Nach­bar­zim­mer klop­fen.

Ein extrem ge­quäl­tes "He­rein". Und da lie­gen sie auch schon, die bei­den Hel­den. Fix und fo­xi wie der Tod auf Lat­schen.

Fast flüsternd be­rich­ten sie aus der Ho­ri­zon­ta­len von einer dra­ma­ti­schen Nacht. Von stän­di­gen At­tacken. Flit­ze­rei Bett - Klo. Dem heik­len Mo­ment als bei­de zeit­gleich dem Durch­fall hul­di­gen müs­sen - wie hat­tet Ihr das bit­te noch­mal ge­löst??

Beide sind fertig. Absolut fi­nal im Ei­mer. Von rea­ler Fahr­un­fä­hig­keit ge­trennt nur noch von ze­men­tier­tem - wenn auch ram­po­nier­tem - Wil­len und Stur­heit. Es wird ein kur­zer Tag mit vie­len Pau­sen. Nicht nur pro Ge­büsch, son­dern auch vi­va der Ho­ri­zon­ta­len.

Einer wird in Em­bryo-Stel­lung di­rekt ne­ben dem As­phalt lie­gen. Alle drei letzt­end­lich in einer Acker­fur­che - ich hole mir stell­ver­tre­tend für alle wie üb­lich mal wie­der einen Bie­nen­stich.

Montezuma feiert wie­der eine Par­ty. Dies­mal läßt er's so rich­tig kra­chen. So fer­tig hab ich die Kol­le­gens noch nicht er­lebt.

Die Reflektion er­gibt: Tho­mas und Kay hat­ten hin­läng­lich Eis­wür­fel in ih­rem bul­ga­ri­schen Scha­nap­pus. Vol­le Breit­sei­te via Was­ser in Wür­feln.

Bei mir tritt die Wir­kung lang­sa­mer ein, da wahr­schein­lich nur die Sa­lat­blät­ter mit dem Was­ser ge­putzt wur­den.
Bulgarien Motorrad - Schlaf auf Motorrad nach Durchfall-Nacht
Auswirkungen von Montezumas Rache

Es bleibt zu re­sü­mie­ren: Eis­wür­fel tut man nicht in einen gu­ten Schnaps. Und für nen rich­tig schicken Schop­ska-Sa­lat kann man auch mal um­me Ecke flit­zen - is bei wei­tem nicht so dra­ma­tisch wie die gött­li­che Sün­den-Keu­le für Eis­wür­fel im ed­len Tran­ke...

Weiterführende Infos:
- Schopska-Salat
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Bulgarien

Großartiges Land auf Standspur

Auch, wenn wir eigent­lich nur schnell hin­durch­sprin­ten, Bul­ga­rien be­gei­stert uns wie­der ein­mal. Die Land­schaf­ten sind groß­ar­tig. Vie­le klei­ne Nu­an­cen wis­sen zu be­gei­stern.

Aber all das kann nicht da­rü­ber hin­weg­täu­schen, daß auch Bul­ga­rien sich vie­ler­orts in einem ziem­lich de­so­la­ten Zu­stand be­fin­det.

Speziell im Nord­we­sten pas­sie­ren wir vie­le klei­ne Dör­fer in de­nen ent­we­der nur ein­zel­ne, wenn auch vie­le, Häu­ser leer­ste­hen und ver­fal­len - oder gleich die gan­zen Dör­fer.

Straßen erster und zwei­ter Ord­nung (ein- & zwei­stel­lig) sind meist ganz ok. Drit­ter und vier­ter Ord­nung (drei- & vier­stel­lig) be­fin­den sich üb­li­cher­wei­se in einem höchst be­mit­lei­dens­wer­tem Zu­­stand.

Im Nordwesten pas­sie­ren wir mit eini­gem Ab­stand öst­lich eine gro­ße Stadt - ver­mut­lich Vrat­sa. Viel­leicht un­ter­lie­gen wir einer op­ti­schen Täu­schung. Aber die Ge­bil­de am Ho­ri­zont - Mas­sen an In­du­strie­an­la­gen und Wohn­blöcke, de­ren schwar­ze, lee­re Augen uns an­star­ren - ver­mit­teln den Ein­druck ver­las­se­ner Rui­nen.
Unser aller Ein­druck ist, daß Bul­ga­rien auf der Liste der be­rei­sten Län­der Eu­ro­pas (und das sind doch eini­ge allein auf die­ser Tour) mit Ab­stand das Schluß­licht bzgl. op­ti­schem öko­no­mi­schem Zu­stand bil­det.

Der Schritt beim Über­schrei­ten der Gren­ze im Nord­westen ist dann auch ein ge­wal­ti­ger (die Grenz­for­ma­li­tä­ten sind schnell und freund­lich er­le­digt). Ob­wohl nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter die Dör­fer im Nord­westen Bul­ga­riens und Za­je­car auf ser­bi­scher Sei­te tren­nen, lie­gen optisch Wel­ten da­zwi­schen.

Nichts­desto­trotz - so­wohl Bul­ga­rien als auch Ser­bien, wir wer­den wie­der­kom­men. Bul­ga­rien mit all sei­nen Ge­bir­gen und vie­len klei­nen, fei­nen Nu­an­cen durch­strei­fen...

Weiterführende Infos:
- Bulgarien
- Bulgarien (touristisch)
- Stadt Vratsa

Eisernes Tor

Entlang des großen Wassers

Ein neuer Tag. Unser Kumpel Mon­te­zu­ma hat das Heft noch im­mer hart in der Hand. Spä­te­stens al­le 50km heißt's: Ab in die Büsche.

Da alle drei das gleiche Pro­blem ha­ben, muß sich nie­mand be­nach­tei­ligt füh­len. Als­denn: Husch-husch, flitzt, ihr Lum­pen...

Heuer geht's vorbei am Ei­ser­nen Tor, einer durch mas­sive Ge­bir­ge - den Ser­bi­schen Kar­pa­ten im Sü­den, dem ru­mä­ni­schen Ba­na­ter Ge­bir­ge im Nor­den - her­vor­ge­ru­fe­ne Ver­en­gung der hier mäch­ti­gen Do­nau und des gleich­na­mi­gen Stau­sees, der mit sei­ner Flä­che die Hälf­te des Bo­den­sees be­decken wür­de.
Die Donau, die vor dem Ein­tritt in die­se Pas­sa­ge im Schnitt be­reits über einen Ki­lo­me­ter breit ist, wird durch die Fels­mas­si­ve auf 200m Breite ver­engt.

Bis 1972 - als mit Bau des er­sten Kraft­werks eine Ent­schär­fung vor­ge­nom­men wur­de, galt die­se Pas­sa­ge mit ihren un­be­re­chen­ba­ren Strö­mun­gen, Wir­beln und Un­tie­fen als ge­fähr­lich­ste, schiff­ba­re Etap­pe des zweit­läng­sten Stro­mes Eu­ro­pas.

Weiterführende Infos:
- Eisernes Tor (Durchbruchstal)
- Eisernes Tor (Stausee)
- Donau
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Festung Europa

Stacheldraht, Schnellfeuerwaffen & auffe Mütze

Seit mehreren Tagen er­rei­chen uns wie­der­holt Be­rich­te via SMS, daß es in West­eu­ro­pa zu gro­ßen, so in un­se­rer Zeit bis dato noch nicht ge­kann­ten Flücht­lings­strö­men kä­me. Wir ha­ben bis­her nichts da­von wahr­ge­nom­men, sind an sich aber in kein­ster Wei­se ver­wun­dert.

An der Grenze zwi­schen Ser­bien und Un­garn sind wir dann fällig. Um Me­ter zu ma­chen fah­ren wir ab Bel­grad (Ser­bien) die Auto­bahn gen Sze­ged (Ungarn). Kurz vor der Gren­ze wol­len wir gen Su­bo­ti­ca ab­bie­gen und dort über den klei­nen, ge­müt­li­chen Grenz­über­gang fah­ren. Aber wir sind nicht al­lein. Die ge­sam­te Auto­bahn ist ge­sperrt und der kom­plet­te Auto­bahn­ver­kehr wird ge­nau auf un­se­re Strecke um­ge­lei­tet. Auto­bahn auf klei­ne Land­stra­ße. Das birgt Po­ten­tial.

Und so kommt es denn auch. Lan­ge Schlan­gen stau­en sich vor'm ser­bisch-un­ga­ri­schen Grenz­über­gang. Es ist heiß. Al­le paar Mi­nu­ten geht es ein Schritt­chen vor­wärts. Vor­bei­schlei­chen spa­ren wir uns vor­sichts­hal­ber. Die Leute sind ge­nervt.

Unsere Position in der Schlan­ge er­weist sich als Glücks­griff mit Er­leb­nis­wert. Wir ste­hen ne­ben einem al­ten Golf voll­­ge­quetscht mit fünf glatz­köp­fi­gen, tä­to­wier­ten Body­buil­dern. Und je­der von ih­nen scheint ein Aus­bund an Freund­lich­keit in Per­son, einem ge­müt­li­chen Kaf­fee­kränz­chen in herz­li­cher Wär­me ge­neigt. Der Typ Mensch, des­sen Nähe man be­son­ders im Dun­keln ger­ne sucht.
Es kommt, wie es kom­men muß: Der er­ste steigt ge­nervt und ge­lang­weilt aus. Ver­tritt sich die Bei­ne. Be­kuckt uns, wie wir bra­ten, und un­se­re Mo­tor­rä­der. Und be­ginnt mit einer Mie­ne, die uns're Mop­ped-Pro­tek­to­ren in Deckung ge­hen läßt, zu knur­ren: We­gen Euch deut­schen Idi­oten und Eurer Mer­kel stecken wir jetzt hier in die­ser Schei­ße! Hä? Wie mei­nen?

Die Luft ist zum Schnei­den. Und sie wird es auch die näch­sten paar Mi­nu­ten blei­ben. Einer klei­nen, pro­vo­zier­ten Ran­ge­lei ge­folgt von einer ge­pfleg­ten, zünf­ti­gen Naht ent­ge­hen wir mei­ner Meinung nach nur, weil es zu vie­le Zeu­gen gä­be.

Schnitt und fast for­ward: Ge­rau­me Zeit spä­ter ste­hen wir an der Gren­ze. Im­pro­vi­sier­ter Sta­chel­draht al­lent­hal­ben. Über­all Sol­da­ten. Mit Schnell­feu­er­waf­fen. Ein paar mit Scharf­schüt­zen­ge­weh­ren. Ein, zwei ge­pan­zer­te Fahr­zeu­ge. Und dann ste­hen wir vor'm näch­sten High­light des heu­ti­gen Ta­ges, wir Re­vo­luz­zer, wir Lum­pen, wir Schmug­gel­brut!

Wir fahren ja alle drei einen Tank­ruck­sack und eine zen­tra­le 70L-Kiste spa­zie­ren. Wir dür­fen die Ki­sten öff­nen, da man sie auf Flücht­lin­ge kon­trol­lie­ren müs­se. Die Tank­ruck­säcke wür­digt man merk­wür­di­ger­wei­se kei­nes Blickes - wo ich doch ge­ra­de da eine kom­plet­te Fuß­ball­mann­schaft drin ver­steckt hat­te...

Eine kurze Frage

Wer zwinkert zuerst?

Nur mal kurz über­legt. Ich kom­me von ganz weit her aus einem Kriegs­ge­biet. Ha­be mas­si­ve Stra­pa­zen über mich er­ge­hen las­sen und wer­de kurz vor'm Ziel auf­ge­hal­ten.

Wenn die mich und alle an­de­ren ein­zeln nicht durch­las­sen wür­den, käme von mir der Vor­schlag, daß wir al­le gleich­zei­tig ge­mein­sam los­ge­hen.

Ist die Gruppe groß ge­nug - 500-1.000 Per­so­nen - nach außen sehr freund­lich und un­an­ge­spannt lä­chelnd ge­sinnt, läßt sich eine sol­che Be­we­gung nur schwer­lich auf­hal­ten.
Was passiert wohl, wenn je­mand wirk­lich auf so eine Tak­tik ver­fällt und der er­ste be­waff­ne­te Gren­zer die Ner­ven ver­liert?

Wieviele Men­schen fal­len um? Und was wer­den die ver­blei­ben­den hun­der­te an auf­ge­sta­chel­ten Men­schen wohl von den 20 Gren­zern über­las­sen?

Mir behagt der Gedanke in keinster Weise.

Székesfehérvár

Ungarns Königsstadt

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Krönender Abschluß

Tschechisches Bier im Riesengebirge

Tschechisches Riesengebirge, Erlenbachbaude, Spindlermühlen
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Wir lassen uns im herrlichsten Sonnenschein mit teils abgeschalteten Motoren talwärts gen Spindlermühlen rollen
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Weiterführende Infos:
- Riesengebirge

- Stadt Spindleruv Mlyn
- Stadt Spindleruv Mlyn (touristisch)

- Erlenbachbaude
Der vorletzte Tag treibt uns ab Un­garn wei­ter in Rich­tung Hei­mat. An­ge­setz­tes Ziel zum krö­nen­den Ab­schluß soll eine alt­be­kann­te Bau­de hoch dro­ben im Rie­sen­ge­bir­ge wer­den. Doch wir ha­ben die Rech­nung ohne Tsche­chiens Osten und un­se­re Un­kennt­nis ge­macht.

Wir entscheiden, ab Brünn (Brno) über klei­ne Stra­ßen gen Nor­den zu fah­ren. Und krie­chen stun­den­lang von ei­nem Orts­schild zum näch­sten. Die Strecke zieht sich wie ein Kau­gum­mi. Und wie­der ein Orts­schild. Mehr als 50km/h kom­men kaum zu­stan­de. Im­mer tie­fer steigt die Son­ne. Kaum nä­her scheint das Ziel zu rücken.

Obwohl wir Brno gegen 13:00 Uhr pas­sie­ren und nur we­nig mehr als 200km vor uns wis­sen, wird die Welt sich be­reits in tie­fes Abend­licht klei­den, eh wir un­ser Ziel­ge­biet auch nur er­rei­chen.

Leichter Unmut, Er­schöp­fung und er­ste Zwei­fel ma­chen sich breit. Mit den Schat­ten und den an­stei­gen­den Ber­gen wird es spür­bar käl­ter. Ob wir noch durch den Na­tio­nal­park kom­men?

Die letzten paar Meter geht es mit kurz­fri­sti­ger te­le­fo­ni­scher Son­der­ge­neh­mi­gung durch die Schran­ke hi­nauf in die Ber­ge Nä­he Schnee­kop­pe. Dro­ben ist es ge­ra­de noch hell als wir an der Er­len­bach-Bau­de an­kom­men.

In scharfe Kontraste hül­len sich Rü­be­zahls Hö­hen. Traum­haf­te spä­te Abend­stim­mung ent­schä­digt für den lan­gen Nach­mit­tag.

Mit einem groß­zü­gi­gen Mahl und reich­lich tsche­chi­schem Bier klingt sie aus, eine wei­te­re Rei­se im Kau­ka­sus Ex­press.

Und wenn sie eines mit ab­so­lu­ter Ge­wiß­heit so rich­tig gut kön­nen, die Tsche­chen, dann fin­det sich ihr Bier mit Si­cher­heit nicht an letz­ter Stel­le.

Na zdraví...
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