Kaukasus Motorrad 2012 - Anreise-Etappe

Auf flinken Sohlen per Motorrad durch Europa (Stand: 2015/04/28)

Anreise durch Europa gen Georgien

Länderhopping auf Speed

Twin auf Paßhöhe in Georgien
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Tagesetappen Anreise
- Tag 1, 12.08.12, 905km (Ungarn)
- Tag 2, 13.08.12, 556km (Serbien)
- Tag 3, 14.08.12, 418km (Bulgarien)
- Tag 4, 15.08.12, 391km (Griechenland)
- Tag 5, 16.08.12, 639km (Türkei)
- Tag 6, 17.08.12, 646km (Türkei)
- Tag 7, 18.08.12, 542km (Georgien)








Im ersten Teil der Reise gilt es zügig Richtung Georgien zu kommen. Zwischendrin sollte auch mal die ein oder andere kleine Straße einfließen, damit es nicht zu dröge wird. Bei absolut konsequentem Durchziehen hätte man vermutlich einen Tag herausfahren können.

Entsprechend mager fällt die Ausbeute an Fotos und Information für diesen ersten Teil der Reise aus...

Soviel vornweg: Wir werden hintenraus massivst kürzen müssen. Erstens kommt's anders und zweitens als man denkt.

Deutschland, Tschechien, Ungarn

Einfach nur vorwärts

6:00 Uhr Abfahrt im Harz. So war es geplant. Irgendwie wird es 6:45 Uhr. Nach vier Stunden Harzhochstraße und Autobahn fällt Kai auf, daß er sein Geschäftshandy hat liegenlassen. Panik bricht aus. Zumindest bei ihm. Die Restmannschaft schmunzelt und bietet das jeweils eigene Handy als Ersatz an. Nunja - er wird es in der Slowakei in seinem Handschuh wiederfinden...

Mit steten 130 km/h zieht die Welt dahin. Es purzeln Dresden, Prag, Brno & Bratislava. Unser Ziel ist die Gegend um den Plattensee. Den Balaton selbst wollen wir aber aufgrund hoher Preise und überfüllter Hotels meiden.
Die kostenlosen Open Street Map Karten im alten Garmin GPS sollen uns auf unserer Reise noch das ein oder andere Mal hilfreich unter die Arme greifen. So auch heute - führen sie uns doch relativ zügig zu einer Unterkunft.

Zum Ausklang des Tages noch ein schönes landestypisches Kneipchen, gute ungarische Küche, ein kühles Bierchen...

Das einzige Restaurant in der Nähe schwenkt jedoch die weiß-blaue Fahne. Wir sind beim vermutlich einzigen Bayern Ungarns gelandet...

Serbien, Bulgarien

Maut, Moschee und EU-Fördermittel

Nachdem ich in meiner Hühnersuppe einen schmucken Hühnerfuß gefunden habe - E.T. läßt grüßen, passieren wir die Grenze zu Serbien. Sofort fallen die Menschen auf, die in den kleinen Örtchen hinter der Grenze in urgemütlichen Kneipen im Schatten der Bäume sitzen. Wären wir nicht auf der Flucht - ich würde gern bleiben...

Durch Tschechien fahren Moppeds über die Autobahnen gebührenfrei. In Serbien jedoch schlägt die Maut zu. Es soll nicht das letzte Land sein. Einer zahlt für alle.

In Bulgarien stoßen wir auf erste Moscheen. Wir düsen durch Rila- und Pirin-Gebirge. In den Bergen verdienen Leute ihr Einkommen mit Schiefer-Klopfen. Denkt mal an die hämmernden Kinder wenn Ihr Euch das nächste Mal Schiefer-Schindeln auf's Dach legt...

Südlich von Zlatograd toben offensichtlich böse Gewitter. Wir entschließen uns, den weiter östlich eingezeichneten Grenzübergang nach Griechenland zu nutzen. Dort jedoch erwartet uns eine Überraschung.
Die erste wirklich perfekte Straße in Bulgarien - es könnte fast eine Autobahn sein - führt direkt zur Grenze. Große Schilder preisen das hehre EU-Projekt. Merkwürdigerweise befahren diesen perfekten Asphalt keine Fahrzeuge. Wir umkreisen nur Kühe und ganze Seen ihrer Stoffwechselendprodukte.

Und siehe da: An der Grenze weisen uns zwei bulgarische Grenzer in ihrem provisorischen Geländewagen-Grenzhüttchen darauf hin, daß wir umdrehen müssen. Die perfekte Kuhfladen-Grenz-Autobahn mit EU-Förderung geht exakt bis zur Grenze. Nur dahinter ... nunja ... da is halt nix weiter. Nada, niente, nitschewo. Eine perfekte Straße für den Kuhfladen.

Der Paß auf dem Rückweg nordwestlich von Kirkovo und die Grenzstraße zwischen Zlatograd und Xanthi entschädigen aber für den Umweg. Und herzlich gelacht haben wir über die Kuhfladen-Autobahn natürlich auch. Sogar zusammen mit den bulg. Grenzern...

Griechenland, Türkei

Grenze, Duftbaum, Trallala...

Griechenland zieht unspektakulär vorbei. Das Leben in den Tabernas beginnt spät. Zwei Polizistinnen, die stundenlang aus Langeweile mit Blaulicht im Ort hin und herfahren, finden uns tatsächlich auch mitten in einem kleinen Wäldchen am Meer. Als sie mit 2-fach männlicher Verstärkung zurückkommen, bleibt ihnen kaum mehr als "Zelten hier verboten. Naja, wir drücken mal ein Auge zu. Gute Nacht..." Der Wagen war voll. Wir genaugenommen auch...

Nu aber Schluß mit schönen Worten! Türkei! Hier wird an der Grenze endlich auch mal vernünftig böse gekuckt. Hier wird man ordentlich hin und her geschickt. Und hier zappelt jetzt auch mal jemand zünftig mit der Maschinenpistole durch die Gegend. Zeit wurd's...

Daß gerade hier meine extra georderte grüne Karte mit RUS-Kennzeichnung auf einmal schlackernde Knien bekommt, freut den hämischen Kollegen hinter der Spiegelglasscheibe. Er fletscht die Zähne und ich gehe mir nebenan am Schalter für knapp 25 EUR eine 4-Tages-Versicherung für die Türkei kaufen. Auf meiner Karte ist alles drauf. Russland, sogar Ukraine und Moldavien. Nur TR nicht. Sok teshekür ederim...

Die Strecke Edirne - Istanbul meiden wir. Alternativ kommt die Fähre von Gelibolu nach Cardak in Frage. Ein türk. Trucker bestätigt uns die Richtigkeit dieser Entscheidung als er von einspuriger Baustelle und acht Stunden Wartezeit am Bosporus spricht.
Die Dunkelheit ist bereits hereingebrochen in Gölpazari - das erhoffte Hotel bleibt aus. Wir irren durch die Straßen. Es ist Ramadan und die Geschäfte öffnen gerade wieder. Wir wollen uns wappnen für eine zu späte Suche nach einem Campingplatz im Grünen als wir von der Straße weggefangen und zu Tee eingeladen werden. Fünf weitere Stühle werden herangerückt. Wir sitzen zwischen anderen Männern des Dorfes. Es herrscht eine merkwürdige Vertrautheit.

Ein herbeigerufener Pensionsbesitzer scheitert - wie wir - an der Sprachbarriere. Auf einmal Kieler Dialekt! Mustafa quetscht einen hier unglaublichen norddeutschen Slang durch die Lippen! Der Vermieter fordert einen frechen Preis. Letztendlich landen wir hinter der Scheune von Mustafas Schwager. Und trotz Ramadan und Moschee nebenan ergötzen wir uns an einem gemeinsamen Mahl samt Hopfenzauber.

Strafe muß sein. Gegen 4:30, vielleicht 5:00 - zumindest weit vor den ersten Hähnen - weckt der Muezzin von der keine hundert Meter entfernten Moschee. Unsere als Dach gespannte Plane hilft irgendwie herzlich wenig. Der Schall täuscht links an und kommt dann von hinten. Alles steht senkrecht.

Man verzeihe mir folgenden Gedanken. Mehrfach beim Durchfahren der Türkei erwische ich mich wie ich die unzähligen Minarette mit Silvester assoziiere und mir vorstelle wie auf Knopfdruck alle Raketen landesweit zeitgleich starten. Die Bauten sind in ihrer Vielzahl nicht zu übersehen.

Bilder Anreise-Etappe

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