Balkan per Motorrad 2015 - Anreise-Etappe

Durch Osteuropa (Stand: 2016/03/30)

Via Balkania

Zickezacke über des Balkans hohe Berge

Motorrad Balkan - albanische Alpen - Thorepaß
Motorrad Albanien - Thorepaß nahe Theth
Die Anreise-Etappe 2015 führt diesesmal di­rek­ta­men­te über des Balkans hohe Berge.

Die Motorräder rollen mit Schwung hinaus aus Deutschland nach Österreich. Zügig durch Slo­­we­nien, Kroatien und Bosnien-Her­ze­go­wi­na. Weiter via Montenegro, Al­ba­nien, Ma­ze­do­nien und Griechenland.

Uns erwarten hohe Berge und tiefe Täler. Ein­schuß­löcher und Minenfelder. Wundervolle kla­­re Seen mit einzigartiger Flora und Fauna. Dolen auf den Dächern der Stadt. Klitzekleine Kir­chen am Straßenrand.

Zwischen wilden Felsen harrt die Sorge vor zwie­lich­tigen Gestalten. Polizei und Dro­gen­pro­du­zen­ten werden sich gegenseitig auf die Köppe haun.

Schick gekleidete Einheimische Kreise laufen. An­de­re wer­den unsere Medien Lügen strafen.

Die Anreise wird bereits viele interessante Er­leb­nis­se mit sich bringen. Per Motorrad über den Balkan 2015.

Route im Überblick

Motorrad Balkan 2015

Tagesetappen Anreise
- Tag 1, 21.08.2015, 770km (Österreich)
- Tag 2, 22.08.2015, 554km (Bosnien)
- Tag 3, 23.08.2015, 302km (Montenegro)
- Tag 4, 24.08.2015, 327km (Albanien)
- Tag 5, 25.08.2015, 324km (Mazedonien)
- Tag 6, 26.08.2015, 661km (Mittelmeer)

Schnitt: 490km/Tag
Motorrad Balkan 2015 - Übersichtskarte
Motorrad Balkan 2015 - Übersichtskarte

Abfahrt

Sammelt Euch und auffi geht's...

Das Spielchen ist altbekannt. Die teil­neh­men­­den Probanden treffen sich, es wird ein Foto gemacht, aufgesattelt und es geht los.

Die einzelnen Teilnehmer sind des frühen Mor­­gens gut verpackt und heuer wird das eine gar vor­treff­liche Idee sein. Die ersten 130 km gibt's Nebel und zwar frischen.

Auf geht's! Mal wieder gen Osten. Mal wie­der gen Kaukasus. Laßt ihn rollen, den Kaukasus-Ex­press...
Startaufstellung vor der Tour
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Seid gewarnt

Reisen & Eintauchen versus Scheuklappen & Ignoranz

Eine kleine Vorwarnung möchte ich vor der Lek­­tü­re dieses Rei­se­be­richts vor­aus­schießen:

Hat man erstmal den Faden zum in­di­vi­du­el­len Reisen gefunden; hat man begonnen, lie­ber selbst tief einzutauchen statt sich pau­schal berieseln zu lassen, dann gibt es kein Zurück.

Man stellt schnell fest, daß die heimische, me­di­ale Be­richt­er­stattung üblicherweise das jeweilige Ge­sche­hen vor Ort sehr einseitig, unvollständig und nicht selten in einem völlig überzogenen, re­gel­recht falschen Kontext dar­stellt. Daß die Welt, die Realität vorort eine ganz andere - üb­li­cher­weise eine viel freund­lichere, gewöhnlichere - als daheim berichtet ist.
Es fällt immer schwerer, Dinge nicht zu hin­ter­fra­gen, Dinge pauschal zu ignorieren, sich hinter eine Mauer des Verdrängens in ro­sa­ro­te Watte zu flüchten.

Seie Du, lieber Leser, hiermit vorgewarnt, daß die­ser Rei­se­be­richt neben der zuckersüßen, wat­te­weichen, urlaubigen, abenteuerlichen Seite einer Reise auch ein paar durchaus nachdenkliche kleine Bonbons mit bitterem Beigeschmack ein­streu­en wird.

Reisen ist schlecht für Vorurteile. Und voll­kom­men ungeeignet für Scheuklappen.

Wohnhausskelette & Einschußlöcher

Wenn Nachbarn sich plötzlich nicht mehr mögen

Über Österreich, Slowenien & Kroatien geht es in Richtung Balkan, der ersten kleinen Etap­­pe der diesjährigen gemeinsamen Tour.

Österreich und ein gemütlich-uriger Abend, herr­lich frischer Hopfentee und Zirbenschnaps als Bett­­­­hupferl liegen hinter uns. Das ehe­ma­li­ge Ju­gos­la­wien steht auf dem Plan.

Am slowenisch-kroatischen Grenzübergang tei­len sich die Grenzer beider Länder prag­ma­tisch ein Häuschen auf slowenischer Seite. Man ist zu­sam­men­ge­rückt, nutzt die slo­­we­nische Grenz­sta­tion gemeinsam. Sie stehen direkt ne­ben­ein­an­der.

Nachdem der slowenische Grenzer uns freund­lich kon­­trol­liert hat, schmunzelt seine kroatische Kol­le­gin einen Schritt weiter bloß und wünscht gu­te Reise. Hier ist man gut Freund. Hier macht das Leben Spaß.

Daß das auch ganz anders laufen kann, er­lebt man direkt hinter der nächsten Grenze. Kroa­tien und Slavonski Brod sind soeben ver­las­sen, der Grenzfluß Sava gerade überquert, da stoßen wir auf bosnischer Seite - in Brod - auf die ersten Ge­bäu­de mit alten Ein­schuß­löchern.

Was danach folgt, sind einige zig Kilometer - mensch­lich - totes Land. Vegetation, Büsche, Bäu­me. Und dazwischen immer wieder die Ske­let­te, die Ruinen ehemaliger, ein­zeln ste­hen­der, alter Wohnhäuser. Zer­schos­sen, aus­­ge­­brannt, ein­ge­stürzt und überwuchert. Die Spu­ren ver­gan­ge­ner Ge­walt. Dinge, an die sich kein Mensch gern erinnert.
Die Natur erobert zurück, was niemand mehr mag. Zeit heilt alle Wunden.

Wo sind die Menschen geblieben, die sie einst bewohnten? Fortgegangen? Geflüchtet? Oder tot?

Ich kann es nicht verstehen, wie es möglich ist, daß sich zwei Menschen - vielleicht ehe­mals Nachbarn - so mir nichts dir nichts einfach er­schie­ßen. Einmal quer durch die Nachbarschaft gehen und alles niedermähen und töten, was ihnen vor's Rohr kommt.

Aus diesem Grunde frage ich nach. Komme kurz ins Gespräch mit einem kroatischen Tank­wart in Bosnien. Und habe Glück - der Kollege ist auf­ge­klärt! Auf meine aufrichtig und wirklich ah­nungs­los ge­stell­te Frage, daß ich es nicht verstehen könne, warum sich zwei Menschen er­schie­ßen, antwortet er knapp & präzise: "Ame­ri­ka".

Oha!

Da fehlt mir jedweder Hintergrund. Da muß ich spä­ter nochmal nachforschen...

Weiterführende Infos:
- Fluß Save
- Jugoslawien
- Jugoslawien-Kriege

Recherchiert, erstaunt, oha!

Wenn Realität & Medien mal wieder differieren

Wenn ich speziell durch meine Reisen eine Sache gelernt habe, dann, daß die Realität vorort leider viel zu häufig von der medial-vermittelten Rea­li­tät teils eklatant abweicht.

Was weiß man denn so gemeinhin vom Krieg - oder den Kriegen - in Jugoslawien? Wer hat eigentlich angefangen? Haben sich da nicht ver­schie­dene Be­völ­ke­rungs­grup­pen ge­gen­sei­tig auf die Rübe gehauen? Was war da mit den Mi­lo­se­vics, den Karadzics, Mladics und Co? Wie war das eigentlich? Und was kann das mit Amerika zu tun haben?

Im Jahre 2013 gab ein gewisser Hr. Robert Baer, seines Zeichens Ex-CIA-Mitarbeiter hö­he­rer Po­si­tion und Autor mehrerer Bücher wie "Sleeping with the Devil", "See no evil" ein Interview aus dem hervorging, daß er im Auftrag der CIA im Zeit­raum '91-'94 in Ju­go­slawien mit einigen Kollegen unterwegs war, um ein wenig Un­frie­den zwischen den ver­schie­de­nen Be­­völ­­ke­­rungs­gruppen zu schü­ren. Und das geht unter anderem so:

Man schickt ein paar CIA-Spezialisten nach Bos­­nien, um dort den angeblich geplanten Terror-An­schlag einer ser­bischen Ter­ror­grup­pe zu vereiteln - einer Gruppe, die es fak­tisch gar nicht gibt. Das sagt man aber den Bosniern nicht, sondern heizt deren Sor­ge vor einem serbischen Ter­ror­an­schlag - und somit vor den Serben - so richtig an.

Das Spielchen spielt man mehrfach. Zur Un­ter­stützung ein paar Milliönchen hier, ein paar Mil­li­önchen dort.
Das Ende vom Lied - Wasser auf den Mühlen lang brodelnder Unstimmigkeiten - sind meh­re­re Krie­ge, tau­sen­de Tote, hun­dert­tau­sende Flüchtlinge; neue Besitzer einiger höchst erklecklicher Roh­stoff­vor­kommen und eine neue - die größte - Mi­li­tär­basis der Amerikaner in Osteuropa. Camp Bond­steel im Kosovo.

Honni soit, qui mal y pense! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Mich wundert nur mal wieder, daß man wieder irgendwie nie etwas darüber gehört hat.

Achja... Camp Bondsteel wird 2009 durch einen europ. Menschenrechtskommissar als "kleine Version von Guantanamo" be­zeich­net.

Sorry, daß so etwas hier in einem Rei­se­bericht auftaucht. Aber die Wahrheit schmeckt manchmal eben bitter - und Lügen haben kurze Beine.

Sowas passiert, wenn unterwegs auf einer Reise ein Ein­hei­mischer völlig überraschend sagt, Hin­ter­grund für tausende Tote wäre Ame­ri­ka...

Weiterführende Infos:
- Person Robert Baer
- Interview Robert Baer (serb.)
- Interview dt. via Google Translate
- Übersetzung & Infos bzgl. Interview
- Camp Bondsteel (engl.)

Die Bosnische Stromspartoilette

Effizienz neu definiert

Die heutige Fahrt ist beendet. Und bereits nach ein paar wenigen Schlucken frisch Ge­zapf­tem wer­de ich in die glückliche Lage versetzt, ein bos­ni­sches Kleinod aktuellster Stromspartechnik am eigenen Leibe und höchst­per­sönlich erleben zu dürfen.

Vom Schankraum geht's hinunter in den Kel­ler. Ein Bewegungsmelder - freund­li­cher Be­­­dien­­­ste­ter des sich in Eile befindlichen Gastes - schaltet das Licht auf der Treppe an.

Unten geht's rechts weg in den nächsten Gang. Hier erledigt der nächste Kollege zu­ver­lässig und ohne Murren seinen Dienst.

Hinter einer Tür am Gangende rechterhand folgen die eigentlichen Sa­ni­tär­räum­lich­kei­ten. Auch hier: Ohne Mur­ren, stantepede und zackabumm wird es Licht, dem Gaste wird der Weg zur Stelle der Ver­rich­tung geleuchtet und los geht's...

Wer sich jetzt ungeduldig fragt, wo denn jetzt das Stromsparwunder bleibt, kommt noch nichtmal bis zum Ende des Satzes... Denn: Es ist aus­ge­packt. Die stehende Verrichtung hat gerade be­gon­nen. Ein erster Anflug von Erleichterung will gerade einsetzen...

Da geht das Licht aus! Absolute Nacht! DAS nenn ich Stromsparen! DAS ist Effizienz! Da kann man noch was von lernen! Jawoll! Und nicht nur in der Toilette, nein, auch draußen im Gang und auf der Treppe wird keinerlei Energie mehr verschwendet! DAS ist Kon­se­quenz! So wird das was mit aus­ge­nutz­tem Einsparpotential!

Derweil ich noch begeistert bin - irgendwie, be­mer­ke ich, daß ich a) meine Stirnlampe nicht mit ins Restaurant genommen habe und b) daß da immernoch was läuft...
Motorrad Bosnien - Hotel mit Stromspartoilette
Hotel in Bosnien

Ob die bosnischen Kollegen ihre Geschäfte einfach nur viel schneller verrichten und ob jemand die Sauerei gesehen hat - ich hab nicht nachgefragt.

Achja - schonmal während des Geschäfts an­ge­fangen, wild mit den Armen zu wedeln um's Licht wieder einzuschalten? Ja? Dabei schon­mal verblüfft fest­ge­stellt, daß das - selbst bei erstaunlich langen Gliedmaßen - aus­schließ­lich von der Eingangstüre, nicht aber vom Pissoir aus möglich ist?

Erstaunen, Panik und unterdrückter Schmerz sind drei Kumpels, die manchmal Hand in Hand auftreten. Hossa, die Waldfee...

Das ungarische Kettenproblem

Von Gleichverteilung, Fairneß und anderen Schurkereien

In besagtem Restaurant wird nicht nur äu­ßerst effektiv Strom gespart. Es gibt auch Pivo. Und knapp 10 durstige Motorradfahrer, die sich in ungarische und deutsche Na­tio­na­lität aufteilen - sich aber abgesehen davon und von der Sprache scheinbar in kein­ster Weise unterscheiden. Man trinkt Bier. Man schwa­dro­niert. Man quatscht Benzin.

Naturalmente passiert, was passieren muß. Es dauert nicht ewig bis man sich gegenseitig halb auf dem Schoß sitzt und wilde Ge­schich­ten von fahrbaren Untersätzen absondert.

Nun bringt der Zufall zwei unterschiedliche Kom­­po­­nen­ten zueinander, die den härtesten Zwei­komponentenkleber eiskalt als laues Lüft­chen da­ste­hen lassen hinsichtlich der auf­ge­wandten Bindekräfte: Einen wirklich, wirk­lich, wirklich ver­zwei­felten Ungarn mit ei­nem Ket­ten­problem an seiner ER-6n und zwei dt. Mo­tor­rad­händler und KFZ-Me­cha­ni­ker, die nicht ahnen, was ihnen blüht.

Er - LKW-Kontrolleur, Ingenieur und Mo­tor­rad-Fahr­­leh­rer - wird den Rest des Abends immer wieder seine Ket­te einbringen, die un­glaub­lich schnell ver­schleißt. Es wird um schie­fe Rah­men, schlechte Verarbeitung, Schwin­­gen­­pro­bleme, etc. pp. gehen bis den beiden die Ohren bluten, die Pupillen "TILT!" anzeigen und die Bärte ein gutes Stück an Länge zugelegt haben.

Kurz bevor ihnen final die Köpfe explodieren, sorgt Kollege Fahrlehrer unbewußt geschickt im­mer mal wieder für etwas Abwechslung. ("Kö­zö­nöm" - danke - meinerseits dafür.)
Diesmal wird die Kette kurz beiseite gelegt und er erzählt von seiner Zusammenarbeit als LKW-Kontrolleur mit seinen öster­rei­chi­schen Kollegen. Es dauert nicht lange und eine nicht von der Hand zu weisende, harte Frage läßt den Raum innehalten: "Warum verdient er - obwohl er langsam, faul und fachlich weniger kompetent ist als ich - 2.000 EUR und ich nur 500"?

Tja. Da haben wir ihn wieder. Den Grund für ein herzhaftes "OHA!".

Noch auf dieser Reise werden uns mehrere SMS von daheim erreichen, die von wahren Flücht­lings­an­stür­men auf die west­eu­ro­pä­ischen Länder berichten. Von ge­schlos­senen Grenzen. Von stei­gen­der schlech­ter Stim­­mungs­­ma­che heimischer Medien.

Der ungarische Motorradfahrer könnte eine kla­re Ant­wort geben, warum er den deut­schen oder öster­rei­chi­schen seinem eigenen un­­ga­­rischen Ar­beits­platz vorziehen würde. Wahr­schein­lich würde aber auch er - so wie die Ma­jo­ri­tät der Menschen, denen es in der Welt vergleichsweise besser geht, wenig Ver­ständ­nis dafür aufbringen, warum Men­schen, denen es schlechter geht, in ihr Land kom­men wollen. Beispielsweise nach Ungarn.

Aber das ist ein weiteres Geschichtchen, mit dem wir erst auf der Rückfahrt konfrontiert werden. Bleibt also vorerst nur ein herzhaftes "Egé­szsé­ge­dre!" (Prost!).

Achja - kann ich nochmal das mit der Kette hör'n...?

Minen

Und andere harte Ansagen

Von Bosnien-Herzegowina gen Montenegro rol­len wir über hohe Berge, bewaldete und gra­si­ge Hü­gel, herrliche Landschaft, tolle Kurven - und über­all diese interessanten roten Punkte auf weißem Grund - Mi­nen­warn­schilder!

Einmal rechts oder links in die Pampa und einem wahrhaft explosivem Abenteuer ste­hen nur noch wenige Meter Distanz im We­ge.

Noch einen Zahn härter fällt die Aussage des weiter oben bereits einmal erwähnten kroa­tischen Kollegen direkt nach dem Wort "Amerika" aus: "Es muß noch einen großen Krieg geben. Einen Krieg zwischen Muslimen und Katholiken."

Wollen wir hoffen, daß der gute Mann damit kein Recht behält.
Motorrad Bosnien
Brücke in Bosnien

Drehwurm in Montenegro

oder Die Dohlen von Pljevlja

Motorrad Montenegro - Tara-Schlucht
Oberhalb der Tara-Schlucht

Der Blick gen südlichen Himmel zeigt starken Re­gen an. Vorsichtshalber streichen wir für heute die Segel, lassen mit der Tara-Schlucht die tiefste Schlucht Europas eben jene sein und bescheiden uns mit einer Übernachtung ohne Wasser etwas weiter nördlich in Pljevlja gleich neben der großen Moschee.

Dieser Ort wird gleich in mehrerlei Hinsicht Ak­­zen­­te setzen und uns in Erinnerung blei­ben:

Zuallererst fesseln einige großartig angelegte Ge­bäu­de und Anlagen im Stadtzentrum un­se­ren Blick, die ihre besten Zeiten auf jeden Fall bereits hinter sich haben und jetzt - schein­bar noch immer in Betrieb - schlei­chend ihres Verfalles harren.

Bei mehreren wirklich sehr guten Pizzen - dem ein­zi­gen warmen Essen was sich zu­sam­men mit Sitz­plätzen und Flaschenbier (ge­zapft is leider nich) auftreiben läßt, fällt uns auf, daß Unmengen - tau­sen­de - Dohlen die Dächer der umliegenden ho­hen Gebäude be­siedeln.

Das allein, der Lärm, die schieren Mengen und die Flug­ein­la­gen der großen Schwärme, die sich re­gel­mä­ßig in die Lüfte schwangen, war schon be­ein­druckend an sich.
Daß aber eben jene Un­men­gen an Vögeln sich zum Übernachten in die kleinen Bäume in der Mitte des Marktplatzes drei Meter oberhalb vieler spa­zie­ren­der Leute zwängen, ist schon er­staun­lich.

Apropos spazierende Leute... Unmengen wie­de­rum. Einzelpersonen. Kleine Grüppchen.

Erst junge Frauen. Etwas später junge Män­ner. Noch etwas später auch ältere Leute - üb­lich­er­wei­se in Grüppchen nach Männlein und Weiblein getrennt.

Und irgendwie tauchen immer wieder die sel­ben Leu­te auf! Mal von rechts. Dann mal wieder von links. Laufen die Kreise?!?

Die älteren stolzieren mit Bedacht. Je jünger, desto forscher der Schritt. Und immer wieder die selben. Merkwürdig.

Des Rätsels Lösung harrt unseres Auf­tau­chens auf dem Heimweg. Am unteren Ende der Straße im Zentrum - gleich neben der Moschee - wird der stete Fluß an Menschen dünner. Und siehe da - ich falle fast vom Glau­ben ab: Die drehen alle am Ver­kehrs­schild unterhalb der Einkaufsstraße um! Alle! Immer in ihren kleinen Grüppchen! Bis zum Schild und Umdrehen - Gegenrichtung. Da­nach atzen die die Straße wieder hoch! Ich kann's nicht fassen!

Als wir gerade weiter wollen, laufen zwei junge Mädels eiskalt am Schild vorbei. Staunen un­se­rer­seits weicht der klar aus­ge­spro­che­nen Wette "Die drehen noch! Die drehen noch! Wart's ab...". Und Tatsache. Sie drehen 30 Meter weiter direkt vor der befahrenen Kreu­zung. Sind wohl noch frisch...

Auftritt Thomas: "Die sind zu weit! Los, de­nen sagen wir jetzt Bescheid!"

Weiterführende Infos:
- Bosnien-Herzegowina
- Montenegro
- Fluß & Schlucht Tara

Handyman

Smartphonmanie

Ist Dir eigentlich schonmal aufgefallen, was für einen Lebenszeitfresser Mobiltelefone - allen vo­ran die modernen Smartphones, die Al­les­könner, die Universalgenies, die Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­te un­ter den Mo­bil­te­le­fonen - darstellen? Was für einen ungemeinen Auf­merk­sam­keits­verlust ge­­gen­über der per­sön­lich wahrgenommenen Ge­gen­wart diese klei­nen Wunderkisten mit sich brin­gen?

Die Geräte, mit denen man überall, immer und jederzeit erreichbar ist. An jedem Ort der Welt seine eMails abrufen kann. Den neuesten Pups von Nachbars Tochter noch in Hinter-Timbuktu mit­ge­teilt bekommt.

Da müssen nicht erst die beiden Teenies an­ge­führt werden, die - nebeneinander auf der Bank sitzend - sich stumm und reglos auf's Gerät starrend via Mobilfunknetz und Blau­zahn die klei­nen Krüppel moderner Kom­mu­ni­ka­tion auf's 40cm entfernte Nachbar-Dis­play trümmern.

Es genügt ein Blick auf die vollständig un­par­tei­ische Stoppuhr...

SMS-Schreiben: 3-5 Minuten. Wohlgemerkt 3-5 Minuten in denen man meist für die di­rek­te Um­welt, das di­rek­te Gegenüber, wel­ches ggf. auf Re­ak­tion oder gesprochene Ant­­wort wartet, weit­gehend blockiert ist.

Oder die ständig rein-ratternden Was'n-hier-los-Nachrichten. Die oft nichts­sa­gen­den, meist voll­stän­dig belanglosen Ego-Trans­­port-Container-Hack­stückel. Jede ein­zel­ne mind. 20 Sekunden. Im gna­den­losen For­ma­tions­flug auch gern mal Minuten bis Stun­den.

Nu denn - ein Teilnehmer der Reisegruppe hat nach vielen Jahren Abstinenz und gutem Leben jetzt auch die - definitiv nicht zu leug­nen­den - Vorteile je­der­zei­tiger Er­reich­bar­keit und uni­ver­sel­ler Nutzbarkeit so eines klei­nen, trag­ba­ren Mi­ni­com­pu­ters aka Smart­phone für sich entdeckt.
Ein Nachteil dieser kleinen, mo­der­nen Wun­der­kisten zeigt sich allerdings direktamente auch bei ihm: Wer seine Aufmerksamkeit auf so eine kleine Kiste lenkt, ist meist während dieser Zeit für seine Umwelt weitgehend nicht adäquat auf­nah­me­fä­hig.

Motorrad Albanien Theth - Herbergsvater von morgen
Handymann @ work (Quelle: KR)

Und die Geräte benötigen Zeit. Speziell, wenn mal was nicht auf Anhieb klappt. Da gehen dann schon­mal 30 Sekunden oder zwei bis 12 Minuten ins Land.

Zeit - wohlgemerkt - die man selbst als so lang gar nicht empfindet, wenn man mit dem Kno­chen be­schäf­tigt ist.

Zeit, z.B. 30 Sekunden - in denen andere Leute bereits halbe Bücher kommuniziert haben derweil man selbst es gerade mal geschafft hat, die richtige Nummer für die Nachricht aus­zu­wäh­len. 12 Ziffern getippt.

Hui, wird das für die zwei Mitreisenden ein Spaß! Die regelmäßige WLAN-Suche. Die ver­­zwei­fel­ten, fremd­spra­chi­gen Kellner bei Falsch­ein­gabe des Paß­worts. Die wie­der­kehrenden War­te­zei­ten. Der Stillstand, die Ruhe als solche.

Da läßt sich doch durchaus noch was Schö­nes draus machen... ;)

Albanien

Durch das Land der Skipetaren

Weiter geht's! Ins berühmt berüchtigte Al­ba­nien. Ins Land der Skipetaren. Ins ver­meint­lich letzte Stück­chen Anar­chie Europas. In das Fleckchen Er­de, über das man irgendwie noch nichts und wenn, dann sehr Aben­teu­er­liches gehört hat.

Und siehe da: Direkt hinter einer kleinen Schran­ke fängt der Schotter auch schon an.

Wer jetzt aber Abenteuerlichkeiten, Ende der Welt und weiteren Trara erwartet, wird ent­täuscht wer­den. Auch Albanien ist ein zi­vi­li­siertes Land mit einigem an Historie, bleibt nicht stehen, Blick­rich­tung vorwärts. Die Ent­wicklung geht über­all vo­ran. Das Aben­teuer befindet sich auf dem Rück­zug.

Nichtsdestotrotz - Albaniens wilde Land­schaf­ten und des Landes wilde Geschichte, die re­gel­mä­ßi­gen Okkupationen durch fremde Mächte ge­nau­so wie erzwungene Re­li­gions­wechsel als auch -ver­bo­te, die spätere so­zia­listische Diktatur - dies alles schlägt sich auf die Menschen, das Land un­ver­kenn­bar nie­der.

Rückblick: Der 2. Weltkrieg ist beendet. In­va­si­onen von Türken, Griechen, Ita­lie­nern und an­de­rer gehören der Vergangenheit an.
Enver Hoxha übernimmt das Ruder. Wird Al­ba­nien über Dekaden seiner persönlichen Knu­te un­ter­wer­fen. Das Land vollständigst von jed­we­dem Ausland isolieren. Bei durch ihn an­ge­ord­ne­ten Säuberungswellen tau­sen­de Men­schen töten lassen. Den Bau von sa­ge und schrei­be 750.000 über das ge­sam­te Land verteilten Bunkern in Auftrag geben.

Heidewitzka! Spaß gemacht haben kann das nicht. Auch heute noch bedecken tausende pilz­för­mi­ge Bunkerbauten das Land und zeu­gen von vergangenen Härten.

Kaum zu glauben, daß sich gerade die durch­ge­knall­testen der durchgeknallten in der Ge­schichte immer längerfristig nach vorn zu drängeln und - schlimmer noch - die breite, dumpfe (sorry - anders läßt sich das nicht er­klä­ren) Masse hinter sich zu vereinen wußten. Ei­gent­lich unfaßbar - egal wann und in wel­chem Teil der Welt. Grüße an daheim.

Weiterführende Infos:
- Albanien
- Skipetaren
- Enver Hodscha
- Bunker in Albanien
- Interessanter Bericht über Albanien

Theth I

Von Drogenproblemen, EU-Schotter und Hotelpilzen

Die Grenze zu Albanien ist überschritten und gleich ist alles ein klein wenig anders. Die Ber­ge höher. Die Straßen schottriger. Die Land­­schaft wilder. Juchheißa!

Wir fahren von Nordwesten - dicht vorbei an Vermosh - gen Shkodër nach Albanien (al­ban. Shqipëria) hinein. Viele gut zu be­fah­rende Schotterkilometer weichen irgendwann einigen eindrucksvollen Asphaltserpentinen. Die EU hat oberhalb an schicker Aus­sichts­platt­form ihre Duftmarke mit einem dicken Schild hinterlassen.

Von Koplik drehen wir nach Nordosten, um über Bogë und den Thore-Paß (alban. Qafa e Thorës) Theth (alban. Thethi) - eine An­samm­lung meh­re­rer, kleiner Dörfer in den Al­ba­nischen Alpen (alban. Prokletije - den "ver­wun­schenen Bergen") zu erreichen.

In Bogë wird Kay als alter Bekannter sofort herz­­lich begrüßt. Beide Reisekollegen waren bereits mehrfach in Theth - u.A. auch samt Sozius. Und beide werden Augen machen, wenn sie gleich ein paar weitere perfekte As­phalt­ser­pentinen zum Thore-Paß hin­auf­rut­schen. Ein Stück Strecke, wel­ches ihnen mit Sozius, Erdrutschen und Bau­stel­len irgendwie anders im Hin­ter­kopf ver­blieben war.

Jetzt aber würde sich jeder Supersportler über die würzig in die Berge hin­auf­schwin­genden Meter freuen. Und bei trockenem Wetter könnte man selbst mit solchen Ma­schi­nen vorsichtig weiter bis runter gen Theth rollen.

Ein mittig durchgebrochener Mer­ce­des-Trans­por­ter zeugt jedoch davon, daß man es nicht über­trei­ben sollte. Ein paar Kilometer schma­le, Feldweg-artige "Straße" mit Ge­gen­ver­kehr hat man ab Paßhöhe noch vor sich bis hi­nun­ter ins Tal.
Motorrad Albanien Theth - Herbergsvater von morgen
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Auf dem Weg hinunter - einige herrliche Aus­sich­ten in­klu­si­ve - fällt auf, daß selbst so ab­ge­schie­de­ne Plätzchen nicht dauerhaft in der Zeit ste­hen­blei­ben.

Ein Gästehaus rechts. Ein Hotel links. Ein wei­te­res Etablissement ein Stückchen weiter unten. An Un­ter­künf­ten und Hinweisen auf sol­che man­gelt es Theth beileibe nicht mehr. Auch hier hat der Tou­ris­mus (man sieht es an uns) absolut of­fen­sicht­lich be­gon­nen seinen Einzug zu halten. Wir per­sön­lich merken das schon vor Ankunft an weiteren Motorrädern vor Herberge Nummer eins und meh­re­ren kleinen Ar­meen an westeuropäischen Wan­de­rern unten im Tal bei Nico (Herberge im Tal hinter Brücke).

Die Zeiten, in denen Theth ein absoluter Ge­heim­tip war, sind definitiv vorbei. Einen Aus­flug lohnt diese Ecke der Welt - egal, ob als Wan­de­rer, Mo­tor­rad­fah­rer oder Allradler aber allemal.

Weiterführende Infos:
- Prokletije - Albanische Alpen
- Theth (alban. Thethi)
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Handyman II

Asphaltschwalbe Lumia

Mit unserem Beherrscher moderner Smart­pho­no­mie haben wir ja im Laufe der letz­ten Tage schon so einiges erlebt. Ste­hen­ge­blie­be­ne Zeit. Ruhe ohne Ende. War­te­zei­ten am Straßenrand.

Heute Morgen sitzen wir in Theth bei Nico am Früh­stücks­tisch. Kay und ich sind gut fertig mit dem Schwatz über das was unserer heute har­ren mag. Thomas ist wieder vertieft in ebay- Angebote und eMails. Die ernst­ge­mein­te Frage an ihn - er starrt in sei­ne Flimmerkiste, wann wir denn nun los­kön­nen.
Seine Antwort: "Ich stell mich doch nicht an den Straßenrand und fang da an auf meinem Handy rumzueiern...".

Kay und ich schauen uns an und fangen an zu la­chen.

Alles klar, Herr Kommissar. Schöne, neue Smart­phone­welt...

Theth II

Von Drogenproblemen, EU-Schotter und Hotelpilzen

Kurz vor der Reise - die Vorfreude auf Al­ba­nien und eben diese spezielle Region ist groß - stoßen wir auf Neuigkeiten, die uns von einem Besuch beinahe absehen lassen.

Zwei tschechische Touristen - ein Päärchen un­ter­wegs mit Geländewagen - wurde kurz vor un­se­rem Besuch in der Nähe von Prekal durch ei­nen Ein­hei­mischen erschossen.

Der Täter ist gefaßt worden. Das Verbrechen an­geb­lich aufgeklärt. Die Polizei­prä­senz ver­stärkt. Ein fader Beigeschmack bleibt und wird beim Durch­fahren der weiteren Strecke immer wieder kurz aufflammen. Meh­rere Polizei-Allrad-Fahr­zeu­ge auf un­weg­sa­men Wegen stützen die Arg­wohn eher als sie zu nehmen.

Erst nach der Reise werde ich durch ge­ziel­te­re Recherche feststellen, daß einige Re­gi­onen Al­ba­niens - auch diese - massivst für den Dro­gen­an­bau genutzt werden. Polizei und Züch­ter spielen seit Jahren Katz und Maus. Spe­ziell die ab­ge­le­ge­nen Gegenden sind be­son­ders prä­de­sti­niert für den ein oder an­de­ren har­ten Schlag­­ab­­tau­sch.

War der erste Teil der Strecke - Koplik bis Theth - meiner Meinung nach und dank spe­zi­el­ler Hilfe seitens EU (man munkelt, einige Taschen wurden dabei nicht nur mit Asphalt gefüllt) auch mit Na­ked-Bike, Sportler und Co (teils sachte) be­fahr­bar, so gilt dies für den Weg gen Süden - Theth, Prekal, Shkodër - auf keinen Fall.

Sehr große Fahrzeuge wie Allrad-LKWs könn­ten an ein, zwei Eckchen mit Über­hän­gen ar­ge Pro­ble­me bekommen. Fahrzeuge ohne aus­­rei­­chen­de Bodenfreiheit verbieten sich auf dieser Strecke so­wie­so. Selbst mit Mo­tor­rad, gut Federweg und Bo­den­frei­heit empfand ich die Strecke zwar anfangs als sehr interessant, aber sie ziiieehht sich wie ein aus­ge­lutsch­ter Kau­­gum­mi.

Meine persönliche und absolut subjektive Sicht - die meiner Mitfahrer ebenso: Kann man einmal gemacht haben. Aber ein zweites Mal würde ich das mir und meinem Fahrzeug nicht un­be­dingt geben wollen. Un­nö­tige Ma­­te­ri­al­schlacht.

Und selbst hier - am für Stunden empfunden wirklich hinterletzten Ende der Welt - ist für die Versorgung des stra­pa­zier­ten Tou­risten ge­sorgt.
Albanien Motorrad - Theth - Prekal - Shkoder
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Hat man sich auf eben jene eingestellt mit teils sehr rustikalen, improvisierten Ver­pfle­gungs­stän­den und einem Restaurant-ähn­lichen Ge­mäu­er. Und siehe da: Ich suche gerade per pedes die Überreste meines zerschossenen Werk­zeug­­fachs am Unterfahrschutz, als ich mehrere Kehren unterhalb die Ge­räu­sche meh­re­rer Motorräder vernehme.

Die Ruhe, die Rustikalität der letzten Stunden von Frühstück bis Mittag trügt. Tourismus, Kom­merz und die damit einhergehenden Ver­än­de­rungen haben längst begonnen, ihren Platz zu beanspruchen - die Region zu verändern.

Weiterführende Infos:
- Reuters UK - Tod zweier Touristen
- Konkretere Infos zu Toten & Drogen
- Noch konkreter - Tote, Drogen, Korruption, EU
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Ohridsee

Des Wassers Methusalem

Die Strecke von Theth über Prekal gen Shko­der ha­ben wir hinter uns gebracht. Am Ende von Schotter, Steinen und Staub ba­den­den Ein­hei­mi­schen zugewunken, mehrere sehr star­ke al­ba­ni­sche Kaffees und eine Cola am Straßenrand im Schatten genossen.

Der Tag ist massiv fortgeschritten. Gegen 14:00 Uhr haben wir erst den Asphalt er­reicht. Die Ma­te­ri­al­schlacht mit Voll­ver­pfle­gung liegt hinter uns. Nichtsdestotrotz geht's jetzt zügig weiter. Bei Debar überschreiten wir die mazedonische Gren­ze. Trotz langsam schwin­den­dem Lichts wird spontan der Ent­schluß ge­faßt: "Weiter bis zum Oh­rid­see".

Es ist bereits dunkel, als wir in Ohrid an­kom­men. Auf einem zentralen Platz an der See­pro­me­na­de werden wir auch gleich weg­ge­fan­gen. Der ein­hei­mi­sche Vermieter freut sich über ein gutes Zubrot. Wir über eine kom­plet­te Wohnung zum klei­nen Preis für eine Nacht.

Und die wird lustig. In Ohrid am Wasser steppt der Bär! Gut gefüllte Bars und Re­stau­rants mit offenen Terassen locken mit Speis und Trank. Die milde Nachtluft ist ein Traum. Viele Menschen sind unterwegs. An­ge­neh­me Stimmung. Später auf den zen­tra­le­ren Plät­zen dann Unmengen von Men­schen. Pan­to­mi­me geben Vorstellungen. Kin­der lassen Leucht­spiel­zeu­ge in die Luft fliegen. Leuch­ten­de Auslagen. Eiskaffees. Men­schen­mas­sen drängen sich um ein Spon­tan­schau­spiel.
Hier läßt es sich aushalten. Wir genießen die Nacht. Schlendern durch die Massen an ver­gnüg­ten Menschen. Trinken später in der lau­en Seeluft noch ein gemütliches Gu­te­nacht­bier­chen und schlei­chen spät in die Heia.

Der Ohrid-See als größter See Mazedoniens zählt zu den ältesten Seen der Erde. Sein glas­kla­res Wasser wird durch keinen we­sent­lichen ober­ir­di­schen Zufluß gespeist. Lediglich einige un­ter­ir­di­sche Quellen treten aus dem Seeboden hervor.

Diese Tatsache schafft einen einzigartigen Le­bens­raum für Flora und Fauna. Über 200 en­de­mische Arten wie z.B. die Ohrid-Forelle oder den Ohrid-Schwamm findet man aus­schließ­lich im Oh­rid­see, derweil andere in Eu­ro­pa weit­ver­brei­te­te Fischarten wie Barsch, Hecht oder Stichling überhaupt nicht vor­kom­men.

Der Ohridsee ist ein wunderschönes Fleckchen Er­de. Sein Wasser glasklar. Seine Bewohner freund­lich und lebendig. Seine Uferpromenaden vol­ler Le­ben. Ein Platz an den man wie­der­kehren möch­te. Den man nicht zum letzten Mal be­sucht hat.

Weiterführende Infos:
- Ohridsee (wikipedia)
- Ohridsee (wikipedia engl. - mehr Infos)
- Ohridforelle
- Video "Das Geheimnis vom Ohridsee" (zu finden auch bei youtube)

Griechenland fast forward

Von Medien versus Freundlichkeit

Motorrad Griechenland - Auf der Fähre Ariadne von Piräus nach Chios
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Heut geht's durch Griechenland. Zackabum. Fast for­ward einfach durch bis zur Fähre. Näch­stes Ziel Tür­kei Inland.

Erstmal über die Grenze - zügig und pro­blem­los. Dann einige Kilometer Land­straße - überall stehen die kleinen Mini-Kirchen am Stra­ßen­rand. Spätere Recherche fördert zu­ta­ge, daß die sehr gläubigen Grie­chen an Un­fall­stel­len mit Todesfolge diese klei­nen Kir­chen­bau­ten am Straßenrand aufbauen. Und es gibt offen­sicht­lich sehr viele Unfälle in Grie­chen­­land.

Irgendwann ist die Autobahn erreicht, wir ar­bei­ten uns stur vorwärts. Autopilot rein und dann von Maut­station zu Mautstation ge­han­gelt.

Hört sich dröge an. Hat aber auch einen Knall­frosch in der Tasche...

Die Mautkassierer sind nämlich alle suuu­per­freund­lich. Wünschen uns eine tolle Reise und gute Fahrt. Und das, wo sowohl in deut­schen als auch in grie­chischen Medien täg­lich über das jeweils andere Land her­ge­zo­gen wird.
Als wir an einer Raststätte gerade wieder sehr freundlich bedient wurden, wird das Thema aus­ge­wer­tet. Und uns allen stellt sich die Fra­ge: Wer hat etwas davon, wenn die Grie­chen und die Deut­schen medial ge­gen­ein­an­der auf­gehetzt wer­den? Die klei­nen Leute, die breite Masse, auf kei­nen Fall.

Kurze Zeit später wieder Autopilot. Wir düsen durch einen sonnigen Nachmittag. Umrunden die Maliakos-Bucht und nähern uns dem Epi­zen­trum Athen, was uns letztendlich mit mas­si­vem Ver­kehr ver­schlucken wird bevor wir im Abend­licht spontan Fährkarten von Pi­rä­us nach Chios lösen.

Später werden wir gemütlich an der Reeling sit­zen, ein kühles Blondes in der Hand und den schwin­den­den Lichtern des griechischen Fest­lands Lebewohl winken.

Es war nur ein sehr kurzes Intermezzo. Trotz­dem setzte die Freundlichkeit einen kla­ren Kontrapunkt gegenüber der Me­di­en­be­richt­er­stat­tung heimischer Gefilde.

Ich weiß, liebe Medien, man darf niemanden pau­schal ab­ur­tei­len. Ein wenig mehr Dif­fe­ren­zie­rung wür­de vielen von Euch ge­ne­rell je­doch gar nicht mal so übel stehen...

Ahmen.

Weiterführende Infos:
- Golf von Malia (wikipedia)
- Ägäis (wikipedia)
- Athen (wikipedia)
- Piräus (wikipedia)
- Insel Chios (wikipedia)

Fährenallerlei

Kollegen-Spaß auf Griechisch

Meine Fresse! Das war knapp! Aber fangen wir von vorne an...

Die Uhr zeigt 4:30 Uhr. Stockrabenschwarze Nacht. Die Fähre legt in Chios an. Vor der näch­sten Fähre gen Çeşme stehen die Fähr­bü­ros - und die öffnen erst in ein paar Stun­den.

Dankbarerweise hat die Hafenkneipe bereits ge­öffnet. Der rettende Kaffee wird in lauem Lüft­chen an den Tischen vor'm Gebäude ein­ge­nom­men. Gegen 5:00 Uhr reiten mehrere jun­ge Griechen ein; ordern Pizza, Nudeln, Bier und Co., werden lautstark pallavern, wild gestikulieren, es sich gut gehen lassen.

Bevor mich das Schlafdefizit - angestachelt durch wildes Nichtstun - final übermannt, dräut am Horizont das erste Licht. Zu zweit treten wir schlaftrunken den Weg zum Fähr­büro an. Eine Fähigkeit, die im Büro sich als nütz­lich he­raus­stel­len soll. Starrt doch der Kol­le­ge hinterm Counter fast eine Stunde bei­na­he regungslos sei­nen Monitor an - un­ter­bro­chen nur von der Aus­sage, das Com­pu­ter­system seie zu­sam­men­ge­bro­chen.

Ich schlurfe zurück in die rettenden Arme brüh­hei­ßen Kaffees und schicke Kollege 3, um das Schlan­ge­ste­hen ab­zu­sichern.

Einige Zeit später tauchen beide auf, stecken mir, daß sie keine Tickets bekommen hät­ten, das Plätz­chen hier doch ganz schön wä­re, ein Tag auf dieser baumlosen Insel in Son­ne auf Speed aber doch hart werden kön­ne. Aber man könne ja einfach an der Fähre mal nachhaken. Sagen's, schwingen sich auf ihre Buden und fahren zu dem großen Tan­ker, der grade im Hafen eingelaufen ist.
Ich schleppe mich hinterher und kann gerade noch den Gedanken fassen, daß es ei­gent­lich Quatsch ist, auf den paar Ki­lo­me­ter­chen so ei­nen Trumm als Fähre verkehren zu lassen.

Marokko Motorrad - Medina Fes - unterwegs im Souk
Mal kurz fragen, ob sie uns mitnehmen... ;)

Nuja, es wird sich herausstellen, daß meine bei­den Spezies mich hopp nehmen wollten, da­bei selbst am falschen Schiff stehen und schluß­end­lich mit flie­gen­den Fahnen auf die an­de­re Hafenseite toben - just als das ei­gent­li­che kleine Fährchen im Begriff steht, ab­fah­ren zu wollen. Die Tore sind bereits zu.

Mit etwas Widerstand werden wir doch noch auf der Fähre unterkommen, uns den Wind um die Ohren wehen lassen, Tropfen schäu­men­der Gischt im Ge­sicht die baumlose In­sel hinter uns lassen und dem Abenteuer Tür­kei ent­ge­gen­schip­pern.

Weiterführende Infos:
- Çeşme (wikipedia)
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