Kaukasus Motorrad 2012 - Technik

Reise rückblickend bewertet

Reifen

Auf grober Stolle über Stock und Stein - oder auch nicht...

Von insgesamt fünf an der Reise beteiligten Motorrädern waren zwangsweise zwei (Guzzi Stelvio & Tiger 1050) aufgrund ungünstiger Reifengröße mit gerade erst zwei Tage vor Abfahrt erschienenen TKC80 unterwegs (alternativ hätten wir Profil selbst geschnitzt). Tiger 955, F800GS und Africa Twin mit Heidenau K60 Scout.

Derweil alle K60 ohne übermäßige Bedenken (mein 5. Satz auf Africa Twin) bereits in Deutschland montiert wurden, war die Skepsis bei den TKCs gewaltig. Die Profilhöhe wesentlich geringer als bei den K60, die Karkasse dünner, das Gummi insgesamt scheinbar weicher. Guzzi und 1050 bekamen also nur den TKC-Vorderreifen aufgezogen und rollten auf den verbliebenen Straßenpellen bis in die Türkei. Erst kurz vor Georgien wurden auch Stelvio und 1050 mit TKC bestückt was sich alsbald im kleinen Kaukasus als höchst notwendig herausstellen sollte.

Wie schlugen sich nun beide Probanden? Wunder erwarten durfte man weder vom einen noch vom anderen. Beide Reifentypen stellen Kompromisse zwischen Straße und Gelände dar... Überraschungen gab es positiver als auch negativer Natur.
Die K60 Scout könnten nochmal losfahren. Der Vorderreifen könnte die Tour nochmal machen. Alle drei Hinterreifen würden noch eine halbe Tour schaffen. Straße problemlos. Gelände problemlos. Matsch logischerweise vorsichtig. Böse Steinpisten problemlos. Ein Loblied auf die K60! Wir würden - alle 5 - sofort die K60 (wieder) nehmen.

Anders die TKCs. Die Hinterreifen sind nach halber Tour weitgehend hinüber. Profil in der Mitte ziemlich runter. Nach harten Steinpisten Reifen in den zu großen Freiflächen zwischen den Stollen böse Schnitte und Risse (die Guzzi gab an einer Stelle auf der Hälfte der Piste auf. Nicht aufgrund fehlenden fahrerischen Könnens, sondern weil der Reifen nach 15km Steinpiste so schlimm lädiert war). Vorwärtstraktion im Schlamm gut (ein wenig besser vermutlich als bei K60). Dafür aber seitlich null Führung, da die Stollenblöcke Querbrücken bilden und nicht zueinander versetzt stehen. Im Schlamm schmieren die Reifen vergleichsweise unkontrolliert rechts und links (die beiden TKC-Fahrer spielen selbst eher in der Enduro- und MX- Profi- denn Amateur-Liga).

Kurz: Heidenau K60 Scout Top. Conti TKC80 Flop.
k60VR270.jpg k60HR270.jpg

[ Klick vergrößert Bild. Taste N(ext) oder P(revious) für nächstes oder vorheriges Bild. ]

Schmierung

Öl, Staub, Kardan, Endantrieb

Wenn die Kette stöhnt und kracht, dann wär ein Kardan angebracht. Glücklich lächelt in diesem Falle wer Guzzi fährt. Olli könnte sich zurücklehnen, brächte die Stelvio nicht täglich neue Geräusche ins Rennen, die auf Selbstzerstörung schließen lassen.

Hermann und Kai hieven jeden Morgen die Mopeten auf den Hauptständer und rücken der Kette mit Spray auf den Leib.

Thomas fährt einen CLS-Öler und ist irgendwie auch regelmäßig beschäftigt bis er irgendwann den Dreh raus hat.

Mein KÖS-Öler tut problemlos seinen Dienst. Das Endstück muß ich irgendwann nach einem bösen Schlag wieder etwas geradebiegen, damit es nicht am Kettenrad klingelt. Und als mir das Öl ausgeht, kippe ich aus einem ausgedienten GAS-LKW den Rest einer 20W-Ölflasche in den Öler. Ob's genau das auch war? Keine Ahnung. Es schmiert.
Grundlegend kann man die Schmier­gewohnheiten der heimischen Straße mal pauschal ad acta legen. Egal ob Spray oder Öler. Alles darf einen sehr guten Gang hochgeschaltet werden.

Speziell nach den vielen Staub- und Schotterpassagen sieht man von ehemals gut geölt gar nichts mehr. Der Staub saugt das Öl regelrecht auf. Die Ketten laufen ratzbatz trocken. Öler voll aufdrehen oder mit Spray volljacken hilft gar nix. In hundert Metern ist der Spaß Geschichte.

Also warten, bis man wieder moderateres Geläuf erreicht und dann die Öler auf Flutung oder das Spray mit der großen Kelle. Das spült einerseits den ganzen Staub runter. Erst dann wird die Kette wieder geölt.

Einfach regelbare Öler, die man auf Durchlauf bringen kann sind ein Muß. Und daß das Öl nicht ewig halten wird ist in solchen Situationen auch nur zu schnell klar.

Gepäck

Deckel auf, rein & fertig - oder auch nicht...

Aus vorhergehenden Touren hatte sich der Gedanke an eine große, zentrale Alu-Kiste ähnlich einem Topcase kristallisiert. Schwerpunkttechn. hinten und oben Unfug zeigte diese Variante im Verlauf der Reise doch unschlagbare Vorteile gegenüber anderen Gepäckvarianten. Speziell gegenüber zwei Koffern + Rolle an der AT wurden diese Vorteile täglich sichtbar.

Im Boden und Deckel selbst verstärkte billige 70-80L Baumarktkisten stabil am Moppedheck verankert. Oben drauf per Spanngummi, Gepäcknetz oder Rockstraps bei Bedarf Moppedhose, -stiefel, Einkauf schnell festgezurrt. Superfix beim Be- und Entladen. Auf der Bahn weitgehend aus dem Wind und dem Weg. Im Gelände auch nicht problematischer als zwei rechts und links baumelnde Koffer. Gewicht Alukiste verstärkt + Eigenbauträger grob 7kg. Koffer + Träger schnell über 10kg.

Alukiste: 1 Deckel auf, Tasche rausheben - fertig. Koffer: Pfriemeln links. Pfriemeln rechts. Seitliche Luken noch schlimmer als Toplader.
Die Hepco & Becker Junior Koffer an der AT sind viel zu zerklüftet. Packen umständlich und wesentlich langwieriger als bei den Alukisten der anderen. Auf einem schmierigen Weg liegt die AT kurzerhand aus dem Stand. Am linken Koffer sind die drei Niete des Kofferschlosses sofort über den Jordan. Spanngurte und eine Handvoll nette Armenier samt neuer Nieten (danke Armen...;) richten das Problem in Ninotsminda.

Die Moppeds fahren mit zwei kleinen Quicklock-Tankrucksäcken (die Jungs schwören drauf) und dreien von Enduristan. Alle schlagen sich bestens. Bei einem Enduristan reißt innen eine Lasche. Die großen Kartenfächer der Enduristans sind Gold wert.

Kleine Helferlein

Entspannter über die Bahn...

Auf der Tour haben sich mehrere kleine Modifikationen als sehr angenehm erwiesen. Ein paar davon nachfolgend:

Lenkererhöhung
Stehend fahren im Gelände ist zwingend notwendig. Mit Lenkererhöhungen wesentlich angenehmer. Da kann man notfalls auch mal zig km im Stehen...

Gasfeststeller
Wir alle - bis auf die Guzzi - hatten Kaoko Gasfeststeller von Touratech montiert. Ein absoluter Segen auf Autobahn als auch langen Straßenetappen. Das Lenkergewicht der Gashand wird gegen einen Feststeller getauscht. Während der Fahrt dreht man dann ein Rändelrad mit dem der Gasgriff mehr oder minder fixiert werden kann. Wegnehmen des Gases per Hand ist jederzeit problemlos möglich.
Beine lang
Kais 1050 hat klappbare Fußrasten vorn am Motorschutz. Thomas GS hat Polster oben auf dem Sturzbügel. Denny legt die Beine direkt auf den Sturzbügel. Olli auf die Zylinderköpfe seiner Guzzi.

Hauptständerfixierung
Einen alten Schlauch in Ringe geschnitten. Zwei Ringe in einander verschlauft. Eine Schlaufe z.B. um den hinteren Fußrastenausleger, eine um den Hauptständer. Vermeidet im Gelände Geklapper und im Notfall einen schleifenden Ständer bei Federbruch.

Navigation & Kartenmaterial

Wo geht's lang wo woll'n'mer hin

Planung im Vorfeld
Zur Ideenfindung haben wir im Vorfeld u.A. www.motoplaner.de genutzt. Neben Planung ist es auch möglich DIN A4 Landkarten zum Bepinseln auszudrucken.

Nicht unerwähnt bleiben sollte, daß die Google Maps speziell auf dem russ. und teils auch ukrain. Territorium absoluter Müll sind. Die Realität ist so weit entfernt wie der winkende Alf auf Melmak. Die Open Street Maps sind hier - wie auch anderswo - die Wahl der Stunde. Knackig, präzise, genau. Und selbst am Ende der Welt erstaunlich komplett. Ich staune mehrmals unterwegs.

Kartenmaterial
Wir hatten von fast allen Regionen Karten von Reise-Know-How dabei, die sich durch Wasserfestigkeit und wilde Faltbarkeit auszeichnen. Je nach abgedeckter Fläche variiert hier jedoch der Maßstab sehr. Ggf. bekommt man im jeweiligen Land auch gute Karten.
GPS & OSM
Wirklich gute Dienste geleistet haben uns die Open Street Maps in Verbindung mit einem alten Garmin GPSmap 60 CSx. Ob notfalls Navigation, Hotel-, Bank- oder Einkaufsmarkt-Suche - die Karten konnten fast immer helfen.

Unter garmin.openstreetmap.nl kann man sich alle notwendigen Karten selbst zusammenklicken. Alle Karten für unsere gesamte Tour ergaben ca. 750 MB.

Weiterführende Infos:
- garmin.openstreetmap.nl
  (OSM-Karten für Garmin)
- www.motoplaner.de
  (Routenplanung & Karten ausdrucken)
⇒ Weiterlesen ... ⇒ ⇒ ⇒