Marokko per Motorrad 2014 - Technik

Ein Blick auf die technischen Aspekte

Motorräder

Auf zwei Zylindern gen Süden

Vier plus ein Motorräder rollen diesmal gen Süden. Vier Zwei-, ein Einzylinder. TransAlp, Africa Twin & 800GS. Die Qualitäten dieser drei Fahrzeuge sind bekannt aus den Vorjahren. Die 800GS - das Sparbrötchen mit dem meisten Druck. Die Transe - gefahren vom Profi - der spielerische Hüpfer und für alle Dummheiten zu haben. Die dicke Africa Twin - optisch ein Pummelchen - darf auf einigen sehr sportlich gefahrenen, schnellen Offroad-Passagen inkl. Gepäck ihre nicht auf den ersten Blick ersichtlichen Qualitäten so richtig ausspielen.

Hinzu kommen eine just vor der Tour aus Einzelteilen zusammengestückelte BMW R100GS - Hilde - mit 1.000er Fallert-Motor. Und eine Husquarna TE 610 LT.
Hilde hat bereits eine Menge Auf­merk­sam­keit gewidmet bekommen - soviel Zeit muß sein. Ehre, wem Ehre gebührt. Prinzessinnen muß gehuldigt werden.

Die TE mit ihrem abweichlerischen einen Zylinder ist zwar das leichteste und somit theor. spielerischst zu fahrende Mopped. Aber die Zuladung gleicht das alles wieder aus. Da fehlt nix. Vom kompletten Hazet-Ratschen-Kasten bis Nebelscheinwerfer, Mar­tins­horn und Schwungregler - Peter hat an alles gedacht. Und auch dabei. Was den theor. Gewichtsvorteil weitgehend wieder auf­hebt... ;)

Reifenwahl

Von bissigen Hunden und Schmierseife

Kurzfristig fällt dieses Mal - trotz besseren Wissens ;) - die Wahl auf eine Alternative: Mitas E-07. 130er auf der Transe. 140er auf der Africa Twin. Und 150er Heidenau K60 Scout auf der 800GS.

Heidenau K60 Scout: Wie gehabt souverän in allen Lebenslagen. Der 150er Hinterreifen hält ewig. Der Vorderreifen anderthalb mal so lang. Trocken wie naß top. Geländetraktion ok - aber natürlich keine Wunder zu er­warten. Ein super haltbarer Reifen.

Mitas E-07 - und hier muß unterschieden werden zwischen 130er und 140er. Vornweg: Der 140er Hinterreifen hält ewig. Ein Holz­reifen, der noch länger durchhält als der Scout.

Der Vorderreifen hat ein etwas mehr ver­schränktes Profil als der Scout. Wir alle unterstellen ihm leicht bessere Traktion im Gelände als dem Scout. Das Profil läßt aber erschreckend schnell Federn. Nach 10.000km ist das Vorderrad am Ende - das Profil runter.

Anders als beim Heidenau (1 VR = 1,5 HR) läuft's beim 140er E-07 andersrum: 2 VR = 1 HR. Beim 130er 1,5 VR = 1 HR.
Der 140er trägt ein offeneres Profil als der 130er. Bissiger ist die absolut treffende Bezeichnung. Der Grip abseits befestigter Straßen ist super. Läßt den Scout gut hinter sich. Der 130er nimmt zügig ab - was das Profil noch geschlossener werden läßt. Der 140er zeitgleich hält und hält und hääält...

Das aber hat seinen Preis: Beim Überqueren des Atlas auf Asphalt im Regen geht mir der Hintern weg. Einmal. Zweimal. Schweiß bricht aus. Ich schleiche mit 40 - 50 km/h durch die Kurven. Die anderen sind längst am Horizont verschwunden. Immer wieder rutscht mir der Hintern leicht weg. Das Vertrauen in den bis dahin Top-Reifen ist dahin. Unkalkulierbar! Bloody hell!

Ich werde dieses Verhalten auch zurück in Dtl. auf nasser Straße etwas weniger stark ausgeprägt noch ein, zweimal erleben.

Die E-07-Kombination mit 140er Hinterrad ist grandios, günstig und abseits befestigter Straßen ein Traum. Sobald's regelmäßig feucht wird auf dem Asphalt, nehm ich aber lieber wieder den Scout (der 130er E-07 hatte diese Probleme nicht - aber auch nicht das gleiche Maß an Traktion & Haltbarkeit).
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MSR Hubba HP - Zelt-Reparatur / Außenhaut flicken

Stopft den Schweizer Käse

Da steht es, das gute MSR Hubba HP. Qua­li­tätsware zum entsprechenden Preis. Ultra­leicht. Und jetzt auch ultraluftig.

Entlang des Mittelbogens - welcher das ge­samte Zelt aufspannt - ist die Außenhaut arg lädiert. Schleifstellen, kleine Löcherchen, Schnitte bis 4cm Länge auf gut 2/3 der ge­sam­ten Länge. Weitere Problemstellen ent­lang der beiden Fußdreiecke (auch mit Stan­gen unterlegt) und der oben mittig ein­ge­­bau­ten Querstange.

Die MSR-Service-Hotline em­pfiehlt schlicht das Ein­schicken nach Irland. Vorher jedoch wird selbst Hand angelegt - auch, wenn das Ver­trauen in eine dauerhaft verläßliche Re­pa­ratur überschaubar ist.

Versuch 1 - McNett Tenacious Tape
Mit Alkohol die zu beklebende Stelle säu­bern, passende Stücken des trans­pa­ren­ten, sehr stabil wirkenden Klebebandes schnei­den, die Ecken abrunden, Blasen- & Fal­ten­frei die Außenseite (Stoff, keine Dicht­schicht) ab­kle­ben. Sieht erstmal sehr gut aus. Schein­bar sehr stabil. Kaum zu er­kennen.

Bei der Menge an Löchern gehen insgesamt 3 Rollen des je ca. 8 EUR teuren Kle­be­ban­des drauf (wesentlich billiger als 400 EUR für ein neues Zelt). Die Kleinarbeit dauert meh­re­re Stunden.

Test: Regen und Sonne - das Zelt bleibt dicht. Aber das Klebeband löst sich an ei­ni­gen Stellen ab. Unter­wegs­reparatur ok. Dau­er­haft - ein Satz mit x...

Also aufmunitionieren mit McNett SeamGrip (für Außenseite - innen McNett Sil-Net, da si­li­ko­ni­siert) und etwas Ripstop Spin­na­ker-Nylon aus dem Segel-/Kite-Bereich. Versuch 2...
Versuch 2 - Ripstop-Nylon + SeamGrip
Das selbstklebende Spitape M2 zur Re­pa­ra­tur von Segeln und Kites ist sehr leicht, äußerst flexibel und zeitgleich stabil. Ir­gend­was um die 5m kosten 11,50 EUR. Günstig im Vergleich zum Te­na­ci­ous-Tape. Macht zwar nicht dicht, hinterklebt die Risse und Löcher aber von innen ganz wun­der­bar. Im Ge­gen­satz zum recht dicken und steifen Tenacious-Tape ist es jedoch außerst flexibel - genau wie der Zeltstoff. Nicht zu spüren, aber stabil.

Von außen kommt auf die durch Rip­Stop- Tape hinterklebten Löcher McNett Seam­grip. Diese trans­pa­ren­te Dicht-/Kleb­masse fühlt sich aus­ge­här­tet wie Gummi an. Recht fle­xi­bel.

Sonnen- und Wassertest sind durchgeführt. Das Ripstop-Tape hält super. In Verbindung mit dem SeamSeal-Dichter von außen eine sehr gute Lösung. Ziel erreicht - Problem gelöst.

Finalamente - notfalls eine neue Ober­haut fürs MSR Hubba HP
Laut CascadeDesigns-Service läßt sich die Ober­­haut des mittlerweile durch das MSR Hubba NX ersetze Hubba HP für um die 130EUR einzeln nachbestellen. Teilenummer 07272.

Alternativ bietet funktionelles.de das Hubba NX für 265, das Hubba HP für 290 EUR neu.

Bleibt somit notfalls eine letzte wei­tere Op­tion, um ggf. das nicht eben billige Zelt weiterhin erfolgreich nutzten zu können.

Schmierung & Verschleißmaterial

Gerührt - nicht geschüttelt

BMW 800GS und Africa Twin fahren einen Öler. BMW CLS in letzter Generation, AT Kös. Kös problemlos - wie immer. Die 800GS hat auch mit dem neusten, güldenen CLS die gleichen Probleme wie von den vorherigen langen Touren gewohnt. Irgendwas geht immer nicht - wie immer. Diesmal wird dann alternativ das Öl per Zahnbürste der Kette zugeführt... Kay vertraut wie üblich auf eine Dose Spray. Peter tut es ihm gleich.

Und Manfred hat genug andere Sorgen mit Hilde. Für Gedanken an Kettenpflege bei seiner Kardan-Mopete bleibt da keine Zeit.

Gepäckaufbewahrung

Deckel auf, rein & fertig

4x hinten zentrale Alu-Kiste. 2x 70L, 1x 80L, 1x 65. Dazu 3x jeweils ein Enduristan-Tankrucksack.

Manfred hatte zusätzlich zur 65er Kiste noch Seitentaschen hinten, Tankrucksack vorn und rechts und links vorn irgendwelche Dinge angeschnallt... ;)
Peter auf Huski Seitentaschen (mit extra Regenhüllen) und ein oder zwei große Rollen. Dazu vorn ein Tank­ruck­sack.

Hört sich leichter an als die Alukisten. War aber a) wesentlich mehr Volumen, b) we­sent­lich mehr Gewicht, c) verteilt auf einem leich­teren und instabileren Fahrzeug.

Zelte, Schlafsack, hoppsassa...

Wir wohnen unterm Sternenzelt - denkste...

Der Vorsatz, häufig im Zelt zu schlafen, spart Geld, verschafft Frischluft und wundervolle Ausblicke anstelle muffiger Innenräume.

Im Nachhinein will es zwar keiner glauben, aber die Truppe zeltet auf dem Hinweg 1x in Frankreich und auf dem Rückweg 1x in Spanien (ich zusätzlich allein mehrere Nächte in Marokko - von den anderen getrennt). Da hätte man das Gewicht für's Campingzeug theor. sparen können...

Kay & Manfred nächtigen (2x ;) im No­name-Iglu, auf Billig-Luma & im Billig-Schlaf­sack. Die Luftmatratze von Proband M. segnet das Zeitige bereits in der ersten - und einzigen - Nacht.

Meine ehemals selbstaufblasende, ver­gleichs­weise klein verstaubare und leichte Thermarest Prolite tausche ich für diese Tour gegen eine Thermarest NeoAir Xlite. Da ich Gewicht und Packvolumen sparen will, gibt's Nägel mit Köpfen - die small-Variante reicht von Kopf bis Oberschenkel. Wiegt aber dafür nur 230g anstelle einem knappen Kilo und hat das Volumen einer 1L-Wasserflasche - ungefähr 1/3 der Prolite. Die NeoAir ist superbequem mit ihren über 6cm Dicke.

Unter die Füße kommt die Motorradjacke. 2015 wird die Matte unter 100EUR zu haben sein - wesentlich günstiger als 2014.
Mein alter Primus Multifuel wird - Gewichts- & Packmaßoptimierung - nur noch von einer 0,3L Benzin-Flasche anstelle 1L befeuert.

Die Standard-Heringe meines frei­stehenden MSR Hubba HP Zeltes gaben im sandigen Sahara-Boden nicht ausreichend Halt (siehe Probleme). Eine Fangleine tief am Motorrad fixiert wird das zukünftig ausgleichen. Das Zelt selbst war wieder superpraktisch.

Thomas Wechsel-Pathfinder Zelt (Geodät) wäre weniger Wind-anfällig gewesen als mein MSR Einbogen. Bietet aber weniger Sitzhöhe, weniger Stauraum in der Apsis und ist ein ganzes Kilogramm schwerer.

Gewichte im Überblick:
- Zelt MSR Hubba HP: 1,3kg
- Schlafsack Ajungilak Sphere Spring: 550g
- LuMa Thermarest NeoAir Xlite small: 230g
Resultat: 2,1kg

Weiterführende Infos:
- Cumulus Schlafsäcke
- MSR Zelte
- Wechsel Zelte

Navigation & Kartenmaterial

Vorwärts immer - rückwärts nimmer

Planung im Vorfeld & Nachbereitung
www.motoplaner.de ist meine Waffe der Wahl. Was nicht bereits dran ist, bau ich einfach ein... ;).

Kartenmaterial
Wasserfeste, faltbare Karten von Reise­know­how für die Details und für den groben Über­blick - wo vorhanden - Karten vom ADAC.
GPS & OSM
Garmin 60CSx & Zumo 340 mit freien OSM-Karten. Thomas altes Nokia-Handy mit HERE-Maps.

Weiterführende Infos:
- garmin.openstreetmap.nl
  (OSM-Karten für Garmin)
- www.motoplaner.de
  (Routenplanung & Karten ausdrucken)
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