Iran per Motorrad 2013 - Vorbereitungen

Visa, Carnet & Co.

oder Das Kleingedruckte...

Der Plan: Über Land von Tag zu Tag gen Iran. Falls Zeit und spontane Eingebung es zulassen, aus dem Iran raus über Armenien und Georgien und dann auf eigener Achse wieder heim. Gut 15.000km. Gut 4 Wochen Zeit. Knappes Pensum, aber machbar.

Visum
Für den Iran benötigt man ein Visum. Der Ablauf gestaltet sich grob wie folgt: Schritt 1 Beantragung einer Visa-Referenznr. Wird selbige durch die entsprechende iranische Behörde erteilt, kann man das Visum selbst beantragen.

Wir überlassen das Prozedere einem Fachmann. Hr. Lehnig von visa-direct.de hilft schnell, freundlich und unkompliziert. Bei persönlicher Visa-Abholung in Berlin halten wir noch ein nettes Schwätzchen und ich überreiche 145 EUR für Visum und Bearbeitung.

Carnet de Passage
Manche Länder fordern bei Einfuhr von Fahrzeugen eine Verzollung selbiger oder eine entsprechende Sicherheitsleistung, die garantiert, daß das nicht-verzollte Fahrzeug wieder aus dem Land ausgeführt wird. Eine solche Sicherheit stellt das s.g. Carnet de Passage dar.

Das Carnet wird in Dtl. beispielsweise vom ADAC ausgestellt. Je nach Fahrzeugtyp und Zielland wird für das ein Jahr gültige Carnet ein Sicherheitsbetrag hinterlegt. Für Motorräder üblicherweise 1.500 EUR. Für spezielle Länder wie den Iran 3.000 EUR. Hinzukommen Antrags-/Portogebühren von 198,50/298,50 EUR (ADAC-Mitglieder/Nicht-Mitglieder -> ein ggf. vorheriger Eintritt in eine ADAC Plus Mitgliedschaft lohnt sich allemal).
Im Carnet befinden sich 25 Blätter jeweils in einer horizontalen Dreiteilung. Im oberen Drittel wird bei Einreise als auch Ausreise gestempelt. Das untere Drittel wird bei Einreise ausgefüllt und vom Zoll abgerissen. Das mittlere Drittel bei Ausreise. Pro erledigtem Land sollte folglich nur das ausgefüllte obere Drittel erhalten bleiben. Nähere Infos dazu beim ADAC.

Dokumente
Wir werden üblicherweise außerhalb Europas Reisepaß, Fahrzeugschein und die grüne Versicherungskarte benötigen. Im Iran zusätzlich das Carnet. Der internationale Führerschein wird nie verlangt - könnte im Ernstfall aber vielleicht notwendig werden.

Versicherungen
Ich habe im Vorfeld meine alte Versicherung gekündigt und bin zur DEVK gewechselt. Warum? Bei identischem Preis hat die DEVK auf der Grünen Karte KEIN einziges Land ausgeschlossen. Iran als auch Türkei sind abgedeckt. Andere Versicherungen haben dort Einschränkungen - selbst, wenn TR markiert ist, sollte man sich erkundigen, ob damit nicht nur der europ. Teil westl. des Bospurus eingeschlossen ist. Generell: Ist das jeweilige Land bei Grenzübertritt nicht in der grünen Karte heißt es Zusatzversicherung ziehen. Das kann sich im worst case schnell zur Höhe des heimischen Jahresbeitrags kumulieren.

Wir alle haben eine Aus­lands­kranken­versicherung abgeschlossen und durch das Carnet auch eine ADAC Plus Mitgliedschaft inkl. Rücktransport für Mann, Maus und Fahrzeug. Wir werden sie auf dieser Reise in Anspruch nehmen...

Weiterführende Infos:
- visa-direct.de
- Carnet beim ADAC

Motorräder & Kleidung

Das täglich Werkzeug für 4 Wochen

Motorrad-Vorbereitung
Was Du kannst im Vorfeld tun, läßt auf der Reis' Dich besser ruh'n...

Vor der Tour zerlege ich meine Twin komplett. Kerzen, Ventile, Synchronisation, Öl, Kühlflüssigkeit, neue Kupplung, neue Bremsbeläge, neue Reifen, Kontrolle Radlager, bla, bla, bla. Lediglich ein Punkt meiner Todo-Liste bleibt offen: Wechsel Bremsflüssigkeit - da vor Kurzem erst gemacht. Jetzt im Nachhinein frag ich mich, was der Quatsch sollte. Als bei Abfahrt vom 3.200m hohen Salambar-Paß meine hintere Bremse den Dienst quittiert, bekomme ich ausreichend Zeit über den fehlenden Haken auf der Liste nachzudenken...

Unabhängig davon bekommt meine Twin jetzt auch eine zentrale Kiste. Der Lenker wird stillgelegt. Und die neuen Klappspiegel müssen aufgrund falscher Adapter dann doch daheimbleiben (ich werde später 5.000km nur mit einem rechten Spiegel heimfahren - Schulterblick löst den Fall).

Helm
Vier von fünf Mitfahrern steigen aufgrund des großen Sichtfeldes vor der Tour auf den Nolan N44 um. Die Entscheidung wird niemand bereuen. Während der Tour kristallisieren sich verschiedene Tendenzen heraus: Die einen haben aus Schutzgründen immer das Visier montiert. Ich fahre bald nur noch mit Sonnenschirm - was mir einen Bienenstich, Regentrommelfeuer und frische Luft ohne Ende beschert. Frage mich, wie ich je so eine Tour mit winzigem Sehfeld fahren konnte...
Bekleidungswahl
Bzgl. Gewichtseinsparung sind wir einer Meinung. Bei der Klamottierung gehen die Meinungen auseinander: Thomas läßt Motorradhose und Stiefel gleich daheim und meint, er würde beides eh nur als unsinnigen Ballast herumfahren sobald es warm wird. Er wird recht behalten. Meine Stiefel und Hose werden mir durchweg als 4,5kg Zu­satz­gewicht, Platzwegnehmer & Pack­ent­schleu­niger dienen.

Handschuhe werden wir alle weitestgehend nur spazierenfahren. Motorradjacken werden mehr oder minder - je nach Witterung - tragen. Witzigerweise laufen wir alle mit Engelbert Strauß Arbeitshosen auf. Bei Hitze werden wir dazu Turnschuhe und T-Shirt tragen.

Thema Sicherheit
Das Thema fehlende Protektion ohne Motorrad-Jacke, -hose, -stiefel und -hand­schuh läßt sich nicht wegdiskutieren. Ablegen, umfallen und Schürfwunden etc. sind schnell realisiert.

Kommt es jedoch aufgrund hoher Protektion zum Hitzestau und damit Kon­zen­tra­tions­verlust, provoziert man im worst case überhaupt erst Probleme. Weiterhin sehen wir mit Helm und max. Motorradjacke in vielen Ländern aus wie Aliens. Speziell im Iran scheren sich die Unmengen an Mopped-/Motorrädchenfahrer nicht im Ge­ring­sten um Sicherheit.
500_Foto0372.jpg 500_Foto0375.jpg 500_Foto0392.jpg

[ Klick vergrößert Bild. Taste N(ext) oder P(revious) für nächstes oder vorheriges Bild. ]

⇒ Zur nächsten Seite ... ⇒ ⇒ ⇒