Kaukasus Motorrad 2012 - Fazit

Rückblick auf eine tolle Zeit (Stand: 2013/02/18)

NOTIZEN

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Aufstellung
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Artikel kaukasisches Bergrecht (Scholl)

Du willst auch?

Motivation es auch zu versuchen

Laß Dich nicht stoppen! Durch nichts und niemanden! Du brauchst keine Vorbereitung. Kein spezielles Equipment. Keine besonderen Kenntnisse.

Vorbereitetes, spezielles Motorrad: Kann durchaus hilfreich sein (und ist auch zu empfehlen, um unterwegs Überraschungen zu vermeiden). Es ist aber nicht zwangsläufig notwendig. Mit Augen zu und durch hätte man auch (fast) alles mit nem Chopper machen können.

Offroad-Fähigkeiten: Absolut nicht notwendig. Wenn man nicht explizit plant, weite Strecken offroad zu fahren, darf man getrost davon ausgehen, daß man primär auf Straßen stark variierender Qualität unterwegs ist. Und die paar Schotter- oder Schlammpassagen... Appetit kommt beim Essen. Man lernt beim Tun. Und generell ist alles halb so schlimm.

Reparaturvermögen: Selbiges entwickelt sich, je mehr man selbst am eigenen Mopped schraubt. Und mit ihm das Selbstvertrauen. Generell ist es absolut sinnvoll einerseits sein Fahrzeug und seine speziellen Schwachstellen zu kennen. Andererseits sollte man eben jene mglst. schon vor der Tour abstellen. Die Radlager könnten kommen? Wechseln! Kette hat schon 10.000 runter? Reifen 2.000? Wechseln!
Wer die Zeit hat, sein Fahrzeug vor einer großen Tour im größeren Stil zu streicheln - tut's. Ihr lernt Euer Fahrzeug kennen. Und ein gut gewartetes Fahrzeug rollt meist länger... meine Tour lief ohne techn. Probleme.

Sprachkenntnisse: Ich habe zwar jahrelang russisch gelernt, kann aber nix mehr. Irgendwie kommt man trotzdem durch. Generell versuche ich immer, die wichtigsten Vokabeln der Zielsprache draufzuhaben - danke, bitte, ... Das gebieten mir Höflichkeit und Respekt gegenüber den Menschen in deren Land ich zu Gast bin. Die Wirkung einiger weniger in versuchter Landessprache dahingenuschelter Sprachfetzchen kann überwältigend positiv ausfallen.

Man kann vieles vorbereiten. Vieles durchdenken und planen. Je besser, desto weniger Überraschungen - vielleicht ;). Viel, viel wichtiger ist aber nur eine einzige Sache: Wirf die Bedenken beiseite (sie werden sich als unbegründet herausstellen). Laß alle Vorurteile sausen (sie sind fast immer haltlos). Laß Dich durch nichts stoppen! Fahr los...

Zurück in Deutschland

Was empfängt Dich

Wir rollen zurück in ein reiches Land. Ein Land mit vergleichsweise perfekten Straßen. Mit Wasser aus Wand und Licht aus Decke. Ein Land, in dem unbewußte Dekadenz genauso ein Wegbegleiter ist wie das tägliche Meckern über alles und jedes. Ein Land, in dem man gleich beim Zurückkommen mit neuen Firmen konfrontiert wird, deren Geschäftsidee es ist, Abmahnanwälte auf Webseitenbetreiber zu hetzen. Ein Land, wo Menschen ihr geputztes Auto teilweise wichtiger zu nehmen scheinen als ein Bierchen mit dem Nachbarn. Als ein Lächeln. Schön, wieder daheim zu sein.

Es darf jedoch jederzeit sofort wieder losgehen. Am liebsten sofort für mehrere Wochen gen Georgien. Weniger nach Rußland. Aber überall hin wo weg... ;)
Deutschland - auch wenn vieles im Laufe der letzten Dekade scheinbar oder teilweise auch realistisch schlechter, teurer, blablabla wurde - hat insgesamt einen Stand, von dem viele andere Länder nur träumen können. Einen Grad an durch uns gar nicht mehr wahrgenommenem alltäglichen Luxus, der andere nur in Staunen versetzen würde.

Toiletten mit Wasserspülung, autom. warmes Wasser, meist Straßen ohne Löcher (definitiv können keine Kinder beim Spielen drin verschwinden...), viele Autos der 1. und 2. Generation. Und herausgegriffen ein extrem prägnanter Punkt: Motorräder! Die gab es in vielen Ländern unserer Tour nicht. Vielleicht mal eine alte Ish. Zwei MZ. Aber große Moppeds? Luxus! Damit fällt man auf im fernen Osten.


PS: Georgier lachen sich kaputt, wenn man nach KFZ-Haftpflichtversicherung fragt. Überhaupt nach Versicherung. Hä?! Sinnloses Zeug! Braucht kein Mensch...

Zurück in Deutschland II

Was empfängt Dich

Seid Ihr verrückt?!? So eine gefährliche Reise...!

Da muß ich doch noch mal schwinne auf breiter Ebene aufräumen: Wo werden Fahrzeuge, Handtaschen, Gepäck und Hokuspokus geklaut? Jedenfalls nicht im fernen Osten! Jedes westeuropäische, "hochzivilisierte", menschlich hoch- individualisierte Land ist für Diebstahl und Gewalttaten wesentlich prädestinierter als alles, was wir unterwegs erlebt haben.

Wo werden sich logischerweise Leute auf das Abnehmen von Begehrlichkeiten spezialisieren? Bei logischer Betrachtung dort, wo das Angebot vorhanden ist. In den monetär "reicheren" Ländern. Und in den Gegenden, wo deren Urlauber ihre Patte pauschal zu verprassen gedenken. Ich zumindest würde nur dort ein Krimineller werden... ;)
An dieser Reise war nichts gefährlich. Aber auch gar nichts. Maximal, daß man seine eigene Sichtweise so stark gegenkorrigiert, das erlebte so stark reflekiert, daß man mit dem Bekannten nicht mehr 100%ig konform gehen kann.

Die selbstlose Herzlichkeit der Menschen haben wir Bewohner vermeintlich "höher entwickelter" Länder zugunsten des schnöden Mammons verlernt. Daß Menschen letztendlich von Menschlichkeit abhängig sind, wird hoffentlich aber auch in unseren Gefilden nicht jeder final vergessen. Ladet doch einfach mal wildfremde Menschen zu Euch nach Hause ein. Tagelang. Schenkt Ihnen auf der Straße ohne Gegenleistung eine Flasche Wein. Oder vielleicht als ersten Schritt einfach ein kleines Lächeln...

Fazit

Ein positiver Rückblick

Was bleibt hängen? Na als erstes die Menschen. Das geht aus den vorherigen Texten sicher unweigerlich hervor. Ihre Herzlichkeit. Die Freude. Die Freundlichkeit.

Punkt zwei: Wir waren zu schnell! Zu wenig Zeit. Zu wenig Zeit, um alles abzuklappern, was wir uns vorgenommen hatten. Aber viel wichtiger noch: Zu wenig Zeit, um mehr zu sehen. Tiefer in die zweite und dritte Reihe zu blicken. Ein Ort braucht Zeit, wenn man ihn kennenlernen will. You've not been there, mate. You've shitfucking bloody been through, sixtoe! Naja - nächstes Mal...

Die von vielen Völkern gern mal belachte dt. Regeltreue... nunja... die ist nach einer solchen Tour erstmal - wie soll ich sagen? Man wird toleranter. Regeltoleranter. Erlaubt ist, was niemandem schadet. Optimal ist, was für Dich und Dein Gegenüber das jeweils bestmögliche Ergebnis liefert... :)
Pragmatismus: Scheiß auf schön! Gut ist, was funktioniert. Und wenn in Australien im Busch ein Baumstamm eine gebrochene Hinterachse schient, damit der Wagen noch 500km fährt... Lacht Ihr nur über meine dreckige Panzertape- & Kabelbinderbutze... die fährt noch, wenn Dein 2x-im-Jahr-am-Wochenende-Hochglanzbienchen bereits die Kolben für ein Halleluja gestreckt hat.

Wachsen lassen uns weniger die bekannten, bereits gelösten Probleme als vielmehr das Unvorhersehbare, das Neue, das Unausweichliche.

Herzlich willkommen im Kaukasus Express. In DEINEM Kaukasus Express. Dich erwarten hohe Berge, freundliche Menschen, fremde Kulturen, exotische Orte, verrückte Erlebnisse.

Pack nicht lange. Fahr einfach los...
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DR

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