Iran per Motorrad 2013 - Anreise-Etappe

Im Tango-Schritt 1, 2, hopp durch Europa (Stand: 2014/10/23)

Anreise Europa quer gen Iran

Ein, zwei, drei im Sauseschritt

Twin östlich Kayseri (Türkei) nach 3-Schuß-Nacht
Moppet östlich Kayseri (Türkei)

Tagesetappen Anreise
- Tag 1, 01.08.2013, 805km (Ungarn)
- Tag 2, 02.08.2013, 600km (Serbien)
- Tag 3, 03.08.2013, 365km (Bulgarien)
- Tag 4, 04.08.2013, 330km (Griechenland)
- Tag 5, 05.08.2013, 218km (Türkei)
- Tag 6, 06.08.2013, 582km (Türkei)
- Tag 7, 07.08.2013, 558km (Türkei)
- Tag 8, 08.08.2013, 626km (Türkei)
- Tag 9, 09.08.2013, 415km (Türkei)

Routen noch nicht verlinkt



Auf gen Iran! Das Land, was so unglaublich falsch und vorurteilsbehaftet bewertet wird.

Wir pfeiffen durch Tschechien, Slowakei, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Griechenland & Türkei, um den Iran zu erreichen. Passieren Osteuropa, landen im Ramadan, begleiten Kurden im Zuckerfest, werden vom türkischen Militär in den Kurdengebieten ge­stoppt.

Schon die Anreise wird ein Spaß - auch wenn wir uns nicht allzuviel Zeit nehmen können.

Der Weg ist das Ziel. Die Menschen überall eine Wucht. Mal wieder kommt's erstens anders und zweitens als man denkt.

Runde 2 im Kaukasus Express

Los geht's

Neue Runde, neues Glück. Zum heutigen Spiel findet sich die Mannschaft in alter Auf­stellung ein. Im Sturm gibt es eine Neu­be­setzung: Offensivspieler O. aus Q. ist unpäßlich und kann nicht zum Turnier an­tre­ten. An seiner statt tritt an M. aus B. - auch in Stür­mer­position.

Offensivspieler K. aus H. wird sich während des Spiels vermehrt heimlich in die Abwehr schummeln und den Gegner auf Höhe Tor­wart T. aus. B. in die Irre führen derweil T. un­er­wartet den Sturm übernimmt.

Die Mannschaft ist da. Also kann es ja losgehen zu einer neuen Runde im Kaukasus Express. Wieder warten ferne Länder, hohe Berge, unheimlich herzliche Menschen, Freundlichkeit, Asphalt, Staub und Schlamm.
Startaufstellung vor der Tour
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Los geht's auf eine neue gemeinsame Tour. Doch wo bleibt der Torwart? Kollege T. aus B. kommt tatsächlich zu spät, um hernach vorzugeben, es läge am vergessenen Vor­hängeschloß (er wird es nie wirklich benötigen).

Alle da? Los geht's...

Belgrad Rodeo

Serbien auf Speed

Tschechien, Slowakei und Ungarn sind passiert. Dieses Jahr keine Hühnerfüße in der Suppe. Kein Handy vergessen. Auf gen Ser­bien!

Erster Stop: Subotica. Eine wunderschöne Stadt. Überall alt­ehr­würdige Gebäude. Un­men­gen an Straßencafes - gut gefüllt - unter dem Blätterdach großer Bäume. Toll!

Und jetzt geht's grob gen Belgrad. Ups - Abfahrt verpaßt! Ok - nicht M1. Wir fahren die südliche Umgehung. Genauso weit. Bestimmt zackig. Doch weit gefehlt.

Die südliche Umgehung ist brechend voll. Stau. Kilometerweit. Es geht bergab. Ewige Linkskurve. Da steht ja alles! Bloody hell!

Wozu haben wir Zweiräder? Galle! Guppi! Auf geht's! Und kucke da... im wilden Vor­bei­schlängelvorgang sehen wir einen serbischen Moppedfahrer. Der treibt's noch wilder als wir! Dran­bleiben.
Was wir nicht wissen: Kollesch Druffgänger ist Motorradpolizist... Wir hinnedran.

Er reißt uns nicht den Kopf ab. Im Gegenteil. Er wird uns zweimal einholen. Glück gehabt.

Was uns hier rings um Belgrad ganz besonders auffällt: Wo sind die ein­hei­mischen SRB-Kennzeichen? Streicht man jedes D, ist die Straße zu 50% geleert. Dann jedes F und es bleibt kaum noch ein Fahrzeug über. Der schweizer Jaguar macht den Topf nicht mehr voll. Der Q7 mit Blinker links aus Österreich auch nicht. Sind grad Ferien in Westeuropa? Besuch in der Heimat?

Daß diese Annahme korrekt ist, werden wir spätestens an der türkischen Grenze in einem wahnsinnigen Ansturm auf einen Schalter feststellen. Der Ramadan endet bald...

Wäschetrocknen in Xanthi

Gips auf Griechisch

Asphalt. Eine leichte Delle. Knapp oberhalb Schritt­geschwindigkeit. Vorderrad verliert Trak­­tion. Bautz. Einen unserer Kämpen hat's ent­schärft.

Der abgebrochene, feststehende Schaltknauf wird gleich nebenan in einer Werkstatt wieder festimprovisiert (vermutlich war er original nie so gut wie danach). Der Motorschutzbügel mit bloßer Gewalt und langem Hebel vom Tank weg­ge­bogen. Operation geglückt. Maschine heil.

Beim Kämpen sieht es anders aus. Wir tippen auf Bänderdehnung. Im Krankenhaus in Xanthi stellt sich jedoch heraus, daß die Reise hier endet. Der Unterschenkel ist ge­bro­chen.

Einer schiebt den Probanden in einem Aus­hilfs­rollstuhl von A nach B und dolmetscht. Der andere hält die Verbindung zur Außenwelt der draußen wartenden Kollegen und kon­tak­tiert auf Zuruf den ADAC.

Genaugenommen klappt alles bestens. Wir kommen im Krankenhaus sofort dran. Scheinbar werden wir mit höchster Prio ohne Nachfrage durchgewunken. Alles läuft un­kom­pliziert. Gips druff. Ein, zwei grobe Scherzchen seitens des Arztes. Der Proband verdreht die Augen bei meiner Übersetzung. Arzt lacht. Fertig. Raus. Achja - Fuß nicht aufstellen. Äh... Krücke? Klar. 15km ins Stadtzentrum. Dort gibt's nen Sani-Laden. Dort kann man Krücken kaufen. Die Freundlichkeit des Doktors kann nicht über die Details hin­weg­täuschen. Der Sparzwang schlägt hier allenorts hart zu. (siehe Beitrag von fm4.orf.at "Arbeit ohne Lohn")

Wir verbringen gemeinsam einen herrlichen Tag unterm Vordach des Krankenhauses, arbeiten wäschetrocknend und Leute be­gaffend an unserem Image Marke Lumpen­hund und warten darauf, daß der ADAC Transporter für Mopped und Proband vor­bei­schickt.
Nachmittags kommt der Doc von seiner Schicht, reißt noch ein, zwei herbe Scherzchen und dann tauchen auch bald - gefühlte zwei Tage später - Abschlepper und Taxi aus der Gluthitze auf.

Gips in Griechenland
Gips in Griechenland

Die Mopete wird festgezurrt. Der Proband mit zwei, drei markigen Sprüchen ins Taxi geschubst. Wer den Ärger hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Beide sollen - ADAC Plus sei Dank - problemlos gen Heimat zurückkehren. Gute Besserung, Kämpe!
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Türkisches Grenzgeflüster

... oder Pizza, Pasta, basta

Und dann geht's ab! Das wird ein Spaß! Doch be­gin­nen wir am Anfang...

Türkische Grenze. Bullenhitze. Unmengen an Fahrzeugen. Es müssen Ferien sein. Der erste Zöllner stoppt zwei PKWs und winkt uns lächelnd durch.

Stau an türkischer Grenze
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Station eins wird absolviert und dann Schlaaaange. Kein Problem. Helm, Jacke, etc. hängen längst leger hinten an der Kiste. Rechts neben der Schlange ist genug Platz, um langsam vorbeizuzuckeln. Kampf­erfahrung aus Jahren des Grenzepassierens. Und dann passiert's!

Links in der Schlange der wartenden PKWs stehen zwei maximal bepackte italienische Mo­tor­räder besetzt mit je zwei Päärchen. Die Moppedkollegen aus dem Land der Bei-Rot-Eiskalt-In-Die-Einbahn-Straße-Einfahrer tragen Vollmontur. Schwere Hose und Jacke. Stiefel. Handschuhe. Helm. Bei jedem Zuckeln der Schlange werfen sie den Motor an und rollen 40cm vorwärts. Sie stehen garantiert seit Stun­den. Schwitzend. Genervt. Fertig.
Und dann kommt Thomas... freundlich grü­ßend rollt er gemütlich rechts an der Schlan­ge vorbei im T-Shirt neben sie. Zu diesem Zeitpunkt sind sie vermutlich noch sprachlos. Doch dann begeht er einen folgenschweren Fehler, der zwangsläufig jedwede Form von Nudel - insbesondere Spaghetti - aus dem Kochtopf quellen läßt:

Das Zöllnerfenster wird frei. Die Italiener reagieren nicht. Also stellt Thomas locker das Mopped ab, geht zum Fenster, reicht seine Papiere rein - und ist fertig genau drei Sekunden, bevor die Jungens schwitzend ihre Bude vor den Schalter gefahren haben.

Alles easy? Weit gefehlt... Albano und spe­ziell Romina brechen ein Feuerwerk los, das in der Türkei lange wird seines gleichen suchen müssen. Sie werden schreien und kra­kelen. Sie werden andere Wartende versuchen zum Lynchmob zu animieren. Sie werden Zöllner versuchen gegen uns auf­zu­hetzen. Sie - vor allem Romina - werden wiederholt versuchen, Thomas (der ihr Eng­lisch kaum versteht ;) in Mo­ral­predigten zu verstricken. Selbst Albano ver­dreht irgend­wann die Augen...

Zwischenzeitlich sind sie übrigens abge­stiegen. Haben Helm, Handschuhe und Jacke abgelegt und schieben ihr Motorrad - ähnlich wie wir.

Und die Moral von der Geschicht? Hinter Hütte zwei - Ort des Massakers - beginnt Schlange drei. Und wer fährt erstmal rechts an einigen PKWs vorbei, um sich weiter vorn im T-Shirt einzureihen nachdem er Mord und Zetrio geschrien und uns nur knapp hat an Teer und Federn vorbeiziehen lassen? Genau. Hoch lebe das Bei-Rot-Eiskalt-In-Die-Einbahn-Straße-Einfahren...

Türkei

Bürgermeister mit Rundumleuchte

Wir fahren durch das türkische Inland. Es ist spät geworden heute. Wir wurden mit irgendwas zwischen 99 und 109 geblitzt (90 erlaubt - es wird auf die nächsthöhere 9 aufgerundet) derweil ein weißer BMW mit locker 130 an uns vorbeizog. Die Strafe - 166 Lira, 124 bei Zahlung innerhalb 14 Tagen - soll man bei Post und Bank bezahlen können. Die wissen nix davon und verweisen uns ans Amt.

Die wissen aber auch nichts. Und so wird es einen halben Tag kosten, dem Amtsleiter beim höflich zusammengekratzten Rest­deutsch von vor 30 Jahren zuzuhören derweil seine Kollegen versuchen, die Abläufe zu recherchieren.

Naja - irgendwann sind wir raus. Wer wollte nochmal so früh wie möglich im Iran an­kommen?

Es wird spät und so ist es wider Vernunft bereits dunkel als wir in einem kleinen Örtchen ankommen. Und siehe da: Eine kleine Gartenkneipe. Wollen wir dort einfach mal fragen, ob wir unser Zelt aufbauen dürfen?

Wir werden herzlichst empfangen. Klar dürft ihr. Wenn ihr wollt, könnt ihr sogar im Gebäude schlafen. Wir lassen aus­nahms­weise extra für Euch alles offen (Laden inkl. Lager in dem wir schlafen können damit wir kein Zelt aufbauen müssen - werden wir aber). Aber eßt doch erstmal. Und hier ist was zu trinken - geht auf's Haus.

Gesagt. Getan. Womit jedoch keiner von uns rechnete: Es wird immer voller. Bald brummt der ganze Garten nur so vor Menschen. Das ganze Dorf scheint zu kommen.

An unserem Tisch sitzen auf einmal zwei Herren mit Handtäschchen. Einer fragt dieses und jenes. Plötzlich tschüß - und fort sind sie.
Thomas haut ab und baut zwischen den Besucherpavillions sein Zelt auf. Wir hadern. Unmengen an Menschen überall. Aber wir sind schlagalle.

Thomas mit dem freundlichen Besitzer
Thomas mit dem freundlichen Besitzer

Grade als auch ich fix und alle leicht genervt mein Zelt aufbauen will, kommt Kollege Handtasche auf mich zu: Wir haben da ein Problem. Hä?! Was denn für'n Problem? Chef sagt nix Problem. Also wo Problem?

Ich bin hier Bürgermeister und muß über alles bescheidwissen. Ihr könnt hier nicht einfach schlafen. Gendarmerie usw. bla blü blabla.

Ich hole meinen Paß. Gebe Geburtsdatum von Mutter und Vater. Bete die halbe FAZ herunter und kann dann irgendwann total ent­nervt & müde endlich gehen.

Maik: Was wollte der denn? Ich erzähle genervt Story. Er: Haste den Junken vorhin nicht gesehen, der Grimassen geschnitten hat, daß der Bürgermeister nicht ganz wacker ist?

Lacht. Und geht schlafen...
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Schüsse in der Nacht - Türkei II

... oder Licht aus - Show an

DAS ist mal Qualitätsarbeit! Zwei zeitgleich eingebaute Glühbirnen fallen mit drei Tagen Abstand aus. Jeder Industriedesigner würde sich beim Thema geplante Obsoleszens die Finger lecken. Chapeau liebe Macher bei Phillips! Ein ingenieur-technisches Meister­werk.

Nun bin ich aber ein leichtgläubiger Träumer. Fahre drei Tage mit kaputter rechter Birne - den Gedanken, sie wechseln zu müssen, jeden Abend bei Eintritt der Dunkelheit im Kopf.

Wir rollen kurz vor finaler Dunkelheit durch Kayseri als mir auffällt, daß meine linke Birne sporadische Aussetzer hat. Noch ein Ki­lo­meterchen und meine Front trägt doppel­dun­kel.

Ich habe das GPS. Thomas das Licht. Also klemme ich mich halbrechts hinter ihn und gebe notfalls Anweisungen. Wir entscheiden östlich der Stadt, nun, wo es dunkel ist, einfach noch ein paar Meter zu fahren. Es ist eh zu spät. Also Jacke zu - es ist kalt ge­wor­den - und weiter in die Nacht.

Wir ziehen mit 70-80 dahin. Wann immer sinnvoll, rücke ich neben Thomas und schalte mein Doppel-Fernlicht ein. Wir machen noch­mal Meter. Irgendwann ist aber auch dies genug und wir biegen rechts in ein Dorf ab.

Vor den rumpeligen Schotterpassagen halte ich kurz an und klemm mir meine Zweibrüder H7 Stirnlampe vor den Helm.
Das Dorf wird durchfahren. Ein Stück weiter passieren wir ein Haus und halten ir­gend­wann im Nichts an, um uns di­rek­ta­mente auf's Ohr zu hauen. Die Rechnung haben wir allerdings ohne den Bauern gemacht...

Bumm, bumm, bumm. Drei Schüsse?!? Die Hälfte der Mannschaft wird unruhig. Der Rest stimmt für Ablegen.

Wir werden gleich Besuch vom Bauern per­sönlich bekommen. Nach Klärung der Lage werden wir von ihm eingesackt und ins traute Heim eingeladen - zwei verweigern und gehen schlafen.

Wir werden mit ihm und seiner Frau schwatzen mit Händen und Füßen. Tee trinken. Brot und Käse essen. Fotos mit ihrem Android-Tablet machen. Alles sehr herzlich. Die Schüsse aus seinem stolz vorgezeigten Repetierer tür­kischer Pro­duk­tion vergessen.

Schnarcht ihr nur, Freunde. Morgen früh wacht ihr in einer Schafherde auf... geweckt durch den Gesang des Muezzins, der den Ramadan beendet.

Weiterführende Infos:
- Städte:
  Bursa, Eskisehir, Aksaray, Göreme, Kayseri
- Besonderheiten:
  Tuz Gölü, Kappadokien, Erciyes Dagi
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Rängtängtäng

... oder per Zweitakt-Rakete gen Nachtruhe

Die Vernunft ist im Sack. Wir fahren wieder bei Dunkelheit. Nuja. Wat mutt, dat mutt.

Vor uns plötzlich helles Leuchten. Disko auf zwei Rädern?

Leuchtmopped mit mächtig Feuer
Leuchtmopped mit mächtig Feuer
Beim Näherkommen erkennen wir zwei Jungens - Jeans, Sandalen, T-Shirt - auf einem hell-erleuchteten Mopped. Das hintere Radhaus trägt weiße Lichterketten. Buntibunti ringsum. Der Asphalt ist strahlt im Diskolicht.

Wir ziehen vorbei. Und dann passiert's...

Kollege Mobildisko reißt das Gas der kleinen 250er Zweitakter auf und läßt es krachen! Er zieht an uns vorbei, daß uns die Augen vor Staunen fast aus den Höhlen purzeln. Un­gläu­biges Johlen unter unseren Helmen. Maik und ich ziehen auf. 750 und 800 Kubik haben ernsthaft zu tun, mit der Be­schleu­­nigung der beiden Stand zu halten.

Die Jungens eskortieren uns nach Batman. Ja - Batman. So heißt eine größere Stadt im Süd­osten der Türkei.

Vor einem Hotel verabschieden wir uns. Gute Fahrt, Ihr Verrückten.

Diyarbakir

Kurden, Freude, Zuckerfest

In Diyarbakir haben wir gefühlt unseren er­sten Kontakt zum kurdischen Teil der tür­kischen Bevölkerung. Heut ist Zuckerfest. Der Ramadan ist beendet. Heißt für uns: Alle Läden zu. Nüx zu esse. Heißt für die Un­men­gen von Menschen auf den Straßen: Hossa. Feier. Heiterkeit.

Kinder ziehen mit Tüten voller Bonbons durch die Straßen. Junge und ältere Männer sitzen an den Straßen und trinken Tee.

Die kleinen beschenken uns mit Bonbons (und sprechen teilweise englisch und deutsch). Die großen laden uns zu Tee ein. Menschenauflauf um unsere Motorräder.

Egal, ob hier in den kurdischen Gegenden oder später im Iran: Speziell dort, wo kaum ein Tourist sich hinwagt basierend auf meist unsinnigen Vorurteilen und schlechter Pu­bli­city sind die Kontakte am herzlichsten. Freuen die Menschen sich aufrichtig, uns depperte Reisende auf den dreckigen großen Moppeds zu sehen.

Werden wir am herzlichsten begrüßt.
Kleiner Mann in Diyarbakir
Kleiner Mann in Diyarbakir

Durch das wilde Kurdistan

24/7-Video, Panzer & Stacheldraht

Nirgends auf unserer gesamten Reise werden wir soviel Militär, Panzer- & gepanzerten Fahrzeugen, Bunkern und Wachposten be­geg­nen wie in den Kurdengebieten.

Wir entscheiden anhand der Landkarte nicht über Tatvan, sondern Siirt, Sirnak, Uludere nach Hakkari und Yüksekova zu fahren, um die iranische Grenze zu erreichen.

Die Landschaft ist schlichtweg phänomenal. Wild ist ein absolut treffendes Attribut für die Berge, Felsen und Täler.

Überall sieht man türkische Militärposten. Auf den strategisch günstigen Felsrücken ober­halb der Täler liegen türkische Bunker, MG- Nester und Wachtürme. Darunter in die Täler schmiegen sich teils sehr einfach wir­ken­de Kurdendörfer. Die einfachen Lehmhütten wir­ken erdrückend klein unter den ständigen Blicken der Bewacher.

Und ständig überwacht wird hier zu 100%. Auf der Siirt-Sirnak Yolu (D370) von Norden kommend stehen wir plötzlich vor einer Weg­kreuzung. Rechterhand eine baulich ge­trenn­te Doppelspur samt Durchfahrt verboten Schild. Der Wegweiser zeigt geradeaus in die viel kleinere Straße. Wir nehmen diese. Und stehen plötzlich direkt zwischen Pan­zer­sperren.

Mit Händen und Füßen werden mir die türk. Soldaten gleich versuchen zu erklären, daß wir die Doppelspur nehmen sollen. Anhand der Aufnahmen von Überwachungskameras zei­gen sie mir die Kreuzung. Und die Kameras lassen anhand der Bildschirme ersichtlich de­fi­ni­tiv keinen cm² der Straße gen Sirnak un­über­wacht. Keinen cm². Dabei kann man wirklich nirgends auch nur eine Kamera ent­decken. (Die Google Maps Sa­tel­li­ten­karten geben 2013 übrigens nicht den aktu­ellen Stand der Region wieder.)
Die türkischen Posten sind hier in dieser Re­gion definitiv bis auf's äußerste i-Tüp­fel­chen ausgerüstet. Später werde ich bei der Fahrt meine Zweitkamera mit der linken Hand aus dem Tankrucksack ziehen und mal wieder während der Fahrt Fotos machen. Auf eines der Fotos verirrt sich eine regelrechte tür­kische Festung.

Kurze Zeit später - 1, 2 km weiter - fahren wir direkt auf die Festung zu. Ein ungutes Gefühl regt sich in der Magengegend. Und siehe da - wir werden barsch angehalten. "Ihr habt Fotos gemacht" heißt es auf englisch. Ausweise und Kameras vorzeigen. Mir geht ein wenig der Stift. Tausende Kilometer sind wir bis hier gefahren. Und tausende haben wir noch vor uns. Ich brauche sowohl die Kameras als auch die Karten!

Kameraaas! "Ich habe Bilder gemacht." - damit brauchen die anderen schonmal nicht vorzeigen. "Zeigen!" Ich greife die zweite Kamera und schaue, daß man die andere unterm Deckel des Tank­ruck­sacks nicht sieht. Mir geht die Pumpe.

Wir schauen die letzten Bilder durch und es ist nichts zu sehen. Ok. Mein Ausweis wird schnell noch kopiert. Dann dürfen wir weiter. Hei­de­witz­ka! Das hätte mächtig in die Hose gehen können. Die Jungens verstehen kei­nen Spaß.

Die Überwachung ist also offensichtlich bei­nahe perfekt. Wahnsinn, was für ein Aufwand dort betrieben wird, um ein paar isolierte tür­ki­sche Fahnen zu bewachen, die ohne Armee niemand hissen würde.

Das Festungsbild war übrigens barbarisch ver­wackelt. Empfindlichkeit der Digicam war zu niedrig eingestellt im Schummerlicht. Schade um die vertanen Schweißtröpfchen. Aber wiederholen wollt ich nicht... ;)

Durch das wilde Kurdistan II

Schotterpaß & Freundlichkeit

Die Landkarte zeigt neben der (dicken) roten und vermeintlich gemütlichen D400 (die extrem kurvige Straße durch wilde Fels­schluch­ten ist alles andere als gemütlich - sie rockt ohne Ende!) eine kleine, putzige weiße Straße ab Uludere.

Wir biegen links ab und durchfahren das kleine Städtchen Uludere in welchem am 28.12.2011 mind. 34 Menschen, welche für Terroristen gehalten wurden, durch zwei türkische F-16 Kampfjets den Tod fanden. Die Umstände wurden nie geklärt (Roboski Massaker).

Das anfängliche frisch verlegte Pflaster weicht Schotter und wir ahnen, daß unser Plan, schnell gen Yüksekova und damit gen ira­nische Grenze zu kommen, in weite Ferne rückt. Auch hier wieder Erichs alter Spruch: Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Über staubige Serpentinen und groben Schotter schrauben wir uns durch wilde Täler auf die Paßhöhe hinauf. Oben angekommen werden wir von einer kurdischen Imkerfamilie zu frischem, mitgebrachtem Wasser ein­ge­la­den. Gleich wird ein Kampfhubschrauber auf uns zuhalten, aber bald wieder abdrehen.

Wir rollen die nordöstliche Abfahrt des Passes mit ausgeschalteten Motoren hinunter. Stau­big rollen wir durch kleine kurdische Dörfer. Menschen jubeln uns zu. Kinder laufen hinter uns her. Männer im Schatten der Bäume win­ken uns und laden uns zu Tee (tschai - cay) ein.
Die Welt ist weit, weit entfernt in diesem einsamen Tal. Die Berge wild. Die Täler tief. Hart, aber herzlich die Menschen.

Es war eine gute Idee diese Strecke zu wäh­len.

Twin auf einer Paßhöhe im Kurdengebiet unterhalb MG-Nest
Twin auf einer Paßhöhe im Kurdengebiet


Weiterführende Infos:
- "Kurdistan" bei de.wikipedia.org
- Uludere bei de.wikipedia.org
- Bilder Uludere
- Uludere/Roboski Massaker (engl.)
- Schotterpaß ab Uludere in Motoplaner.de
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