Georgien per Motorrad 2015

Durch den wilden Kaukasus (Stand: 2016/07/27)

Von wilden Bergen und ebensolchen Menschen

Stoßdämpferlos über Stock und Stein

Motorrad vor Ruinen in Shatili/Georgien
Motorrad vor Ruinen in Shatili/Georgien

Wieder einmal zieht es den Kaukasus-Ex­press in den Kaukasus. Mit dem Motorrad durch Georgien zu fahren, immer wieder neue Ecken in diesem kleinen Land zu ent­decken. Wir können's einfach nicht las­sen.

Wie gewohnt gibt es urige Dörfer, hohe Ber­ge, Schotter und Staub, erwürdige Ruinen; har­­te, aber herz­liche Menschen.

Wir werden dieses Mal noch mehr Motorräder tref­fen als auf den letzten Reisen. Von blitz­­blank ge­putz­ten öster­rei­chi­schen Rus­­sen­­ge­­span­nen bis hin zu aus tiefen Schluchten geborgenen fahr­ba­ren ja­­pa­­ni­­schen Zwei­rad­ru­inen. Dieses Mal ist quer­beet al­­les da­bei.

Wir erleben Einladungen von Ein­­hei­­mi­schen, Tscha­tscha aus Gläsern im Holzverschlag, Groß­stadt­pa­no­ra­ma in Tbilisi von Horizont zu Ho­ri­zont.

Georgien in abweisend kalt Nähe Oni. Georgien in herzlich warm in vielen anderen Ecken.

Vieles hat sich verändert. Vieles bleibt kon­stant. Georgien mit dem Motorrad 2015.

Route im Überblick

Motorrad Georgien 2015

Tagesetappen Georgien
- Tag 14, 03.09.2015, 193km (Georgien)
- Tag 15, 04.09.2015, 146km (Georgien)
- Tag 16, 05.09.2015, 362km (Georgien)
- Tag 17, 06.09.2015, 92km (Georgien)
- Tag 18, 07.09.2015, 150km (Georgien)
- Tag 19, 08.09.2015, 473km (Georgien)

Schnitt: 236km/Tag
Motorrad Georgien 2015 - Übersichtskarte
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Georgien Einstieg

Die ersten Minuten

An der Grenze will man uns et­was nä­her aus­ein­an­der­neh­men. Aber einer der Gren­zer spricht die glei­che Spra­che wie wir. Wird ge­packt von un­se­rer Be­geisterung bzgl. sei­nes Lan­des, trinkt ver­bal mit uns den ersten Tscha­tscha, freut sich über die Mo­tor­rä­der. Und schwups - sim­mer durch. Ge­or­gien, al­tes Haus! Da sim­mer wie­der!

Und ge­nau wie ein ol­ler, war­mer, so rich­tich ab­ge­latsch­ter Haus­schuh nimmt es uns auf, das Land süd­lich des gro­ßen Kau­ka­sus, das un­ser Herz ge­fan­gen hat. Ge­or­gien, wie es leibt und lebt. Ex-rus­si­sche Re­lik­te an al­len Ecken und En­den.

Die gel­ben, ober­ir­di­schen Gas­lei­tun­gen neben der Straße. Die zwi­schen alt-ehr­wür­di­gen Ge­mäu­ern ein­ge­pflanz­ten Plat­ten­bau­ten, das klei­ne Ma­ga­sin am Weges­rand...

Spätestens als wir einen al­ten, ver­beul­ten, rus­si­schen Ural über­ho­len - am Sei­ten­spie­gel hängt ein leicht run­ter­ge­kom­men wir­ken­der Ge­nos­se in tarn­fleck wild eine Wod­ka­fla­sche schwen­kend, der ty­pi­sche Ab­gas­bro­dem eines Urals schwän­gert schwer die Luft - da wis­sen wir: Wir sind da­heim! Ge­or­gien, Du wil­des Mäd­chen! Du hast uns wie­der!
Georgien Motorrad - Zeltaufbau im Abendlicht
Erster Abend in Georgien, Zeltaufbau

Weiterführende Infos:
- Georgien (umfassende Infos)

- Georgien (Sakartwelo - საქართველო)
- Getränk Tschatscha
- LKW URAL-4320, LKW URAL-375D

Sausäcke

Die Geschichte mit dem Wasser

Eigentlich ist es kurz erzählt. Aber es lohnt sich, kurz aus­zu­ho­len:

Seit Jah­ren sind wir zu­sam­men un­ter­wegs. Und seit Jah­ren be­har­re ich ste­tig da­rauf, daß wir je­der­zeit ge­nug Was­ser da­bei­ha­ben. Eine An­dert­halb-Li­ter-Fla­sche pro Mann schad't nix, kann aber im Fal­le des Fal­les das Züng­lein an der Waa­ge dar­stel­len.

So auch dieses Mal. Kurz vor Grenz­über­tritt ge­be ich noch­mal Laut. Was­ser fas­sen! Ach­wo... hab doch noch'n Schluck... trin­ke doch eh kaum was... wozu so­viel mit rum­schlep­pen.

Georgien Motorrad - Nächtliches Begießen der 'Heimkehr'
Nächtliches Begießen der 'Heimkehr'
Es wird ein sehr ge­sel­li­ger Abend mit­ten im Grü­nen ver­steckt hin­ter einer Berg­kup­pe mit gran­di­osem Aus­blick in die Wei­te. Wir ver­haf­ten al­les, was an Hart­sprit­vor­rä­ten noch übrig ge­blie­ben ist. Ma­chen Platz für Aus­fuhr-Tscha­tscha. Bei­ßen noch­mal so rich­tig schön ab. Las­sen es kra­chen und uns gut­gehn...

Näch­ster Mor­gen: Ich krie­che als er­ster aus dem Zelt, be­grü­ße einen herr­li­chen ge­or­gi­schen Mor­gen, hul­di­ge den wun­der­vol­len, wei­ten grü­nen Hü­geln, ver­beu­ge mich vor der Schön­heit mei­nes Rings­ums und will mei­ne ver­blie­be­ne Was­ser­fla­sche grei­fen - als Tank­wa­gen und manch­mal Mut­ti der ig­no­ran­ten Mann­schaft schlep­pe ich üb­li­cher­wei­se ein bis zwei Zu­satz­was­ser­fla­schen, die uns für Tü­ten­sup­pe, Kaf­fee und an­de­re Ge­le­gen­hei­ten schon hin­läng­lich oft den Al­ler­wer­testen ge­ret­tet ha­ben - ich grei­fe also zu... und fas­se ins Lee­re...

Es ist nicht zu glauben! Erst kein Was­ser mit­neh­men wol­len und dann mir den letz­ten Rest klau­en! Ban­de!

Später wird ein reu­mü­tig grin­sen­der Recke mit Ka­ter­spu­ren jam­mern "...muß­te drin­gend raus zum XXXis­sen, hat­te so ei­nen un­glaub­li­chen Brand ... und Dei­ne Fla­sche war die letz­te...".

Den Lum­pen is wirk­lich nüscht hei­lich! Erst sau­fen­'se das Mor­gen­kaf­fee­was­ser wech und dann auch noch die letz­te Re­ser­ve...

Abseits ausgetretner Pfade

Robert Frost - The Road not taken



"Im Walde zwei Wege boten sich mir dar
und ich ging den,
der weniger betreten war -
und das veränderte mein Leben."


Ausschnitt einer dt. Übersetzung
(Übersetzer/Autor unbekannt)
The Road Not Taken

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel both
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I —
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

Robert Frost, "The Road not Taken", 1916
Quelle: Wikipedia

Kutaisi

Das bunte Leben

Heiho! Taktischer Fehler! Wir sind auf die E60 von Tbi­lis­si gen Ku­tai­si auf­ge­fah­ren. Und hier wird noch ge­fah­ren! Ja­woll! Hier hat man das Mes­ser zwi­schen den Zäh­nen! Hier hat man's eilig! Hier wird ernst gemacht! Hier über­ho­len LKWs rasant PKWs trotz Ge­gen­ver­kehr. Hier wird auch mal vor un­se­ren Augen ein Tran­sit in den Stra­ßen­gra­ben ab­ge­drängt. Fuß­gän­ger ha­ben hier noch Res­pekt! Ja­woll! Hier wird noch ge­rannt, wenn die Vor­der­rä­der nicht schnel­ler wa­ren...

Georgien Motorrad - im Stadtzentrum von Kutaisi
GS im Stadtzentrum von Kutaisi
Welch angenehm-ruhigen Kon­trast doch Ku­tai­si da­ge­gen dar­stellt...

Ruhige Straßen; viele, alt­ehr­wür­di­ge Ge­bäu­de; grü­ne Park­an­la­gen. Das Stadt­zen­trum hüllt sich in den Man­tel an­ge­neh­mer Ge­las­sen­heit. Viele Men­schen fla­nie­ren durch die Stra­ßen, be­le­ben die Park­an­la­gen, schwat­zen auf Bän­ken im lau­en Som­mer­lüft­chen, ver­gnü­gen sich in den zahl­rei­chen klei­nen Kaf­fees.

Die Fassaden ver­sprü­hen Gran­des­se. Spre­chen Bän­de von ver­gan­ge­ner Größe. At­men den Kör­per lang zu­rück­lie­gen­der Ge­schich­te.

Einen harten Kon­trast bil­den die abend- und nächt­li­chen Hin­ter­hö­fe und Gas­sen. Hier wird aus Kör­ben und PKWs ver­kauft und ge­feilscht. Hier herrscht eine ge­wis­se Dü­ster­keit. Man stößt auf Ver­fall, bröckeln­de Mo­nu­men­te und Ver­gang.

Wobei es nichts­de­sto­trotz nie un­an­ge­nehm wird. Selbst nachts sind vie­le Kaf­fees und Knei­pen voll­be­setzt. Die Men­schen ge­nie­ßen die laue Som­mer­luft. Die Stra­ßen sind voll. Es bleibt eine teils dü­ste­re - nichts­de­sto­trotz an­ge­neh­me - At­mo­sphä­re in der zweit­größ­ten Stadt Ge­or­giens.

Der nächste Morgen wird mit einem lecke­ren Stück Tor­te an ed­lem Por­zel­lan im klei­nen Stra­ßen­cafe ver­süßt.

Kutaisi, Du unbekannte Per­le, wir se­hen uns wie­der auf Por­zel­lan­kaf­fee, Tor­te und nächt­li­che Streif­zü­ge...

Weiterführende Infos:
- Stadt Kutaisi
- Webseite Kutaisi (georgisch & englisch)
- Region Imeretien
- Stadt Tbilissi (Tiflis)
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Blitze im Nebel

Elektro-Dusche

Elektro-Dusche in Kutaisi
Elektro-Dusche in Kutaisi
Den letzten beißen die Hun­de. Alte Weis­heit. Paßt im­mer wie­der. So auch heuer. Herz­lich will­kom­men in einer klei­nen ge­fließ­ten Ke­me­na­te in einem aus­ge­spro­chen groß­zü­gi­gen Alt­bau in Ku­tai­si vol­ler Pomp und Glo­ria - trotz Ein­gang via Hin­ter­hof.

Die Kollegen sind bereits fer­tig. Ich be­tre­te das Bad, wel­ches in al­ler Be­schei­den­heit und Knapp­heit so­wohl Toi­let­te, Dusche als auch einen Schal­ter ober­halb der Du­sche zum Ein­schal­ten des Heiß­was­sers be­her­bergt.

Kollege Schalter bammelt lieb­los an einem frei­hän­gen­den und ir­gend­wie nur wenig ver­trau­en­er­wecken­den Ka­bel wel­ches nach kur­zem We­ge im un­end­li­chen Nir­va­na dunk­ler Mau­er­öff­nun­gen a la Ku­tai­si ver­schwin­det.

Nun hat feuchtes, war­mes Was­ser be­kannt­lich die An­ge­wohn­heit in klei­nen, en­gen Räu­men sich auf­zu­stau­en - ent­we­der in Füt­zen, Trop­fen oder Ne­bel. Hier auch mal in al­len Va­ri­an­ten gleich­zei­tig.

Warmduschender­weis gebe ich der Sache Vor­schub und fra­ge mich mehr­mals, ob ich mir das leich­te Zwicken nur ein­bil­de. Bis ich den me­tal­le­nen Was­ser­hahn an­fas­se...

Heidewitzka! Was kann so eine Dusche in Ku­tai­si be­le­bend wir­ken...

Mahlzeit!

lekker eten zonder fratsen

Altobelli! Was knurrt der Magen! Zum Nie­der­knien!

Kein Wunder, liegt doch das heu­er Mor­gen ver­zehr­te, her­vor­ra­gen­de Stück Tor­te im klei­nen Stra­ßen­ca­fe uns'rer ge­stri­gen Ver­mie­te­rin in Ku­tai­si mitt­ler­wei­le 75 Ki­lo­me­ter hin­ter uns.

75 in­te­res­san­te, lang­sa­me, stau­bi­ge, teils mit Flü­chen as­phal­tier­te, Tram­po­lin-Tru­des mal­trä­tier­tes Fahr­werk mor­den­de, dem bei­na­he all­wis­sen­den Google voll­kom­men un­be­kann­te Ki­lo­me­ter quer­beet durch die Hin­ter­hö­fe und Schre­ber­gär­ten Rat­scha-Letsch­chu­mis und Nie­der­swa­ne­tiens wohl­­ge­­merkt.

Uns ge­lü­stet es nun dring­lich nach Haute cuisine a la Gru­sia und so keh­ren wir ein in eines der be­sten Häu­ser am Plat­ze - also zu­min­dest dem ein­zi­gen, wel­ches wir in Am­bro­lau­ri ha­ben auf­tun kön­nen, und las­sen un­se­ren tief­sten mensch­li­chen Be­dürf­nis­sen frei­en Lauf.

Optisch ein wenig an Hüh­ner­fuß er­in­nernd, mun­det das Mahl wirk­lich her­vor­ra­gendst im lieb­li­chen Ver­schla­ge hand­ge­klöp­pel­ter Me­tall­plat­ten­wän­de, die Win­ter­mahl­zei­ten nur für die hart­ge­sot­ten­sten ver­mu­ten las­sen.

Als kurz nach uns - ver­mut­lich ex­tra zu un­se­rer per­sön­li­chen Be­spa­ßung en­ga­giert - ein Bus voll is­ra­eli­scher "Folgt-dem-grü­nen-Schirm­chen"-Tou­ri­sten auf­taucht, hat der Tag nicht nur Struk­tur, son­dern ist be­reits ge­gen Mit­tag na­he­zu per­fekt.

Auf der Show­büh­ne ze­tert und feilscht man hart un­ter­ein­an­der, was denn zu be­stel­len wä­re. Die ar­men Ge­or­gier - wis­send eine Stan­dard-Mahl­zeit aus dem gaaanz gro­ßen Topf zur Ver­fü­gung zu ha­ben - har­ren see­len­ru­hig dem Spek­ta­kel, der­weil 20 Leute in nicht­ver­stan­de­nem, eeex­traaa-lang­sa­mem Kin­der­spra­chen-Eng­lisch ver­su­chen, je­­der et­was an­de­res aus der nicht vor­han­de­nen Kar­te zu or­dern.

Schluß­end­lich er­hebt sich eine Wal­kü­re - ver­mut­lich Mrs. Grün­schirm, haut so furcht­ein­flö­ßend auf die Ta­fel, daß selbst der auf den Welt­frie­den trin­ken­de Ge­or­gier am Nach­bar­tisch zu­sam­men­zuckt und bei­na­he mit ver­schüt­te­tem Tscha­tscha ein Loch in die Blüm­chen­tisch­decke äzt.

Vor meinem in­ne­ren Auge spie­len sich Sze­nen ab wie Mrs. Grün­schirm die ar­me Kü­chen­maus am Ny­lon-Kit­tel-Re­vers greift, auf 1,95m Au­gen­hö­he bringt und zischt: "ES­SEN! SO­FORT!"
Georgien Motorrad - Mittagessen in Ambrolauri - Optik nuja, Geschmack 1A
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Nuja, die ge­sam­te, er­staun­te Mann­schaft wird je ei­nen Tel­ler op­tisch Hüh­ner­fuß-ähn­li­che, ge­schmack­lich her­vor­ra­gen­de Ma­te­rie aus dem gaaanz gro­ßen Topf be­kom­men. Und dann trinkt man in der Kü­che zur Be­ru­hi­gung erst­mal schnell ei­nen auf den Welt­frie­den und die Völ­ker­ver­stän­di­gung.

Und bevor wir gleich stan­te­pe­de auch in die Küche um­zie­hen, um mit­zu­hel­fen, sat­teln wir doch lie­ber ganz schnell drau­ßen wie­der die Pfer­de nach­dem wir uns nett ver­ab­schie­det ha­ben, um uns in Oni mal zünf­tig und knackig von der Staats­ge­walt be­grü­ßen zu las­sen. Auf geht's...

Weiterführende Infos:
- Region Ratscha-Letschchumi, Niederswanetien
- Stadt Ambrolauri
- Stadt Oni
- Fahrzeug GAZ 69
- Fahrzeug UAZ 469
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Süd-Ossetien - Am Ende der Straße

Polizei, unfreundliche Gesichter und ... Kühe

Hier oben - ganz dicht ne­ben Süd-Os­se­tien, ir­gend­wie etwas ein­sam und noch et­was ab­ge­le­ge­ner als an­de­re Eck­chen Ge­or­giens; hier oben al­so, wo sich Fuchs und Hase ge­mein­sam mit den Gei­stern der ho­hen Ber­ge gu­te Nacht sa­gen, da scheint man et­was ner­vö­ser, et­was miß­trau­ischer, et­was locker­er am Ab­zug als an­ders­wo.

Genaugenommen befin­den wir uns auf der al­ten Osse­ti­schen Heer­stra­ße, die frü­her - vor Bau des Roki-Tun­nels, der Süd- und Nord-Os­se­tien ver­bin­det - eine der zwei be­deu­ten­den Trans­kau­ka­sus-Ver­bin­dungs­stra­ßen dar­stell­te. Heute be­deu­tungs­los und seit dem Kau­ka­si­schen Fünf­ta­ge­krieg in 2008 blockiert, ver­band sie die Städte Ku­tai­si (Ge­or­gien) und Wla­di­kaw­kas (Ruß­land) via Am­bro­lau­ri, Oni, Ma­mi­son-Paß und Ala­gir.

Wir tuckern gerade durch Oni, um gen Ghebi und evtl. Shovi eine wei­te­re uns bis da­to un­be­kann­te ge­or­gi­sche Ecke un­ter die Rä­der zu neh­men, als von hin­ten ein Ge­län­de­wa­gen he­ran­prescht und wir von meh­re­ren männ­li­chen Ver­tre­tern der Staats­ge­walt in Zi­vil et­was un­di­plo­ma­tisch zum An­hal­ten mit nach­fol­gend zü­gi­gem Pläusch­chen er­mun­tert wer­den.

Man stoppt uns nicht, schickt uns nicht zu­rück, aber der an­ge­schla­ge­ne Stak­ka­to-Un­ter­ton läßt einen leicht ner­vö­sen Fin­ger am Ab­zug ver­mu­ten. Die sonst über­all an­zu­tref­fen­de Freund­lich­keit der Ge­or­gier - auch sie hat im Lau­fe der Jah­re einem win­zi­gen An­flug von Distanz Platz ma­chen müs­sen - ist hier in die­ser Re­gi­on schwer zu fin­den.

Wirt­schaft­li­cher Nie­der­gang und die stra­te­gisch seit dem Krieg in 2008 un­heil­schwan­ge­re Nä­he zu Süd-Os­se­tien ha­ben tie­fe Spu­ren in den Men­schen hin­ter­las­sen.

Wir wer­den dies nicht nur in Oni, son­dern auch in Ghebi am nord-west­li­chen Ende des We­ges zu spü­ren be­kom­men. Frem­de sind hier ge­dul­det, aber sicht­bar nicht er­wünscht.
Georgien Motorrad - Berge in Süd-Ossetien
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Auch kann ich mich des Ge­fühls nicht er­weh­ren, daß un­se­re dicken - wenn auch teils al­ten und an­ge­schla­ge­nen - Mo­tor­rä­der hier als so pas­send wahr­ge­nom­men wer­den wie Kü­he auf dem Mond.

Den Schlen­ker Rich­tung Sho­vi, Ma­mi­son-Paß und Süd-Os­se­tien spa­ren wir uns kur­zer­hand. Man muß ja nicht fi­na­la­men­te se­hen­den Auges in of­fe­ne Mes­ser lau­fen, wenn man sich schon kack­frech dran­vor­bei­schlän­gelt.

Und die an­ge­kün­dig­ten Kü­hen kom­men gleich...

Weiterführende Infos:
- Landkarte Trans-Kaukasus-Paß-Straßen
- Ossetische Heerstraße
- Georgische Heerstraße
- Roki-Tunnel
- Mamison Paß (engl.)
- Stadt Alagir
- Stadt Wladikawkas
- Kaukasischer Fünftagekrieg 2008
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Heimlich schlafen im Grenzgebiet

Die vierbeinige Ordnungsmacht

Die Landschaft ist herr­lich. Die Pisten stau­big. Fei­er­abend­bier­chen ge­bun­kert. Aber die spür­ba­ren Res­sen­ti­ments der Ein­hei­mi­schen in die­ser Ecke Ge­or­giens las­sen sich doch nicht voll­kom­men ig­no­rie­ren.

Georgien Motorrad - Vierbeinige Ordnungshüterin inspiziert Motorrad-Helm
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Der Tag ist weit fort­ge­schrit­ten. Die Lust wei­te­re Ki­lo­me­ter zu­rück­zu­le­gen be­schränkt. Die Keh­le trocken. Also laßt uns in den Sack hau­en und ein schickes Plätz­ken su­chen, wo wir uns spä­ter mit einem küh­len Man­tel aus tau­send Ster­nen warm zu­decken kön­nen.

Basierend auf den Obrig­keits-Er­fah­run­gen in Oni ge­hen wir in Deckung und schla­gen uns in die Bü­sche. Pa­no­ra­ma­blick auf die süd-os­se­ti­schen Ber­ge und glas­kla­res Bäch­lein mit sehr gro­ßer, fein­kie­si­ger Schwimm­ba­de­wan­ne in­klu­si­ve.

Die Piste hat man durch die Büsche hin­durch - wenn ge­wünscht - im Blick und wir sind ge­ra­de in der Deckung ver­schwun­den als der er­ste Ge­län­de­wa­gen der Staats­macht auf Pa­trouil­le vor­bei­staubt.

Das Lagerfeuerchen bleibt heu­te aus. Aber ge­or­gi­sches Bier­chen, Tü­ten­sup­pe im Ben­zin­ko­cher, bli­tze­blau­er Him­mel mit wei­ßen Wölk­chen und Berg­pa­no­ra­ma - Herz­ken, was willst Du mehr?

Wir heben grad die Tas­sen als es knackt im Ge­hölz. Köp­fe zucken. Kommt da grad wer durch die Bü­sche? Is doch grad so schön ge­müt­lich hier...

Der Gedanken ist noch nicht aus­ge­dacht, da lugt be­reits der er­ste neu­gie­ri­ge Schä­del durch's Ge­sträuch. Und es wird kei­ne zwei Mi­nu­ten dau­ern bis wir kom­plett von vier­bei­ni­gen Ord­nungs­hü­tern um­zin­gelt sind, die uns, un­se­re Mo­pe­ten, die Hel­me und of­fe­nen Ki­sten ge­nau­es­tens in­spi­zie­ren.

Glückliche Fügung: Am näch­sten Mor­gen wer­den wir nicht ei­nen ein­zi­gen Kuh­fla­den er­wischt ha­ben. Die Mä­dels ha­ben mit­ge­dacht und fei­ni hin­tern Busch ge­macht...
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Seltsame Wege

Kollege Zufall's große Show

Man kann wohl wirk­lich gu­ten Mu­tes ver­lau­ten las­sen, wir stün­den hier zu Fü­ßen der Aus­läu­fer des ho­hen Kau­ka­sus am Ende der Welt. Am Ende einer - selbst für Ge­or­gi­en ein­sam ge­le­ge­nen - 40km-Sack­gas­se. Mit einem Fuß in Süd-Os­se­tien. Auf kür­zestem We­ge fast 4.000km fern der Hei­mat. Im Kies­bett des Ri­oni-Flus­ses nord­west­lich von Ghebi.

Also kurz: Ir­gend­wie wirk­lich ernst­haft am En­de der Welt.

Um uns he­rum ein paar freund­liche Kol­le­gen, die mit al­ter 8-Zy­lin­der-Rus­sen­tech­nik Kay be­geistern und am Ma­lo­chen sind, um die Fol­gen des letz­ten Hoch­was­sers aus­zu­mer­zen.

Georgien Motorrad - Liebevolle Verzierung eines LKWs
Liebevoll verzierte LKW-Front
Und was sehen wir da?

Es ist ei­ner die­ser sehr sel­te­nen Mo­men­te, wo man ernst­haft auf­grund des kaum schon nicht mehr zu glau­ben­den Zu­falls ins Zwei­feln ge­rät...

Da steht ernst­haft ein Trans­por­ter mit teils noch ent­zif­fer­ba­rer Schrift "Holz­bau Esche, Has­sel­fel­de".

Wir muß­ten al­so erst fast 5.000 Ki­lo­me­ter durch die Welt hir­schen, berg­auf und berg­ab, durch Ne­bel und Re­gen, Po­li­zei­kon­trol­len und wil­den Ver­kehr.

Und das al­les, um am Ende jedweden befahrbaren Weges, direkt am Fuße der Bergriesen des Hohen Kaukasus ne­ben ei­nem Trans­por­ter zu ste­hen, der vor­mals in unserem eigenen Hei­mat­ort - dem Start der Reise - keine 250m Luft­li­nie ent­fernt der eigenen vier Wände je­den Abend schla­fen ging...

Weiterführende Infos:
- Fluß Rioni
- Region Südossetien

Grandesse vs. Verfall

Prä-sowjetische Architektur versus Plattenbau

Egal, wo man als West­eu­ro­pä­er geht und steht, Ge­or­gien wirft über­all op­tisch auf­fäl­li­ge Blick­punk­te in die Wag­scha­le an de­nen sich das Auge fest­beißt und ver­harrt.

Hier sind es die Kühe auf der Stra­ße. Dort die alte Rus­sen-Tech­nik. An­ders­wo die Ge­bäu­de. Und genau um jene soll es kurz gehen. Wobei ich we­ni­ger auf die noch­mal spe­ziel­le­re alte Ar­chi­tek­tur Ge­or­giens - die Kir­chen, die Wehr- und Wohn­türme der Ber­ge - son­dern eher auf die über­all auf­tre­ten­de All­tags-Ar­chi­tek­tur ab­stel­len möchte.

Dörfer kann man dies­bzgl. meist au­ßen vor­las­sen. Aber so­bald die Sied­lun­gen et­was grö­ßer wer­den, mehr­stöcki­ge Häu­ser ins Spiel kom­men, wird es put­zig.

Denn genau dort fängt er an, der Wi­der­streit zwi­schen prä-sow­je­ti­scher Gran­des­se - Ge­bäu­den mit groß­ar­ti­gen Ver­zie­run­gen, Säu­len, Er­kern & op­ti­schen Spie­le­rei­en, die auf eine lang ver­flos­se­ne, gro­ße Ge­schich­te hin­wei­sen; die von gu­ten Zei­ten, Glanz und Pomp er­zäh­len; bei denen das Auge re­gel­mä­ßig das Stau­nen an­fängt - und der schlich­ten, grau­en Zweck­mä­ßig­keit sow­jet-kom­mu­ni­sti­scher Zei­ten in Form schlich­ter grau­er Plat­ten­bau­ten.

Ihnen allen gemein - eg­al ob Glanz & Glo­ria oder schlich­ter Schuh­kar­ton - ist der all­ge­mei­ne schlech­te Zu­stand; der Ver­fall der Bau­ma­te­rie an al­len Ecken und En­den.

Da bröckelt Putz. Da fehlt eine Schei­be. Bun­te Far­ben sind kaum zu se­hen.

Die großen Zeiten schei­nen vor­erst vor­bei. Hof­fen wir, daß es bald wie­der auf­wärts geht. Und sei­en wir froh, daß wir auch den ak­tu­el­len Zu­stand mit sei­nem mor­bi­den Char­me ha­ben er­le­ben dür­fen.
Georgien - altes Gebäude prä-sowjetischer Architektur
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Georgien - baufälliger Plattenbau sowjetischer Herkunft
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Weiterführende Infos:
- Architektur Georgien

C-Rohr-Pippi

Einstieg in Chiatura

Chiatura/Tschiatura - die Stadt der Seil­bah­nen, west­lich Süd-Os­se­tiens ge­le­gen - und ich ha­ben ei­nen gar feucht-fröh­lich, sprit­zi­gen Ein­stieg mit­ein­an­der. Der­weil im Hin­ter­grund das gro­ße Denk­­mal und der op­tisch eher ei­nem Zelt­la­ger als ei­nem Hoch­haus glei­chen­de Plat­ten­bau - Ofen­roh­re ra­gen aus den per Fo­lie ab­ge­dich­te­ten Bal­kons; zwei, drei der Ge­län­der zum Schut­ze vor dem Ab­grund ha­ben sich be­reits da­von­ge­macht - der­weil also Denk­mal und Zelt­la­ger-Hoch­haus un­ser Stell­dich­ein von drei Mo­tor­rä­dern und vier Han­sels be­obach­ten, der Tank­wart un­be­dingt das Be­tan­ken selbst in die Hand neh­men will und ich mich folg­lich in die er­staun­liche Fas­sa­de des Sta­pel-Zelt­la­gers ver­tie­fe, klemmt die Ben­zin­pi­sto­le erst ein wenig stör­risch, um her­nach da­für vol­ler En­thu­si­as­mus al­les auf ein­mal her­zu­ge­ben. Der Tank­wart scheint den C-Rohr-ähn­li­chen Ben­zin-Schlauch kurz­zei­tig nicht bän­di­gen zu kön­nen. Der gu­te Stoff geht vol­ler Schmackes in wei­tem Bo­gen über den Tank hin­weg und be­gibt sich - wi­der­wil­lig den Prin­zi­pi­en von Ko­hä­si­on und Ad­hä­si­on fol­gend - auf mei­nem T-Shirt und mei­ner Ho­se von Brust bis Knie in aro­ma­tisch wert­vol­le Park­­po­si­ti­on.

Pas­send zur uns um­ge­ben­den ge­ne­rel­len Ge­las­sen­heit er­geb ich mich halb­wegs ent­spannt dem Schick­sal, ver­trau auf des Pro­ble­mes Lö­sung durch Klär­chen und Kol­le­ge Fahrt­wind und stol­pe­re genauso ahnungslos wie die Kollegen in ein auf­­fäl­lig mor­bi­des Klein­od ehe­ma­li­ger Grö­ße und ak­tu­el­len Zer­falls.

Chiatura - Stadt der Seilbahnen

Trauriger Verfall in Reinstform

Die Stadt Chiatura und ihr Berg­bau - vor dem ersten Welt­krieg mit 50% An­teil am Welt­ex­port größ­ter Man­gan­erz­pro­du­zent der Welt - be­fand sich ab 1879 wei­test­ge­hend un­ter der Füh­rung deut­scher Un­ter­neh­men. Spä­ter stell­ten die in Chia­tu­ra zu Ta­ge ge­för­der­ten Er­ze die Grund­la­ge für den Auf­bau so­wohl rus­si­scher als auch ge­or­gi­scher Schwer­in­du­strie dar.

Ein äußerst in­te­res­san­ter As­pekt ge­or­gi­scher Ge­schich­te findet sich im am 28. Au­gust 1924 durch ge­or­gi­sche Re­bel­len ini­ti­ierten Au­gust-Auf­stand. Be­sag­te Re­bel­li­on nahm an die­sem Ta­ge in Chi­atu­ra ihren An­fang, wur­de je­doch spä­ter durch die rus­si­schen Be­sat­zer blu­tigst nie­der­ge­schla­gen (sie­he wei­ter­füh­ren­de In­for­ma­ti­onen).

Chiatura zieht das Auge des Be­trach­ters be­son­ders durch zwei ex­trem mar­kan­te, nicht zu über­se­hen­de Son­der­bar­kei­­ten in sei­nen Bann:
a) al­lent­hal­ben sicht­ba­rer, ei­nen mor­bi­den Char­me ver­brei­ten­der Ver­fall und
b) da­von nicht eben aus­ge­nom­men an­nä­hernd 80 Seil­bah­nen, de­ren Seile sich wie ein rie­si­ges Spin­nen­netz über und rings um die ge­sam­te Stadt er­strecken.

Beide - sowohl Verfall als auch die Unmengen an Seilbahnen über der Stadt - stellen schlicht ein faszinierendes Bild dar.

Egal, wohin man schaut, das Auge wird vie­ler­orts auf Rost, ver­fal­len­de Ge­bäu­de, ma­ro­de Ei­sen­bah­nen und Wag­gons, wie mah­nen­de Zei­ge­fin­ger in den Him­mel ra­gen­de Strom­ma­sten und an­de­re, ei­nen sehr spe­ziel­len Char­me ver­brei­ten­de Din­ge tref­fen.

Für uns erstaunlich. Für die Be­woh­ner der Stadt schlicht ma­ka­be­re Rea­li­tät. Das weit­ge­hen­de Ende der Erz­för­de­rung als auch der Zu­sam­men­bruch der Sow­jet­uni­on sorg­te für einen har­­ten Nie­der­gang der frü­her so re­­le­­van­­ten Stadt.

Die gesamte zum Le­ben not­wen­di­ge In­fra­struk­tur der Stadt wie Gas-, Was­ser- und Strom­ver­sor­gung be­fin­det sich in sehr de­so­la­tem Zu­stand.
Georgien Motorrad - Chiatura, Stadt der Seilbahnen
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Woh­nun­gen wer­den an­geb­lich per Holz­öfen be­heizt, was u.A. auch die Ofen­roh­re auf den Bal­ko­nen des wei­ter oben be­sag­ten Hoch­hau­ses er­klärt.

Nichts­de­sto­trotz: Es gibt eine flo­rie­ren­de Pro­me­na­de mit Wech­sel­stu­ben, Ge­schäf­ten und Bank­au­to­mat. Man spa­ziert mit vie­len an­de­ren un­ter dem dich­ten Blät­ter­dach ho­her Bäu­me. Die Stra­ßen sind vol­ler Men­schen - in­te­res­siert und freund­lich. Als wir ein­mal hal­ten, bil­det sich um uns so­fort eine gro­ße Men­schen­trau­be. Wir wer­den nett an­ge­spro­chen.

Chiatura ist eine fas­zi­nie­ren­de Stadt und scheint in je­der Hin­sicht ei­nen Stop und nä­he­re Er­kun­dung wert.

Weiterführende Infos:
- Tschiatura (wikipedia)
- Bilder Stadt, Seilbahnen (wikimedia commons)
- Tolle Bilder (ostblog.org)
- Bericht (trampelpvad.wordpress)
- August-Aufstand (wikipedia)
- Mönch auf Katskhi-Säule [1], [2], [3]

Shatili & Mutso

Fest gefügt in Stein & Fels

Längst haben wir ge­lernt: In an­de­ren Ecken der Welt mißt man der De­fi­ni­ti­on "schlech­ter Weg" samt adä­qua­ten, da­zu pas­sen­den Fahr­zeu­gen eine ganz an­de­re Be­deu­tung bei als in West­eu­ro­pa.

Genauso läuft es auch hier in Ge­or­gien. Aber wo kom­men bloß die­se Un­men­gen von Klein­bus­sen voll­be­setzt mit jun­gen Leu­ten her auf die­ser ol­len Piste hoch in die Ber­ge gen Sha­ti­li?

Sie alle - hunderte - kom­men vom ge­stri­gen Sha­ti­lo­ba-Folk-Fe­sti­val, wel­ches jähr­lich in Sha­ti­li statt­fin­det und das 60-See­len-Ört­chen in ei­nen rie­si­gen, mit­tel­al­ter­li­chen Rum­mel in ei­nem Am­bien­te, wel­ches man sich tol­ler nicht vor­stel­len könn­te, ver­wan­delt.

Und wir kommen ahnungs­los ge­nau ei­nen Tag zu spät...

Das Bergdorf Shatili liegt ein­sam im Tal des Ar­gun kurz vor der Ge­or­gisch-Tschet­sche­ni­schen Gren­ze. Man er­reicht es ab Zhin­va­li über ca. 90km mehr oder min­der raue Pi­ste. Da­bei über­quert man den Dat­wi-Jwa­ri-/Kreuz­bä­ren-Paß (2.679m).

Nach weiteren - noch ein­mal we­sent­lich rau­eren - 10 Ki­lo­me­tern er­reicht man die ver­las­sene Berg­fe­stung Mut­so - man wür­de glatt vor­bei­fah­ren an den kaum sicht­ba­ren, sich oben in den Fel­sen ver­stecken­den Ge­bäu­den, wür­den nicht Bau­con­tai­ner und spä­ter ge­or­gi­sche Grenz­posten auf Mut­sos Exi­stenz hin­wei­sen.

Ohne es näher zu bemer­ken nä­hert man sich zwi­schen­zeit­lich der tschet­sche­ni­schen Gren­ze auf we­ni­ger als einen Ki­lo­me­ter. Wür­de man ein­fach dem Ar­gun-Fluß fol­gen, wä­re man 1, 2, 3 in Ruß­land.

Sowohl Shatili als auch Mut­so blicken auf eine lan­ge und be­weg­te Ver­gan­gen­heit zu­rück. Die Bau­wei­se - ex­trem exakt be­hau­ene Stei­ne ge­fügt mit Mör­tel zu festungs­ar­ti­gen Wohn- und Wehr­tür­men - ist ty­pisch für al­te chew­su­re­ti­sche Berg­dör­fer.
Georgien Motorrad - Wehrtürme Shatili
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Die faszinierende Gegend als auch die bei­den Berg­dör­fer sind ei­nen nicht ganz simp­len Aus­flug auf je­den Fall wert. Und wer noch ein paar Schrit­te Fuß­marsch nicht scheut, für den könn­te die aus­schließ­lich auf Schu­sters Rap­pen zu­rück­zu­le­gen­de Ver­bin­dung Mut­so - Oma­lo über den knapp 3.500m ho­hen At­sun­ta-Paß auch eine Über­le­gung wert sein.

Alsdenn: Auf geht's...

Weiterführende Infos:
- Region Chewsuretien
- Dorf Shatili [1], [2]
- Festung Mutso
- Shatiloba-Folk-Festival
- Fluß Argun
- Trekking-Tour Shatili-Omalo
- Fotos Atsunta-Paß Aufstieg [1], [2]

Ego-Knüppel

Evolutionärbedingte Selbstkorrektur

Oha! Bevor ich's vergeß: Wir strau­cheln ge­ra­de auf in­te­res­san­te, teils akro­ba­ti­sche Art und Wei­se durch Sha­ti­li; er­klet­tern stei­le Pfa­de, stei­gen in Baum­stäm­me g­ehau­ene Stu­fen hin­auf, er­klet­tern Lei­tern, ge­ben acht auf teils tie­fe und hals­bre­che­ri­sche Löcher und Ab­hän­ge, haben das un­be­grenzte, schwin­del­er­re­gend hohe Dach eines Ge­bäu­des er­reicht, als meh­re­re ge­or­gi­sche Damen - ver­mut­lich aus der gro­ßen Stadt - in Kleid­chen, teils High­heels und Co auf­tau­chen.

Also genau genommen taucht als erstes ein klei­nes Et­was auf. Ge­folgt von einem in die Höhe ge­reck­tem Ski­stock-ähn­li­chem Et­was. Und dann län­ge­re Zeit erst­mal nix.

Kurze Zeit später stakst das - zu­ge­ge­ben: aus­ge­spro­chen hüb­sche - Mäus­ken mit Smart­phone an Sel­fie-Stick an lang aus­ge­streck­tem Arm ent­lang hals­bre­che­ri­scher Dach­kan­ten, locke­rer Stein­hau­fen und sich plötz­lich auf­tu­en­der Löcher im Dach mops­fi­del durch die Ge­gend.
Daß es wirklich einfach nur däm­lich aus­sah, ge­schenkt. Kee Pro­blem. Aber Schneg­gel, wenn ich vor Dei­nem Knüp­pel in Deckung ge­hen muß - oder schlim­mer: Dir hin­ter­her­win­ken, wenn Du ab­se­gelst und aus 20m Höhe ge­or­gi­schen Berg­bo­den einer nä­he­ren In­spek­tion un­ter­ziehst, das tan­giert mich dann doch a weng...

Fällt mir ein - neulich ir­gend­wo ge­hört/ge­le­sen: Eine dt. Stadt hat in ihre Fuß­gän­ger-Am­pel-An­la­gen rote Warn­lich­ter im Stra­ßen­be­lag in­te­griert, die bei Rot blin­ken, weil es be­reits zu meh­re­ren Un­fäl­len mit auf ihr Handy star­ren­den Pas­san­ten kam.

Schöne Idee. Aber macht's Euch doch nicht so schwer. Schon Dar­win postu­lier­te den Ge­dan­ken der na­tür­li­chen Aus­le­se.

Gut, den Lemmingen konnte man auch mal nen Fall­schirm mit­ge­ben. Aber auch die wa­ren ir­gend­wann mal alle...

Shatili

Wehrhaftes Dorf am Bergeshang

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Mutso

Versteckte Feste aus Stein und Fels

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Begegnungen

Spuren hinterlassen

Es sind die Begegnungen, die Be­geg­nun­gen mit wild­frem­den, übli­cher­wei­se freund­li­chen, of­fe­nen, nicht sel­ten re­gel­recht herz­li­chen Men­schen, die das Salz in der Sup­pe einer sol­chen Rei­se aus­ma­chen. Die sich tief in's Ge­dächt­nis ein­prä­gen. Sich un­wi­der­ruf­lich im Kopf fest­set­zen.

Wir wer­den bspw. eines Abends im Vor­bei­ge­hen von zwei äl­te­ren Geor­gi­ern an­ge­spro­chen. Freun­de, die sich lan­ge nicht mehr ge­se­hen ha­ben und nun seit meh­re­ren Ta­gen un­un­ter­bro­chen ihre Wie­­der­se­hens­freude be­gos­sen ha­ben. Heu­te se­hen sie bei­de wirk­lich hart an­ge­schla­gen aus, aber egal wie - mit uns müs­se man schlicht auch noch einen Tscha­tscha trin­ken.

Eine Runde er­gibt die an­de­re. Die bei­den wech­seln sich ab. Wir wer­den ins Haus des ei­nen - ein be­kann­ter Künst­ler aus Tbi­li­si - ein­ge­la­den.
Evtl. ist es nicht der Weis­heit letz­ter Schluß, daß wir doch dan­kend ab­leh­nen und auf un­se­re ge­ra­de be­­zo­­ge­­ne Un­­ter­­kunft be­­har­­ren. Vermutlich ver­har­ren wir manch­mal doch schlicht zu sehr in uns be­kann­ten Mustern.

Schluß­end­lich wer­den wir dort mit einem is­ra­eli­schen Päär­chen zu­sam­men den spä­te­ren Abend feucht-fröh­lich ver­brin­gen und auch dort sehr viel über uns nicht über­mä­ßig ge­läu­fi­ge Kul­tu­ren ken­nen­ler­nen, eine Men­ge Spaß ha­ben.

Es sind die Men­schen, mit de­nen man in Kon­takt kommt, die tief­ein­schnei­den­de Er­fah­run­gen hin­ter­las­sen.

Supertätärä

Anfängerfehler

Da stehen wir so vor der wun­der­schö­nen Ku­lis­se alt­ehr­wür­di­ger Ge­bäu­de in Sha­ti­li, um­ringt von er­ha­be­nen Berg­rie­sen des Ho­hen Kau­ka­sus; weiße Wölk­chen vor per­fek­tem, blau­en Him­mel hier, dräu­en­de Ge­wit­ter­wol­ken zwi­schen zwei Gip­feln da; so­eben ha­ben mir eine ge­or­gi­sche Re­por­te­rin und ihr Ka­me­ra­mann ein kur­zes In­ter­view ab­ge­run­gen, als es in die näch­ste ein­präg­sam denk­wür­di­ge Run­de ge­hen soll.

Die Are­na be­tritt - nun­ja, ge­nau­ge­nom­men fah­ren die Re­por­ter ein­fach nur ihren Klein­bus bei­sei­te - ein jun­ger, esto­ni­scher Recke mit ge­win­nen­dem Lä­cheln, sei­ner gel­ben Su­per-Te­ne­re und doppelt so­viel Gepäck wie dem uns'rigen.

Man kommt ins Ge­spräch. Er ist allein un­ter­wegs. Hat schon eini­ge Kämp­fe aus­fech­ten müs­sen. Hat es sich sel­ten leicht ge­macht. Mit sei­nem Mop­ped läuft er nicht im­mer d'accord. Dort die­se Re­pa­ra­tur. Hier je­ne. Über den Paß, den man zwangs­wei­se über­win­den muß, um gen Sha­ti­li zu ge­lan­gen, kam er nur im er­sten Gang mit Ver­ga­ser-Zer­le­gung und Na­del um­hän­gen.

Und dann wird's Zeit für mich, den Sturz­helm auf­­zu­set­zen. Er be­ginnt ernst­haft und vol­ler In­brunst, mir einen Vor­trag über die Vor­zü­ge sei­ner Su­per-Te­ne­re ge­gen­über mei­ner Afri­ca Twin zu ge­ben. Mehr Lei­stung. Bes­se­res Fahr­werk. Ver­brauch. Ge­wicht. Ge­län­de­gän­gig­keit, etc. Mir klin­geln die Oh­ren. Über mei­ner Twin schei­nen sich dunk­le Wol­ken zu­sam­men­zu­brau­en.

Und ir­gend­wann kommt der fi­na­le, der ver­nich­ten­de, al­les klar­mach­en­de Dolch­stoß mit­ten ins Herz: "Tja, hätt'ste Dir mal ein ver­nünf­ti­ges Mo­tor­rad zu­ge­legt".

Verdammt! Oh nein! Ich bin un­wür­dig! Ich Wicht! Ich Wurm! Mit einem un­brauch­ba­ren Klep­per von Zwei­rad. Einem un­brauch­ba­ren Klep­per, der den Rück­weg von Sha­ti­li auf die Paßhöhe in 35 Mi­nu­ten er­le­di­gen wird, um die 1,5h Vor­sprung der
Georgien Motorrad - Africa Twin in Shatili
Die Unwürdige in Shatili

Kum­pels wie­der auf­zu­ho­len, die ab Mut­so zu­rück vor­aus­fah­ren der­weil ich erst noch hoch gen Mut­so auf­stei­ge, durch die Rui­nen tur­ne, mich gen Sha­ti­li noch­mal herz­lich mit einer Pots­da­mer Wan­der­grup­pe un­ter­hal­te, in Sha­ti­li 3 Fla­schen Tscha­tscha er­wer­be - na­tür­lich erst, nach­dem ich mit der sehr at­trak­ti­ven Schwe­ster auf die Ver­käu­fe­rin habe war­ten müs­sen.

Der olle Klep­per wird den er­sten Kol­le­jen vor dem Er­rei­chen der Paß­hö­he über­run­den und oben auf ihn war­ten. Ohne Ver­ga­ser­aus­bau und Co. Mit nem ver­nünf­ti­gen Mo­tor­rad hätt's na­tür­lich nicht so lang ge­dau­ert...

Auf dem ge­sam­ten Rück­weg gen Hei­mat kann ich übri­gens ge­trost durch­weg mei­nen Helm auf­las­sen, da ich von den Jun­gens an allen mög­li­chen und un­mög­li­chen Ecken wie­der auf mei­ne Schmach auf­merk­sam ge­macht wer­de: "Tja, hätt'ste Dir mal'n ver­nünf­ti­ges Mo­tor­rad zu­ge­legt...", "Na, viel­leicht doch bes­ser ne Super-Tä­tä­rä be­sor­gen?", "Es ist nie zu spät auf ein ver­nünf­ti­ges Mo­tor­rad um­zu­stei­gen...".

Moppedversenken

Japanische Zweirad-Ruinen

Beim Gedanken an die gleich fol­gen­den Er­in­ne­run­gen zieht sich mir selbst jetzt noch vor Schmerz das Herz zu­sam­men. Trä­nen wol­len vor mei­nem in­ne­ren Auge heim­lich der Gra­vi­ta­ti­on Tri­but zol­len. Nie­der­ge­schla­gen­heit macht sich breit. Aber von vorn:

Georgien Motorrad - Africa Twin nach 20m-Sturz
AT light nach 20m-Sturz

Die Jun­gens vom Riders Dream Moto Club Ak­halt­sik­he ma­chen einen schnel­len Aus­flug und las­sen's kra­chen. Al­ler­dings - und nu wird's lang­sam tra­gisch - ver­paßt einer von ihnen die Aus­fahrt. Auf der Schot­ter­stra­ße gen Sha­ti­li. Dort, wo die be­wal­de­ten Ecken in die frei­en Hoch­flä­chen unterhalb des Passes übergehen. Ja, ge­nau da, wo rech­ter­hand so ein paar schicke Schluch­ten mit spru­deln­den Berg­bä­chen so 20, 30 Meter tie­fer ihr Da­sein fri­sten.

Und genau dort hat der Kol­le­ge die Aus­fahrt ver­paßt - ge­nau­ge­nom­men war da gar keine Aus­fahrt; er hat also die Aus­fahrt ver­paßt und ganz un­ten im Schat­ten - von küh­lem Berg­bach­was­ser er­frischt - ist das Mo­tor­rad von selbst aus­ge­gan­gen.

Nun steht sie ge­nau vor mir und es bricht mir das Herz! Das Häuf­chen Elend war bis vor ner Stun­de eine kom­plet­te Africa Twin!

Nach­dem die Jun­gens mit ver­ein­ten Kräf­ten Mann und Maus wie­der ge­ret­tet hat­ten - un­nö­ti­gen Bal­lasts hat­te das Häs­chen sich kur­zer­hand ent­le­digt - stell­te man er­staunt fest, daß selbst die kom­plett ge­flu­te­te Twin-Ruine beim er­sten Druck auf's Star­ter­knöpf­chen di­rek­ta­men­te wie­der zum Leben er­wach­te und - ... - wei­terfuhr.

Ich hof­fe, Ihr hat­tet noch eine schö­ne Zeit und habt's hei­le bis da­heim ge­schafft. Alles Gute und im­mer eine Hand­breit Platz!

Ach­ja, falls es hilft: "Tja, hätt'ste Dir mal'n ver­nünf­ti­ges Mo­tor­rad zu­ge­legt..." - mit ner Super-Tätärä wär das wahrscheinlich nicht passiert...

Schau mir in die Augen, Kleines

Heute mal Rätselraten...

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Problemlösungskompetenz

Westlich versus georgisch

So, Freun­de der Nacht! Kli­schee-Be­die­nungs-Zeit! Am besten ein, zwei Kli­schees über uns selbst. Feu­er frei...

Tages-Aufgabe:
Bewege 5 sehr breit bau­en­de 25L-Kunst­stoff-Ka­nister von A nach B. Fül­le sie dort mit Was­ser. Bring sie wie­der von B nach A. Distanz 500m. Er­laub­te Hilfs­mit­tel aus­schließ­lich das, was man di­rekt bei sich trägt.

Lösung west­li­cher Kon­su­ment:
Tritt auf - Vor­sicht Kli­schee, nicht pau­scha­li­sier­bar, aber auch nicht un­wahr­schein­lich - das un­be­wußt ver­wöhn­te, be­hü­te­te Kind west­li­cher Kon­sum-Ge­fil­de, denkt trau­rig an den täg­lich be­weg­ten dicken SUV/PKW - HA! Darf­ste nich! - und macht sich per pe­des auf den Weg.

5 sehr breit bau­en­de 25L-Ka­ni­ster. Pro Hand ei­ner. Ma­xi­mal zwei auf dem Hin­weg. Zu­rück mit 50L ma­xi­mal je Hand ei­ner. Mehr­mals un­ter­wegs ab­set­zen. Macht:

2x hin + 3x zu­rück = 2,5km Fuß­weg.

Lösung Ge­or­gien, Berg­dorf:
Das Spielfeld be­tritt - ok, auch hier Kli­schee - der ol­le, lä­cheln­de Ge­or­gier mit 3-Ta­ge-Stop­peln um die Na­se - laßt ihn uns Ge­or­gi nen­nen, grüßt den Nach­barn, setzt sich und man trinkt erst­mal ganz in Ru­he ein Gläs­chen auf den Welt­frie­den, de­bat­tiert über's Wet­ter, grüßt die Post­frau, er­fährt von ihr die neu­esten Nach­rich­ten aus dem Nach­bar­dorf, geht noch­mal kurz nach den Scha­fen und Zie­gen kucken, trinkt noch­mal mit dem Nach­barn auf den Welt­frieden... und setzt zum gro­ßen Schlag an...

Aus der Tasche wird eine Schnur be­för­dert. Man schlingt sie mit aus­rei­chend Spiel um alle 5 Ka­ni­ster - trinkt noch­mal ei­nen auf den Welt­frie­den! - und dann geht's los: Ge­or­gi - lacht - ge­müt­lich vorn weg und im Gän­se­marsch an der Schnur fol­gen 5 dicke Ka­ni­ster die Stra­ße hi­nun­ter wie Pit­ter­chen und Pat­ter­chen.

Da das mit ei­nem Stück pol­stern­dem Stoff um die Schnur - Ge­or­gi nimmt ein­fach sein Hemd - auch rück­wärts mit et­was mehr An­stren­gung gut funk­ti­o­niert, er­hal­ten wir fol­gen­des...

Resultat:

Westler:
2,5km Fuß­weg, mind. eine Stun­de Zeit ver­batzt, fix und foxi, Schnauze voll

Georgi:
1km Fuß­weg, zu­frie­den mit der Welt, Schafe und Zie­gen ver­sorgt, Nach­bar­schafts­be­zie­hun­gen ge­pflegt, gut in­for­miert, auch voll

1:0 Georgien.

Georgischen Teil er­lebt west­lich Tbi­li­si (Tiflis). Rest hah­ne­bü­chen, ket­zer­isch kon­stru­iert.

09:30 in Deutsch­land. Werk­tag. Ge­müt­li­cher Bal­kon. Ein per­fek­ter blau­er Him­mel. Sie­ben Flug­zeu­ge über ro­ten Dä­chern. Schwal­ben flie­gen. Ein an­ge­neh­mes, sanf­tes Lüft­chen trägt Pu­ste­blu­men­sa­men durch die Luft. Ein küh­les Bier­chen in der Hand denk ich an Ge­or­gi, muß la­chen und trin­ke auf Dich, lie­ber Le­ser, Ge­or­gi und den Welt­frie­den... ;)

Begegnungen II

Dickschiff-Wrestler

Hartmut. Wir halten west­lich des Pa­ra­va­ni-Sees am Stra­ßen­rand an einer Im­biß­bu­de, um den drin­gend zu stil­len­den kör­per­li­chen Ge­lü­sten zu fröh­nen.

Das Essen schmeckt. Aber das su­per­sü­ße Ge­tränk nicht zu ent­zif­fern­der Her­kunft und Be­stim­mung ver­klebt den Spei­se­trakt höchst er­folg­reich.

Plötzlich ein herz­li­ches Zwei-Zy­lin­dern aus öst­li­cher Rich­tung.

Neben unseren drei Mo­pe­ten hält am Stra­ßen­rand eine Trans­Alp. Glei­ches Mo­dell wie Kays Tram­po­lin-Tru­de, die sich trotz feh­len­der Dämp­fung durch be­herz­ten Ein­satz un­se­res Pro­fis mit ei­ni­gen Ab­stri­chen - evtl. wä­re sie für uns un­fahr­bar ge­we­sen - hat durch Dick und Dünn trei­ben las­sen (er muß­te glück­li­cher­wei­se lang­sam prü­geln, um nicht von der Stra­ße zu flie­gen - was uns nicht ganz so alt hat aus­se­hen las­sen...).

Steht da also Hartmuts Trans­Alp. Mit Selbst­bau­kof­fern, Top­ca­se, Zu­satz­tanks und Co bis zum Ho­ri­zont.
Bepackt bis Anschlag. Kay wird spä­ter drauf­sit­zen und mei­nen, daß die­ses Fahr­zeug 100 Kilo mehr wiegt als sei­nes. Ich wer­de mich ver­wei­gern, weil ich Sor­ge he­ge, von die­sem Ge­fährt nicht heil wie­der he­run­ter­zu­kom­men.

Und Hartmut... Mal eben bis Ja­pan ge­fah­ren. Weil er eben Lust drauf hat­te und noch­mal was er­le­ben woll­te. Durch Af­gha­ni­stan zu­rück. In Pa­ki­stan meh­re­re Wo­chen Haus­ar­rest. Und stellt er­staunt fest, daß wir es sind. Er meine Be­rich­te schon stu­diert hät­te. Wo Ihr man im­mer lang­fahrt! Er würde nach meh­re­ren bö­sen Stür­zen wenn mög­lich nur noch Asphalt...

Wir treffen uns rein zu­fäl­lig meh­re­re Mo­na­te spä­ter wie­der. Mensch, Hart­mut, Du bist ne Wucht! Laß Dir Deine Freu­de nicht ver­mie­sen! Mach ein­fach wei­ter!

Leg los - egal, ob mit Hüp­per oder schwe­rem Eimer. Held bleibt Held, Du Held! Feuer frei! Los geht's!

3 Krüppel auf Reisen

Ersatzteillager bitte...

Da eiern sie so durch die Welt. Fern der Hei­mat. Auf mehr oder min­der be­tag­ten zwei­räd­ri­gen Ei­mern. Durch Staub und Busch. Drei Cha­oten vier Wo­chen auf Hei­mat-Flucht. Drei Krüp­pel mit Zwei­rad-Spleen.

Einer mit Wir­bel­säu­len­pro­ble­men durch Bü­ro, neu­er­dings do­me­sti­zier­ter Träg­heit und Phleg­ma­tis­mus.

Einer mit nem knap­pen, zünf­ti­gem Ge­nick­bruch und strik­tem Arzt-­sei­ti­gem Mo­tor­rad­ver­bot.
Und einer, bei dem ver­mut­lich nur noch aus­ge­spro­chen we­ni­ge Kno­chen nicht durch Mo­tor­rad­blöd­sinn ge­bro­chen, lä­diert und krumm wie­der zu­samm­ge­wach­sen sind. Der sich re­gel­mä­ßig neue Del­len zu­legt wie an­de­re die Un­ter­wä­sche.

Da rol­len sie al­so, die drei Cha­oten, ir­gend­wo mit­ten durch die ge­or­gi­sche Pam­pa. Mit ei­nem Fe­der­bein ohne Dämp­fung. Kurz vor'm fi­na­len Hal­le­lu­ja. Und klei­den sich in ein zu­frie­de­nes Lä­cheln.

Blindflug

Keine Termine - Chance verpaßt

Wir sitzen in traum­haf­tem Abend­licht auf dem Go­der­zi-Paß vor ei­ner Holz­hüt­te zu­sam­men mit ein paar Ge­or­giern, ma­chen Pau­se nach mitt­ler­wei­le teils nicht ganz tri­vi­alen, teils herr­li­chen knapp 350km, be­trach­ten die un­ter­ge­hen­de Son­ne vom 2.000m hohen Paß; er­freu­en uns da­ran, wie sie in den be­reits ver­schat­te­ten Tä­lern im We­sten ver­sinkt, las­sen die Ge­dan­ken schwei­fen gen Pa­ra­va­ni-See und -tal, ge­nie­ßen die herr­li­che Ru­he.

Kurz: Genau der rich­ti­ge Platz, um ganz spon­tan kei­nen ein­zi­gen Schritt mehr zu tun. Bier zu or­dern. Chat­scha­pu­ri. Da­zu ei­nen schö­nen Tscha­tscha. Welt­frie­den ze­le­brie­ren. Den lie­ben Gott nen gu­ten Mann sein las­sen.

Und wi­der bes­se­ren Wis­sens be­ge­hen wir den so häu­fig ge­mach­ten Feh­ler und fah­ren wei­ter. Zum ein­zi­gen ab­ge­mach­ten Ter­min der ge­sam­ten Rei­se. Heu­te Abend, 130km ent­fernt, süd­lich Ba­tu­mi bei lie­ben Be­kann­ten.

Und es kommt dicke. Klei­ne Sün­den be­straft der lie­be Gott so­fott. Dun­kel­heit. Bau­stel­len. Ge­or­gi­sche Auto­fah­rer im Rausch.

Noch 100km. Tho­mas fährt 30km/h. Sagt, er sieht nix. Oha! Auch nicht, wenn ich mich mit Fern­licht und LED-Schein­wer­fer ne­ben ihn set­ze! Die Me­ter krie­chen dahin. Die Zeit rückt un­auf­halt­sam vor­wärts. Es ist lang dun­kel. Es ist spät - zu spät. Noch vie­le Ki­lo­me­ter. Kei­ne Mög­lich­keit, spon­tan ein Zelt auf­zu­schla­gen.

Sprung: Ich habe einen schlei­chen­den Ge­or­gier über­holt. Seit­dem sitzt der gei­stes­kran­ke Hund auf mei­nem Hin­ter­rad! Enges Ge­läuf. Kur­ven. Fel­sen. Schma­le Stra­ßen. Ab und an eine Kuh. Gas­ge­ben! Ab­stand auf­bau­en!

Thomas kommt mit sei­ner Kaf­fee­fahrt ge­müt­lich hin­ter­her. Wir ma­chen die Un­ter­kunft klar. Mit­ter­nacht ist nicht mehr bloß ein Ge­rücht. Ich hole Kay ein. Aus­tausch per Zu­ruf. Der be­klopp­te Ge­or­gier taucht wie­der auf. Gas! Ghebi.

Georgien Motorrad - Blick vom Goderzi-Paß gen Westen im Abendlicht
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Wir fah­ren hart am Li­mit. An Licht ist al­les auf­ge­bo­ten, was wir an­ge­baut ha­ben. Noch zü­gi­ger ist kaum mög­lich.

Wir wer­den bald na­he Ba­tu­mi an einer Kreu­zung ste­hen, uns kurz be­rat­schla­gen, fest­stel­len, daß Tho­mas noch 2-3 Stun­den be­nö­ti­gen wird.

Grad stell ich fest, daß ich auf's Abend­bier­chen ver­zich­te, um ggf. zu­rück­fah­ren zu kön­nen - da hält der mo­bi­le La­ma­decken-Ku­rier auf Pro­pel­ler-Mop­ped plötz­lich ne­ben uns!! Ähem... 30km/h... wir ex­trem zackig... wie geht das denn?!?

Wir wer­den noch eine schö­ne Nacht ver­brin­gen mit un­se­ren Be­kann­ten. Fakt je­doch bleibt: Wir hät­ten's spon­tan ver­schie­ben sol­len. Mor­gen wär auch noch ein Tag ge­we­sen.

Keine Ter­mi­ne! An­hal­ten. Bier­chen. Welt­frie­den. Tscha­tscha & Chat­scha­pu­ri.

Weiterführende Infos:
- Goderzi-Paß auf Karte
- Paravani-See
- Speise Chatschapuri
- Stadt Batumi
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Fazit Georgien

Die volle Kelle in 6 Tagen

Ja mei! Was man nicht al­les in nur 6 Ta­gen er­le­ben kann! Was man nicht al­les se­hen kann! Wie­vie­le tol­le Men­schen tref­fen! Wie schön Bier und Tscha­tscha sich in die­sem Lan­de trin­ken läßt! Wie­vie­le Kü­he pro Qua­drat­me­ter As­phalt­stra­ße! Ma­xi­mier­te Grenz­er­fah­run­gen pro Zeit­ein­heit. Georgien, Du altes Haus! Gra­de erst vor­bei und ich könnt schon wie­der! Gmad­lob und mschwi­do­bit, lie­be Ge­or­gier! Es war wie­der herr­lich bei Euch. Das Herz sagt: Drei­mal warst Du nun schon da - ir­gend­wann folgt auch ein vier­tes Ma... ;)
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